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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 08.08.2007

Camila Morgado im Interview
Jana Muschick

Die junge Brasilianerin spielt im neuen Kino-Epos "Olga" die Hauptdarstellerin und gibt damit ihr Kinodebut. Im Interview zeigt sie sich offenherzig und tiefgründig zugleich.



1975 im brasilianischen Petrópolis geboren, begann Camila Morgado mit 17 Jahren ihre Schauspielkarriere. Sie studierte in Rio de Janeiro am Centro de Artes des Laranjeiras und in Sao Paulos Centro de Pesquisa Teatral Antunes Filho, wo sie auf den renommierten New Yorker Theater-Regisseur Gerald Thomas traf.
Fünf Jahre gehörte sie zu Geralds festem Ensemble in Saou Paulo und trat unter anderem in den englischsprachigen Produktionen "Nowhere Man" und "Ventrilopist" auf. In Joao Falcaous "Mamae Nao Pode Saber" stand sie
zuletzt auf der Bühne.
Ihr erstes Engagement vor der Kamera erfüllte Morgado 2003 als Manuela in der preisgekrönten TV-Serie "A Casa das Sete Mulheres" unter der Regie von Jayme Monjardim. Schon zwei Jahre zuvor hatte sie Monjardim bei einem Casting für seine Telenovela "O Clone" kennen gelernt. Der Regisseur war so hingerissen von der jungen Aktrice, dass er sie für seinen Spielfilm "Olga" unbedingt in der Hauptrolle sehen wollte.

AVIVA-Berlin: Frau Morgado, Ihr Film hat mich besonders emotional berührt. Es ist nicht leicht, sich auf einen derartig vielseitigen Charakter vorzubereiten. Was haben Sie dafür getan?
Camila Morgado: Es war eine der schwersten Rollen meines Lebens.
Ich habe im Laufe der Dreharbeiten viele Veränderungen durchgemacht, auch,
was meine persönliche Entwicklung betrifft.

AVIVA-Berlin: Sie haben dafür auch an einem Armeetraining teilgenommen?

Camila Morgado: Die Vorbereitungen am Anfang des Filmes waren sehr intensiv. Ich musste körperlich hart trainieren, um an Muskelmasse zu gewinnen. Erst sollte ich zunehmen - als die Dreharbeiten dann begonnen hatten, musste ich wieder an Gewicht verlieren. Ich habe sogar an einem Schießtraining teilnehmen müssen. Dieser Film hat mich sehr herausgefordert.

AVIVA-Berlin: Die Familie von Olga ist mit ihrer Tochter im Clinch. Wie ist es bei Ihnen? Wie kommen Sie persönlich mit ihrer Mutter klar? Konnten Sie sich gut in dieses Mutter-Tochter-Problem einarbeiten?
Camila Morgado (lacht): Nein, es war in meinem Leben nicht nötig, die selben Dinge durchzumachen, die Olga in ihrem Elternhaus mitgemacht hat. Ich kenne so etwas aus meiner Familie nicht. Ich musste mich aber sehr bemühen, um mich psychologisch in Olga hinein zu versetzen und mir eine ähnliche Situation vorzustellen. Die psychologische Situation der Figur ist sehr schwierig und hat mir wirklich sehr viel abverlangt. Olga hat viele Probleme und lebt wie in einem Dampfkochtopf, der kurz vor dem Explodieren ist.

AVIVA-Berlin: Die Szene, in der Olga ihre einjährige Tochter Anita weggenommen wird, war ebenfalls psychologisch sehr anspruchsvoll. Was haben Sie dabei empfunden, als die Szene gedreht wurde bzw. als Sie diese danach angeschaut haben?
Camila Morgado: Diese Szene war für mich die schwierigste des ganzen Filmes.
Ich musste alle Seiten der Olga in diese Szene hinein bringen - nicht nur die der Mutter, sondern auch die der Geliebten, der politisch engagierten Kämpferin, also die komplette Figur in einem Kulminationspunkt. In diese Szene musste ich wirklich meine ganze Kraft hineinlegen - eine Energieexplosion, eine Katharsis - weil es einfach ein so elementarer Moment ist. Ich habe mich darauf vorbereitet, indem ich Tiere beobachtete, mir Löwen und Leoparden anschaute, denen die Jungen entrissen wurden. Für diese ging ich
an die Grenze meines emotionalen Leistungsvermögens.
Es geht an die Instinktebene - auch beim Menschen. Auf dieser Ebene sind sich Mensch und Tier gleich - hier findet eine Katharsis statt.
Es berührt mich immer noch, wenn ich nur an die Szene denke.

