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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 20.07.2009

Interview mit 2raumwohnung
Silvy Pommerenke

Das Berliner Duo hatte vor neun Jahren einen Überraschungserfolg mit seinem Song "Wir trafen uns in einem Garten" und ist mittlerweile aus der deutschen Popszene nicht mehr wegzudenken.



AVIVA-Berlin traf das kreative Paar in der von der Schließung bedrohten Bar 25 und sprach über das neue Album "Lasso", Erna und Willy an der Wursttheke und idyllische Almen.

AVIVA-Berlin: Ende Juli erscheint Euer neues Album, das wieder ganz anders klingt, als Euer vorletztes Album, auf dem starke Bossa-Nova-Elemente waren. Was hat Euch dazu veranlasst, nur ein einziges Bossa-Nova-Album zu machen?
Tommi: Das Bossa-Nova-Album war als Akustik-Album mit einer zweiten Idee gedacht. Wir empfinden das neue Album nicht als so anders, als die anderen. Für uns ist es der weitergehende logische Schritt.
Inga: Das Bossa-Nova-Album ist ein Remix-Album gewesen, und 2raumwohnung ist eigentlich immer groove-, dance- oder eben beatorientiert. Das ist die durchgehende Linie, und deswegen passt der Bossa Nova für uns groovemäßig hinein.


© Foto: Silvy Pommerenke



AVIVA-Berlin: "36 Grad", das Vorgängeralbum, war eher cluborientiert, und "Lasso" greift zurück auf Euer zweites Album. Ist das eine Art Zirkelschluss? Fangt Ihr wieder von vorne an?
Inga: Das war ein Versuch, ein ruhiges Album zu machen. Aber das ist uns bis jetzt nicht richtig gelungen, denn auch das Bossa-Nova-Album war nicht wirklich ruhig.
Tommi: Bei diesem Album war es natürlich auch so, dass wir vorher darüber nachgedacht haben, was wir gerne machen möchten. Wir hatten die Absicht, dass es ruhig werden sollte, und der Arbeitstitel hieß "Blaue Stunde". Aber es wurde wieder ganz anders, wodurch man merkt, dass es von allein entsteht bzw. man kann sich das gar nicht so stark ausdenken. Dabei ist man wie ein Jäger und Sammler, der nach der Weiterentwicklung suchen muss.
Inga: Auf einem bestimmten Level kann man sich das gar nicht ausdenken. Aber das ist das Schöne beim Musikmachen, dass es etwas Ungreifbares ist, das man nicht einordnen kann. Man findet ja auch an einem Tag ein Lied schön, am nächsten Tag nicht, wodurch sehr stark die Gefühle widergespiegelt werden.

AVIVA-Berlin: "Lasso" ist wirklich sehr abwechslungsreich geworden, auch was die Instrumentierung betrifft. Beispielsweise fängt der Song "Mosaik" mit akustischer Gitarre an, und gegen Ende kommen E-Gitarren, die an Carlos Santana erinnern. Außerdem greift ihr bei einigen Stücken auf Klassiker der 70er Jahre zurück.
Inga: Ja, das kann man so sagen. Auf die 70er Jahre sind wir immer wieder gekommen, weil es heute eine vergleichbare Zeit ist. Musikalisch gab es damals auch diese riesigen Produktionen, aber auch sehr viel Widerstand dagegen. Daraus ist Ende der 70er Jahre die ganze Punk-Geschichte entstanden, und ich glaube, dass es heutzutage ein bisschen ähnlich ist. Neue Gruppen brauchen heute auch keine Plattenfirmen mehr, denn es ist als neue Band sehr schwer, überhaupt nach oben zu kommen. Gerade, wenn sie einen etwas eigenwilligen und rebellischen Sound haben, wird es schwer.
Tommi: Es ist wichtig, dass sich die Musik heute stärker befreit, denn damals in den 70ern, mit Blondie oder den Sex Pistols, gab es einen Bruch. Vorher waren es Popgruppen, beispielsweise wie Toto, die in riesigen Studios in Kalifornien mit Streichorchester und anderem aufgenommen haben
Inga: Die hatten damals 88 Spuren, und die Spools passten gar nicht mehr in die Räume hinein. Durch das Aufgeblasene ist es jetzt anders, und trotzdem fordert das eine Gegenbewegung. Als junge Gruppe hat man mit einer Plattenfirma keine Chance, man muss das alles wieder selber machen.

