Hélène Grimaud im Interview. Deutsch und Französisch - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 23.02.2006

Hélène Grimaud im Interview. Deutsch und Französisch
Coppens, Niehaus, Adler

Die weltweit gefeierte, feenhafte Pianistin, Autorin der Autobiographie "Wolfssonate", kümmert sich nebenbei auch noch um ein Rudel Wölfe im "Wolf Conservation Centre"...



Das Interview führte AC Coppens. Konzeption: Ruth Niehaus und Sharon Adler.

Cliquez ici pour lire la version française!

AVIVA-Berlin: Kommen Sie oft nach Berlin?
Hélène Grimaud: Ja, um meine Platten aufzunehmen. Ich mag diese Stadt sehr, sie ist eine meiner Lieblingsstädte in Europa....a world in itself!

AVIVA-Berlin: Gibt es einen Ort in der Stadt, den Sie immer wieder gern aufsuchen?
Hélène Grimaud: Es gibt zu viele schöne Stellen, ich könnte es nicht sagen, oder doch, vielleicht die Bergmannstraße in Kreuzberg.

AVIVA-Berlin: Hat Ihr Entschluß, Frankreich zu verlassen, um in Amerika zu leben, hauptsächlich damit zu tun, daß Sie dort ein Wolfsreservat errichtet haben? Haben Sie dort etwas wiedergefunden, was dieser "großen Harmonie" ähnelt, die Sie als Kind mit ihren Eltern in der Carmargue entdeckten?
Hélène Grimaud: Ich habe mich Frankreich nicht abgewandt, es war tatsächlich eine positive motivierte Wahl, woanders hinzugehen. Ich mag Frankreich wegen der Menschen, die ich liebe, aber was das Land selbst betrifft, habe ich mich niemals wirklich durch und durch als Französin gefühlt, ich hatte niemals ein wirklich so ein tiefes Gefühl für das Land. Es ist, als wäre ich nicht wirklich verwurzelt gewesen, ohne das Gefühl einer besonderen Zugehörigkeit. Und dann entdeckte ich die Vereinigten Staaten anläßlich eines Konzerts. Diese Vielfältigkeit und die Weite der Landschaften haben mich fasziniert. Etwa eine Stunde von Manhattan entfernt fand ich dann eine Gegend mit einer enormen Artenvielfalt, ein "open space", ideal für ein Reservat - friedlich und tatsächlich harmonisch.

AVIVA-Berlin: Zwischen den Wölfen des "Wolf Conservation Centre" und Ihnen herrscht eine große Vertrautheit - nehmen Sie in der Hierarchie des Rudels einen ganz bestimmten Platz ein? Wieviel Zeit widmen Sie den Wölfen?
Hélène Grimaud: Das Reservat beschäftigt mich nach wie vor sehr und ich bin in ständigem Kontakt mit denen, die sich vor Ort um alles kümmern.
Die Wölfe, diese ausgezeichneten Räuber, sind sehr stark miteinander verbunden. Sie leben in einem sozialen System mit all seinen Fluktuationen, seiner Dynamik. Auch als menschliches Wesen ist man dessen Regeln unterworfen. Problematisch wird es, wenn man versucht, sich als eine Art "Super-Alpha" zu profilieren. Was zählt, ist der Respekt, zur Gleichheit mit den Wölfen bereit zu sein - wie eine beiderseitige Wahl.

AVIVA-Berlin: Ist es das, was die Wölfe den Menschen lehren können?
Hélène Grimaud: Ja, Respekt und Demut.

AVIVA-Berlin: Was beobachten Sie, wenn Kinder den Wölfen im Reservat begegnen?
Hélène Grimaud: Alle möglichen Spielarten der Begegnung…. Man darf die Kinder nicht unterschätzen, sie finden sofort einen Bezug zu den Tieren- jenseits der Sprache. Mit ihnen dreht sich die Welt weiter, sie stellen so treffende Fragen. Sie leben wirklich im 100%igen Austausch mit ihrer Umwelt.

AVIVA-Berlin: Was fühlen Sie, wenn Sie, umgeben von Wölfen, Ihre Partituren studieren? Spielen Sie anders, seit Sie der Wölfin Alawa begegnet sind?
Hélène Grimaud: Mit den Wölfen zusammenzusein, erfordert die gleiche Konzentration wie das Musizieren. Gut, ich spiele nicht inmitten der Wölfe…aber im Geiste bin ich bei ihnen. "they keep me grounded". Und so bleibe ich in Kontakt mit meiner Intuition und das ist etwas was mich ganz durchdringt.

AVIVA-Berlin: Wann haben Sie angefangen, Klavier zu spielen und wann wurde Ihnen klar, welche Rolle es in Ihrem Leben einnehmen würde?
Hélène Grimaud: Ich habe etwa mit 8 Jahren angefangen ich glaube, ich habe es sofort begriffen... spätestens aber mit 11 Jahren war alles klar für mich.

AVIVA-Berlin: Sie begeistern sich seit Jahren für die Musik von Chopin und Rachmaninow. Was bedeuten diese beiden Komponisten für Sie?
Hélène Grimaud: Sie haben die Befähigung zu einer besonderen Sehnsucht. Ein ganzes Leben wird nicht reichen um ein Werk wirklich zu verstehen, zu durchdringen. Tatsächlich erfindet man dabei nichts hinzu - es ist ein Prozeß, bei dem es immer wider neu entdeckt wird.

AVIVA-Berlin: Komponieren Sie selbst?
Hélène Grimaud: Nein, dieser "Zwang" hat sich noch nicht gezeigt.

AVIVA-Berlin: Also, eher schreiben als komponieren? Was hat Sie veranlaßt, Ihre intimsten Erfahrungen in einer Autobiographie zu veröffentlichen?
Hélène Grimaud: Bücher waren meine ersten Freunde, noch vor der Musik. Schreiben, das ist etwas anderes. Es ist das Ergebnis des Denkens, der Wortrhythmus einer Empfindung. Musik macht das Leben intelligent, bedeutend, weil sie das Unsagbare kommuniziert.

AVIVA-Berlin: In Ihrem Buch gibt es einen Satz - "Es gibt so wenig Menschen unter den Menschen", was wollen Sie damit sagen?
Hélène Grimaud: Ich bin von Natur aus optimistisch. Selbst wenn ich in mir einen tiefen Zweifel spüre… Aber ich billige dem Menschen gern die Wohltat des Zweifels zu. Der Mensch hat den Wunsch, sich zu erheben, sein Leben neu zu gestalten, neu zu erfinden.

AVIVA-Berlin: Auf den letzten Seiten Ihres Buches schreiben Sie, jeder müßte sein Element finden. Was den Vögeln der Himmel, die Erde den Wölfen, wäre die Kunst für den Menschen. Was bedeutet die Kunst für Sie?
Hélène Grimaud: Kunst, das ist das, was uns von der Welt der Tiere trennt. Das macht den Menschen aus.

AVIVA-Berlin: Viele Menschen sind überzeugt, nichts von klassischer Musik zu verstehen oder keinen Zugang zu finden. Spielen Sie für KennerInnen? Was wollen Sie Ihrem Publikum geben?
Hélène Grimaud: Oh nein, ich mache keine Unterscheidungen. Musik ist gleichbedeutend mit Gefühl. Es genügt, sein Herz zu öffnen, etwas zu spüren.

Lesen Sie auch die Rezension zum Buch "Wolfssonate" und zur CD "Hélène Grimaud spielt Chopin, Rachmaninov" auf AVIVA-Berlin.


Interviews Beitrag vom 23.02.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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