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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 18.02.2007

Hotel Very Welcome – Interview mit Sonja Heiss
Tatjana Zilg

In der Perspektive Deutsches Kino der 57. Berlinale präsentierte die Regisseurin ihren Film über das Reisen: Vier Episoden mit fünf DarstellerInnen auf der Suche nach sich selbst in Asien und Indien



Wer würde nicht gerne des öfteren seine Sachen packen und sich in die weite Welt begeben. - Sonja Heiss begleitet in ihrem ungewöhnlichen Filmprojekt fünf Reisende auf ihren kleinen und grossen Abenteuern in ferne Ländern.

Auf ganz unterschiedliche Art versuchen sie ihr Glück zu finden. In der Ekstase der Fullmoonraves am thailändischen Strand, in den Gruppen-Sessions und am Swimming-Pool eines Meditationscenters, auf einem Ein-Personen-Wüstentrip mit einheimischen Führer in Indien oder in der Einsamkeit eines Stop Over Hotels, das nach einem verpassten Anschlussflug zum Urlaubsort wurde. Niemand wird finden, was er/sie sich zu Hause vom fremden Land erträumt hat, aber letztlich führen die neuen Erfahrungen und Begegnungen doch zu einer neuen Sicht auf sich selbst.

AVIVA-Berlin sprach mit der Regisseurin über Reisen, ihre Arbeitsweise, den Dreh und die Entstehung von “Hotel Very Welcome”.

AVIVA-Berlin: Was hat Sie am Thema Reisen besonders fasziniert?
Sonja Heiss: Da gab es mehrere Aspekte. Zum einen, dass man auf Reisen oft auf sich selbst zurückgeworfen wird. Nicht mehr in der gewohnten und sicheren Umgebung des Zuhause, manchmal eben auch ganz alleine, entdeckt man plötzlich Emotionen und Gedanken, die zu Hause gar nicht erst aufkommen. Die Idee, man könnte auf eine Reise gehen und damit seine Sorgen hinter sich lassen oder seine Probleme dort lösen, die selten aufgeht. Und die Frage, was treibt uns in die Ferne, was wollen wir da? Was erwarten wir uns davon?
Bei „Hotel Very Welcome“ ist es aber auch die spezielle Form des Rucksackreisens, die uns extrem interessant und filmisch noch wenig behandelt erschien. Das Individualreisen ist mittlerweile auch ein Massenphänomen und damit auch nicht mehr so individuell wie früher einmal.
Der Backpacker ist heute nicht mehr der große Abenteurer, der sich durch unbekanntes Terrain schlägt, denn mit dem Lonely Planet als Reiseführer kann einem eigentlich nicht mehr viel passieren. Man selbst ist das Abenteuer.
Das Thema erschien uns aber auch so reichhaltig für einen humorvollen Film. Die vielen kleinen Missverständnisse und Anstrengungen, die Kommunikation mit den Einheimischen, die skurrilen Momente und Begebenheiten, die sich dann doch ergeben. Die kleinen Abenteuer eben . ....

AVIVA-Berlin: Würden Sie „Hotel Very Welcome“ als Spielfilm oder als Doku bezeichnen? Warum?
Sonja Heiss: Ich würde ihn als Spielfilm mit dokumentarischen Elementen und Momenten bezeichnen. Dokumentarischer Spielfilm ginge auch.
Es gibt so viele unterschiedlich umgesetzte Szenen, dass man eigentlich gar nicht in einem Satz oder mit einem Begriff auf den Punkt bringen kann, wie exakt wir den Film gemacht haben.