AVIVA-Berlin: Der Markt ist ja auch extrem von Konkurrenz durchdrungen. Aber noch mal zurück auf "Lasso": Ihr habt gesagt, dass Musikmachen ein Prozess des Entstehens ist – allerdings gibt es ja auch MusikerInnen, die Konzeptalben machen, die also ein ganz klares Konzept vor Augen haben.
Tommi: Wir hatten schon ein Konzept, aber Inga war das sehr wichtig, dass es nicht bei diesem Konzept bleiben muss. Es sollte keine Impulskontrolle geben, und wenn es in eine andere Richtung gegangen ist, wollten wir nicht das Gefühl haben, dass die Ideen, die wir früher hatten, besser waren, als das, was wir in dem Moment empfunden haben.
Inga: So entsteht dann aus einem Stück ein neues. Man macht etwas, und dann entwickelt sich entweder etwas Gegenteiliges oder es gibt noch mehr Ideen zu einem Thema. So bewegt man sich dann von Stück zu Stück, was die Arbeit sehr aufregend macht.

AVIVA-Berlin: Ihr habt bereits das aktuelle und großartige Video "Wir werden sehen" veröffentlicht. Zwei der ProtagonistInnen sind sehr ungewöhnlich, nämlich die alte Dame und der alte Herr mit dem Rauschebart. Wie seid Ihr an die StatistInnen gekommen?
Inga: Unsere Freundin Anca Munteanu hat das Video gemacht und hat auch die Leute gecastet.
Tommi: Sie wollte ganz spezielle Persönlichkeiten, Originale haben und nicht die typischen Gesichter, die man normalerweise in Videoproduktionen sieht.
Inga: Sie hat dann damit gearbeitet, was in den Leuten steckte und ihnen nicht gesagt, was sie tun sollen. Sie haben mitgebracht, was sie sind und was sie können, auch wenn es nur kleine Bewegungen sind, aber die sind dann dafür ganz echt.
AVIVA-Berlin: Es gab mit Sicherheit keine Choreographie dafür, oder?
Inga: Nein, sie hat die Leute einfach vor die Kamera gestellt und gesagt, dass sie das machen sollen, was sie können. Natürlich hat sie kleine Regieanweisungen gegeben, aber beispielsweise der mit dem Rauschebart tanzt einmal in der Woche in Clärchens Ballhaus und hat das dann auch vor der Kamera getan.
AVIVA-Berlin: Wo habt Ihr das Video gedreht? Die Halle sieht total schön aus!
Tommi: Das ist das Haus Ungarn, in der Karl-Liebknecht-Straße. Das ist das alte Kulturinstitut von Ungarn, und dort haben wir im Kinosaal gedreht. Da war eine sehr gute Energie und ein guter Sound drin. Das hatte etwas sehr Schönes, wie in einem Akustikbau.


