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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.01.2003

Engagierte Streiterin
S. Adler + C. Corne

Lea Rosh ist Journalistin, Moderatorin & Initiatorin des Mahnmals für 6 Millionen ermordete Juden aus 18 Nationen.



Am 24. August 1988 forderte sie erstmals öffentlich in einer Diskussionsveranstaltung die Errichtung eines (schon längst überfälligen) Mahnmals in Berlin, der Stadt, in der die Vernichtung der europäischen Juden beschlossen wurde. Gestartet ist sie mit einer Unterschriftensammlung.

Die SPD-nahe Bürgerinitiative "Perspektive Berlin" wurde gegründet. Vorsitzende ist Lea Rosh. Aus der "Perspektive Berlin" entstand der Förderkreis zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas.

Eine zwölf Jahre andauernde Debatte um die Errichtung des Mahnmals begann. Im Januar 2001 hat sie schließlich ihr Ziel erreicht: Mitten in Berlin und nicht, wie von ihren Gegnern gefordert, am Rande der Stadt wird es das Mahnmal für die Opfer des Holocaust geben.
Wir trafen Lea Rosh in ihrem Büro in Berlin-Mitte

AVIVA-Berlin: Frau Rosh, das Engagement für das Holocaust-Mahnmal hat Sie viel Zeit und Kraft gekostet. Woher nehmen und nahmen Sie in all den Jahren die Kraft weiterzumachen?
Lea Rosh:
Für mich hat sich nie die Frage gestellt aufzuhören. Ich habe mir alle sechs Vernichtungslager angesehen, nicht nur die bekannten wie Treblinka und Auschwitz. Nach diesen Erlebnissen habe ich den Entschluss gefasst, nicht einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen. Ich habe am Aschehaufen der Opfer ein Versprechen abgelegt. Es gab aber auch sehr viele düstere Stunden. Die enge Beziehung zu meiner Mutter hat mir sehr viel Kraft gegeben. Ich habe sie sehr geliebt.

AVIVA-Berlin: Sie beschäftigen sich mit einer der dunkelsten Seiten der Menschheitsgeschichte. Glauben Sie noch an das Gute im Menschen?
Lea Rosh:
Nein! Der Mensch ist schlecht. Sehen Sie sich an, was alles passiert. Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Korruption beweisen, dass der Mensch nicht aus seinen Fehlern lernt. Meiner Meinung nach muss man den Menschen ein gesetzliches Korsett anlegen, das ist die einzige Lösung. Deshalb bin ich auch für die EU.

AVIVA-Berlin: Nach zwölf Jahren mühevollen Ringens haben Sie die Errichtung des Holocaust- Mahnmals durchgesetzt. Sind Sie stolz auf sich?
Lea Rosh:
Stolz...? Nein, nicht stolz. Ich habe viele Helfer gehabt. Mein Mann und viele Freunde haben mich sehr unterstützt. Außerdem habe ich durch das Projekt auch neue Freunde gewonnen. Ich habe eigentlich dauerhaft Bestätigung erhalten. Man fragt mich oft, ob ich rückblickend wieder als Initiatorin für das Mahnmal auftreten würde. Ich fürchte ja, schließlich hat es zum Erfolg geführt.

AVIVA-Berlin: Was halten Sie von dem Entwurf des US-Architekten Eisenman, der letztendlich den Auftrag für den Bau des Mahnmals erhalten hat?
Lea Rosh:
Ich halte den Entwurf von Eisenman für eine schöne Skulptur, aber mein Favorit war immer der Entwurf der Berlinerin Christine Jacobs-Marks. Ein Namensplatte, auf der die sechs Millionen Opfer verzeichnet sind erscheint mir logischer als die Arbeit von Eisenman. Ich finde auch Aktionen wie den Jom HaShoah gut. (Anmerkung der Redaktion: Namenslesung zum Gedenken an Jom HaShoah an der Gedenktafel am Ort des zukünftigen Mahnmals für die ermordeten Juden Europas)

AVIVA-Berlin: Wie stehen Sie zu der Diskussion um ein Verbot der NDP?
Lea Rosh:
Ich bin für ein Verbot der NDP und der DVP. Diese Parteien gefährden die Demokratie und müssen weg. Der Gesetzgeber sollte rechtsextreme Täter mit der ganzen Härte des Gesetzes bestrafen. Die Strafe für die Mörder von Omar Ben Noui in Guben ist nicht hart genug. Sie haben zwei Jahre dafür bekommen, dass sie einen Menschen stundenlang zu Tode gehetzt haben. Der Urteilsspruch lautete, dass die Täter seinen Sprung durch die Scheibe nicht verursacht hätten. Als wenn jemand freiwillig durch eine Glastür springen würde...

AVIVAViVA-Berlin: Sie haben im Oktober letzten Jahres die GmbH für Medien und Kommunikation gegründet, die sich in Berlin-Mitte befindet. Mit welchen Projekten befassen Sie sich aktuell?
Lea Rosh:
In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Urania Berlin haben wir 15 Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus organisiert. Wir fahren in Städte wie Guben, Cottbus und Hoyerswerda und versuchen, durch einen öffentlichen Diskurs Aufklärung zu betreiben. Wir haben dazu ausgewiesene Experten aus Politik, Wissenschaft und Kultur eingeladen. "Das politische Cafe" ist ein Podium für Bürger, die sich informieren und orientieren wollen.

AVIVA-Berlin: Anfang Februar moderierten Sie im Museum für Kommunikation in Berlin eine Diskussionsrunde zum Thema Internet (Titel der Diskussionsrunde: "Emanzipation von der Information - oder: Hat Wissen noch Autorität?"). Wie gehen Sie persönlich damit um?
Lea Rosh:
Das Internet vermittelt kein Wissen, sondern Informationen. Informationen allein machen noch kein Wissen. Trotzdem halte ich das Internet für etwas ganz, ganz Tolles. Mein Neffe ist gerade in Afrika. Ich schreibe ihm eine Email und drei Sekunden später ist sie da. Oder ich drucke mir wichtige Zeitungsartikel aus. Unsere Firma hat auch eine eigene Homepage. Aber das wichtigste sind mir immer noch die Gespräche mit meinem Mann und meinen Freunden.

AVIVA-Berlin: Frau Rosh, Sie sind Atheistin mit einem jüdischen Großvater. Fühlen Sie sich als deutsche Jüdin oder als jüdische Deutsche?
Lea Rosh:
Für mich ist das weniger eine Glaubensfrage, als ein politisches Bekenntnis. Ich glaube nicht an Gott. Ich bin mit 18 Jahren aus der Kirche ausgetreten und seitdem Atheistin. In diesem Sinne fühle ich mich als jüdische Deutsche. Ich habe die Phantasie, mich in die Rolle von Minderheiten hineinzuversetzen, egal ob es sich um schwule Männer, Behinderte, Zigeuner oder Juden handelt. Den meisten Menschen fehlt diese Phantasie. Sie leben nach der Regel: Das sind doch immer die anderen!



Weitere Infos unter:


www.holocaust-denkmal-berlin.de

Interviews Beitrag vom 17.01.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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