AVIVA-Redaktion: Olga ist sehr mutig und kämpft für ihre "gerechte Sache". Was bedeutet für Sie in ihrem Leben Mut?
Camila Morgado: Eine mutige Person zeigt sich darin, dass sie erst Angst hat, wenn die Sache, für die sie kämpft, vorbei ist. Ein gutes Beispiel dafür ist der letzte Brief von Olga Benario: "Missversteht mich nicht, die Vorbereitung auf den Tod bedeutet nicht, dass ich nun aufgebe, sie bedeutet nur, dass ich ihm gewachsen sein werde, wenn er kommt" (Anm. d. Red.: Ausschnitt aus dem letzten Brief von Olga Benario Prestes, 1942).

AVIVA-Redaktion: In der DDR war Olga Heldin und Ikone zugleich. Sieben Straßen verschiedener Städte, 91 Schulen, Fabriken und Brigaden wurden nach ihr benannt. Gibt es in Brasilien ähnliche Denkmäler oder Andenken an Olga Benario?
Camila Morgado: Es ist bei weitem nicht so, wie es in der DDR war. Es gibt weder Straßen, Schulen noch Plätze, die nach Olga benannt sind. Richtig bekannt wurde Olga erst durch das Buch von Fernando Morais "Olga". Es erschien 1985. Vorher kannte man Olga nicht wirklich. Sie wurde auch nicht als Frau von Prestes bekannt. Dieser hatte verschiedene Frauen und viele Kinder, die nicht so erpicht darauf waren, dass dieses "Erbe" von ihm an die Öffentlichkeit gelangt. Als ich mein Armeetraining machen musste, kannten alle Soldaten Olga, lehnten sie allerdings ab, weil sie eine Revolutionärin war.
Es ist mir stark aufgefallen, dass Olga nur im Osten Deutschlands bekannt ist. Ich hatte eine Sprachlehrerin, bei der ich Phonetikunterricht hatte. Sie ist in München geboren und kannte Olga überhaupt nicht. Auch in Russland kannte man Olga Benario - jeder, der eine kommunistische Vergangenheit hatte, kennt sie natürlich. Ansonsten ist sie eher unbekannt.

AVIVA-Redaktion: Haben Sie Anita Leocádia Prestes persönlich getroffen? Welchen Eindruck machte die Tochter von Olga Benario und Luís Carlos Prestes
auf Sie?
Camila Morgado: Ich war drei Tage vor den Dreharbeiten bei Anita Leocádia Prestes zu Hause. Dort bekam ich einen großen Schrecken: als ich das Haus betrat, hing ein riesiges Foto von Olga im Flur. Ligia Prestes, die jüngere Schwester von Luís Carlos, war auch dabei. Dieser Besuch war für mich sehr wichtig, da ich hier erst begriffen habe, dass es sich um eine reale, echte Person handelt, von der dieser Film erzählt. Die Begegnung war für mich sehr wichtig. Anita Prestes ist sehr zurückhaltend. Das hat mit ihrer sehr schweren Lebensgeschichte zu tun. Anita und Lígia haben mir viel vom Leben der ganzen Familie erzählt. Ich erfuhr einiges über Dona Leocádia Prestes, die im Film von Fernande Montenegro gespielt wird.
Anita zeigte mir einen Videofilm von ihrem Vater, in dem er von Olga erzählt. Dadurch konnte ich besser begreifen, dass diese Geschichte wirklich passiert ist.

AVIVA-Redaktion: Welche Projekte und Vorhaben haben Sie in der Zukunft?
Camila Morgado: Ich arbeite viel für Globo Filmes, habe aber große Sehnsucht nach dem Theater, weil ich seit fünf Jahren nicht mehr auf der Theaterbühne war. Außerdem habe ich einen Text entdeckt, den ich gern ins Theater bringen möchte. Darüber kann ich aber noch nichts verraten...

AVIVA-Berlin: Frau Morgado, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit all ihren zukünftigen Projekten und dem privaten Glück.

Lesen Sie auch unsere Rezension zur Verfilmung
"Olga"
auf AVIVA-Berlin

Interviews Beitrag vom 08.08.2007 Jana Muschick 

   




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