© Foto: Silvy Pommerenke



AVIVA-Berlin: Der Schlusssong Eures Albums, "Angel of Germany", fällt deutlich aus dem Rahmen, weil er im Volksmusik-Stil ist, auch wenn hier Form und Text total gut zusammen passen. Was hat Euch dazu motiviert, diesen Song zu machen?
Inga: Das sollte ursprünglich mal ein Film werden, bei dem es um eine Frau geht, die aus Deutschland nach Las Vegas auswandert und eigentlich Tänzerin werden möchte. Das schafft sie allerdings nicht, und sie wird stattdessen Stripperin. Es geht in diesem Song um zwei Dinge, die eigentlich nicht zusammen passen, nämlich um Sex und Trauer. Diese beiden Elemente aber dennoch zusammen zu führen, fand ich sehr interessant. Zum anderen geht es bei "Angel of Germany" darum, dass Volksmusik normalerweise von einer bestimmten Bevölkerung besetzt ist, und man im ersten Impuls über diese Art von Musik auch die Nase rümpft und die Ohren wegschaltet, aber eigentlich ist das eine tolle Art von Musik. Wir haben eine Situation in den Bergen erlebt, wo sehr alte Leute zusammen musiziert und gesungen haben, und es war so toll und einnehmend! Volksmusik im besten Sinne, denn es war unterhaltsam und sogar erotisch, auch wenn die Leute schon über achtzig waren.
Tommi: Die sangen über Buben und Madeln, aber die waren ganz toll. Da sangen zwei Frauen zweistimmig, und das hat mir richtig eine Gänsehaut bereitet und die Tränen in die Augen getrieben, weil das sofort so eine Energie hatte. Es war eine Selbstverständlichkeit, wie die so auf der Alm saßen und mitten in der Natur spielten, auch wenn die richtig alt waren, aber dabei auch richtig kernig. Und es wurden Schnäpse getrunken, was wir uns am frühen Abend gar nicht trauen würden.
Inga: Da kam eine Lebensfreude auf, wo wir gemerkt haben, dass diese Art von Volksmusik früher etwas war, wo auch brisante Themen angesprochen wurden. Auch wenn die alten Leute von Madeln und Buben gesungen haben, so war das nicht irgend ein seichtes Geblubber. Und als wir all das in dieser Musik entdeckt haben, mussten wir unbedingt einen Song in dieser Art machen und wollten das Genre einfach mal durchbrechen. Der dritte Punkt ist, dass im Ausland auf die Frage nach deutscher Musik die Volksmusik genannt wird. Deswegen wollten wir diese Art von Musik einfach mal anders instrumentieren, einen anderen Beat und eine andere Geschichte einbauen. Außerdem ist es eine Hommage an jemanden wie Fassbinder, der deutsche Frauen im Film auch immer so dargestellt hat. Wenn man da ein bisschen im Thema ist, dann hat man sofort Bilder im Kopf.
AVIVA-Berlin: Der Film wird nicht realisiert?
Tommi: Nein, der Film ist mit einer Pleite einer Filmfirma untergegangen. Das Drehbuch war in der Konkursmasse mit drin und somit futsch, aber vielleicht taucht es irgendwann mal wieder auf.

AVIVA-Berlin: 2005 habt Ihr AVIVA-Berlin schon einmal ein Interview gegeben, und da hast Du gesagt, Inga, dass Du es manchmal bereust, nicht in New York geblieben zu sein, wo Du einige Zeit gelebt hast. Außerdem hast Du den Wunsch geäußert, dass Du gerne aufs Land ziehen würdest um dem ganzen Stress zu entfliehen. Was ist aus Deinen Wünschen geworden?
Inga: Über die Geschichte mit New York bin ich mittlerweile drüber weg, weil wir in New York Platten aufgelegt haben und ich zwischendurch immer mal wieder dort hinreise. Aber der Wunsch, auf dem Land zu leben, ist immer noch da. Den habe ich nur noch nicht umgesetzt, da ich einfach keine Zeit dazu habe.
Tommi: Vor zwei Wochen waren wir auf dem Land und haben festgestellt, wenn wir ungefähr einmal im Jahr da sind, dann können wir das auch verschmerzen, dort kein Haus zu haben. Und wie Inga schon sagte, wir hätten gar keine Zeit, dort regelmäßig rauszufahren. Aber irgendwann soll es kommen.

AVIVA-Berlin: Ihr seid beide sehr lange im Showbiz drin, müsst von morgens bis abends Interviews geben, spielt Konzerte, legt Platten auf, schreibt Songs und seid im Studio. Kommt man da nicht irgendwann an einen Punkt, wo man eine Auszeit bräuchte oder ans Aufhören denkt? Peter Plate von Rosenstolz hat beispielsweise gerade ein Burnout-Syndrom und musste alle Termine und Konzerte absagen.
Inga: Zwischendurch nehmen wir uns ja eine Auszeit, beispielsweise jetzt auf der Alm.
Tommi: Wir machen das öfter zwischendrin und hatten auch Zeiten, wo wir dachten, dass der Burnout käme, und wir etwas verändern müssten. Auch das Tempo, was man eine Zeitlang mit Begeisterung vorlegt. Jeden Tag morgens anfangen und nachts um eins aufhören macht eine lange Zeit Spaß, aber irgendwann merkt man, wie man kräfte- und nervenmäßig an Grenzen stößt.
Inga: Wir konnten das gut nachvollziehen, was Peter da erlebt hat. Man merkt den Stress ganz lange nicht, und dann passiert es plötzlich. Ich bin vor zwei Jahren auch kurz vor einem Burnout gewesen. Ich habe dann sehr viel meditiert, Yoga gemacht und mich zurückgenommen, was irrsinnig mühsam war. Man geht über die eigenen Grenzen und dann dauert es sehr, sehr lange, bis man sich davon erholt. Ich merke es jetzt noch, und deswegen machen wir zwischendurch auch Pausen, wo wir mit dem Kopf rausgehen, was auch raus aus Berlin gehen bedeutet.

AVIVA-Berlin: Das Fatale an den kreativen Berufen ist, dass man letztendlich immer kreativ sein muss, und es manchmal vielleicht nicht mehr kann.
Tommi: Was heißt muss, man kann es einfach nicht sein lassen!
Inga: Es ist aber auch wichtig, dass man sich nicht nur über Kreativität definiert. Das wäre so, als wenn sich der Banker nur über Geld unterhält. Das stimmt einfach nicht. Weder von der Wahrnehmung noch von der Person. Deswegen braucht man einen Ausgleich. Viele Leute haben Familien, und dadurch entsteht automatisch ein anderer Wert und eine andere Beschäftigung, bei der man mit dem Kopf vom Job wegkommt. Wenn man keine Familie hat, dann geht es bei der Arbeit und bei den Freunden immer nur noch um die eine Sache, und dann kommt man wohl zum Burnout.
AVIVA-Berlin: Bei Menschen mit Familie leidet die wohl manchmal unter so einem MusikerInnen-Leben. Zwar hat man etwas, woraus man ganz viel Kraft zieht, aber es bleibt ja ein Stück weit ein Parallelleben.
Tommi: Da haben wir neulich ein gutes Wort von Simon Rattle gehört, dem Dirigenten der Berliner Philharmoniker, der meinte, dass sie alle Musik-Junkies wären. Sie suchen immer nach dem einen Moment, wo alles einzigartig ist. Er nannte das Einklang. Das ist bei den Klassikern genau so, wie bei uns.
AVIVA-Berlin: Aber sie werden ihn nicht finden, diesen einzigartigen Moment?!
Inga: Doch, sie finden ihn, aber von hundert Konzerten findest du ihn 98 mal nicht.
Tommi: Oder es ist nur ein kurzer Moment, wo man das Gefühl hat, dass es besser nicht klingen könnte ...
Inga: … und das Publikum und das Orchester sind eins, die Leute weinen, und dann weiß man, dass es stimmt! Das will man immer wieder haben, und dann macht man weiter, bis man umfällt.


© Foto: Silvy Pommerenke



AVIVA-Berlin: Es ist allgemein bekannt, dass Ihr nicht nur musikalisch sondern auch privat ein Paar seid, wodurch sich Berufliches und Privates miteinander vermischt und Ihr sicherlich auch Eure Konflikte miteinander habt. In einem Interview mit der Zeit vom Februar 2007 habt Ihr Euch als Erna und Willy an der Wursttheke bezeichnet. und ihr habt eine gemeinsame Wohnung und zwei getrennte. Wie klappt das mit der Trennung von Privatleben und Berufsleben? Oder ist das untrennbar miteinander verbunden?
Tommi: Das lässt sich nicht trennen. Es gibt sicherlich manchmal Momente, wo das einen nervt, oder sich dadurch verstärkt, dass beide über das gleiche reden.
Inga: Wir machen unsere Erfahrungen und versuchen beide, etwas zu verändern. Eine Maßnahme war das mit den Wohnungen, weil wir, wenn wir zusammen waren, es nicht mehr geschafft haben, nicht über Musik zu reden. Wir haben mittlerweile einen Weg gefunden, nicht mehr darüber zu reden. Wir sprechen über die Familie und darüber, wie wir uns fühlen. Aber das Thema Musik, welcher Mix wo drauf muss, und ob die Band diese oder jene Note spielen soll, das lassen wir ganz bewusst raus. Alles was mit Zeitdruck zu tun hat, lassen wir draußen. Aber das mussten wir erst mal lernen. Wir konnten das eine Weile nicht, weil wir das immer vermischt haben.
Tommi: Das klingt komisch, aber das ist eine Art von Disziplin, dass man das probiert. Natürlich geht es manchmal nicht anders, aber in den Momenten, wo man Abstand haben will, da muss die Musik außen vor bleiben. Manchmal schaffen wir das, weil das eh nur Gequatsche über Musik ist ...
Inga: Andererseits ist das ganz toll, so etwas gemeinsam zu machen. Ich kann mir das eh nicht vorstellen, was ich mit jemanden tun soll, der keine Musik macht. Da müsste man ja jeden Abend ins Kino gehen ... Diese Idee von Freizeit ist wirklich auch eine ganz andere.
Tommi: Wir waren ja gerade in den Bergen und sind da rumgelaufen und haben das sehr genossen, haben Photos von Blumen und Wiesen gemacht. Wir machen also auch wirklich bewusst andere Sachen.
Inga: Als Paar mal etwas anderes zu tun, und nicht nur Musik zusammen zu machen, das mussten wir erst lernen. Wir waren wirklich wie Erna und Willy an der Wursttheke, die nur noch gearbeitet haben.
Tommi: Wo das dann nur noch funktional ist und du sagst: 500 Gramm Hack bitte, oder womöglich wortlos miteinander kommunizierst. Da merkt man dann auch, wie man sich verändert, wie man mit Stress umgeht, oder was man zu dem anderen rüberschickt. Man lässt Druck am anderen ab, oder der andere macht plötzlich eine Ansage. Das muss man alles lernen.
Inga: Das muss man irgendwie entwickeln, und der Prozess als Paar ist auch nie zu Ende. Bei einer Krise muss man sich immer wieder fragen, ob man da weitermachen und zusammen durchgehen will, oder eben nicht. Die Freiheit muss man haben, auch wenn man damit das ganze Projekt torpedieren würde. Von daher war es für uns super wichtig, dass wir irgendwann entschieden haben, dass es okay wäre, wenn wir uns nicht mehr verstehen würden. Und wenn es wirklich soweit sein sollte, dann müsste man sich eben wirklich voneinander trennen. Es zwingt uns ja niemand, nur wegen der Musik zusammen zu bleiben.
AVIVA-Berlin: Aber 2raumwohnung ist ja schon wie ein gemeinsames Kind, und das in den Brunnen zu werfen, ist wohl sehr schwierig.
Inga: Ja, es ist wie ein gemeinsames Kind, und mit einem Mal hat man das Sorgerecht für das Kind. Das geht auch. Aber für uns war die Entscheidung wichtig, dass wir nicht zusammen bleiben müssen, sondern wir dürfen, wenn wir wollen.
Tommi: Es ist auch wichtig, Alternativideen zu haben, falls man die Band nicht weitermachen würde. Da muss man ganz konkret überlegen, was man will, und dann kann man sagen, dass man zwar eigentlich lieber die Band machen würde, aber wenn die nun nicht mehr wäre, dann macht man etwas anderes und schaut sich an, was war.
Inga: Es gibt wieder mehr Freude, das weiterzumachen und es auch wertzuschätzen, wenn man weiß, dass man das nicht machen muss.

AVIVA-Berlin: Liegt Euch noch etwas auf dem Herzen, was Ihr zu dem neuen Album sagen wollt, zu Eurer Wohnsituation oder zur Volksmusik …
Inga: Wir wollten noch mal betonen, dass wir uns bewusst als Interviewort die Bar 25 ausgesucht haben, weil das ein sehr schöner Ort ist, und weil der bedroht ist. Wir würden uns wünschen, dass er weiter existieren könnte.
AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Eurem neuen Album "Lasso"!

Die Bar 25 im Netz: www.bar25.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin: CD-Besprechung "in wirklich" und das "Interview mit 2raumwohnung aus dem Jahr 2005" und die CD-Besprechung zu "melancholisch schön"

Interviews Beitrag vom 20.07.2009 Silvy Pommerenke 

   




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