AVIVA-Berlin: Wie sah Ihr Drehbuch aus? War es sehr frei angelegt oder gab es auch festgelegte Dialoge?
Sonja Heiss: Es gab die Geschichte der Figuren: Die Charaktere und der Konflikt waren klar ausgearbeitet.
Es gab Szenen, die detailliert ausgearbeitet waren wie z. B. die Telefonate oder die zentralen Szenen wie Liam`s Gespräch über sein Kind mit dem Kamelführer.
Andere Szenen waren stark improvisiert oder auch einfach spontan entstanden oder real. Dann gab es auch Szenen, die nicht funktioniert haben vor Ort, weil die Gegebenheiten nicht so waren wie vorher angenommen. Daraufhin haben wir umgeschrieben. Bei vielen Szenen war es eine Mischung aus diesen schon bestehenden Ideen und Improvisation. Wir haben ja sowohl mit Schauspielern als auch mit Nicht-Schauspielern gearbeitet. Auch deshalb unterschied sich die Arbeitsweise immer wieder.

AVIVA-Berlin: Warum haben Sie Asien als Zielort ausgewählt, und nicht Lateinamerika oder Australien, die ja auch beliebte Reiseorte sind?
Sonja Heiss: In allererster Linie wohl, weil der Co-Autor und Kameramann von „Hotel Very Welcome“, der auch mein Lebengefährte ist, und ich schon sehr oft selbst mit dem Rucksack in Asien gereist sind.
Es ist aber auch eine besonders große und eine spezielle Gemeinde, die nach Asien reist. Thailand erschien uns sehr interessant, weil der Backpackertourismus dort am Klarsten auf der Schwelle zum Massentourismus balanciert. Die Partyinseln etc. In Thailand spielt es für die Reisenden auch am Wenigsten eine Rolle, mal Einheimische kennen zu lernen.
Und Indien, auch als Kontrast, weil man hier schon noch sehr viel mehr von Land und Leuten mitbekommt und weil Indien sozusagen der Klassiker für Backpackingreisen in Asien ist. Und ein Land in das es die Reisenden auch aus spirituellen Gründen zieht.

AVIVA-Berlin: Wie haben Sie zu Ihren ProtagonistInnen gefunden?
Waren sie sofort bereit zu diesem ungewöhnlichen Projekt oder gab es viel Zögern und Skepsis?
Sonja Heiss: Es gab wenig Skepsis und Zögern und dass wir nach Asien fahren wollten, war bestimmt auch ein Pro-Argument, wie auch die ungewöhnliche Arbeitsweise. Die meisten Protagonisten sind auf klassischem Wege gecastet, zwei kannte ich schon vorher.

AVIVA-Berlin: Ist eine der vier Geschichten Ihnen besonders ans Herz gewachsen?
Sonja Heiss: Im Schnitt hat sich das immer wieder abgewechselt. Mal mochte ich die eine Episode am liebsten, dann die andere. Jetzt am Ende sind sie für mich eine Art Einheit. Ich sehe den Film als Ganzes und habe in jeder Episode meine Lieblingsszenen.

AVIVA-Berlin: Warum haben Sie völlig auf Hintergrundkommentare verzichtet?
Sonja Heiss: Die Frage hat sich uns eigentlich nie gestellt. Das, was man sieht, sollte für sich selbst sprechen. Es geht hier ja auch gar nicht um Fakten oder Urteile. Zudem lässt es die filmische Form die wir gewählt haben meiner Meinung nach gar nicht zu. Das wäre dann ja auf einmal eine Art „Bericht“ und das Gegenteil wollten wir erreichen. Der Zuschauer soll auch eintauchen können.

AVIVA-Berlin: Die Szenen wirken sehr natürlich, man merkt auch den anderen Mitwirkenden, den zufälligen StatistInnen nicht an, dass dort eigentlich gerade auch Kameraleute anwesend gewesen sein müssen. Wie haben die InderInnen und auch die Leute im Meditationszentrum auf Ihr Projekt reagiert? Waren Sie überall sofort willkommen?
Sonja Heiss: Meistens waren wir willkommen, die Inder waren oft auch sehr neugierig und wollten sehr gerne mitmachen, aber auch viele Reisende. Das Interesse der Inder war auch manchmal so groß, dass wir uns auf einmal von 60 Menschen umringt sahen. Manchmal gab es Leute, die nicht gefilmt werden wollten, aber sehr wenige. Manche wollten auch einfach Urlaub machen und keine Zeit darauf verwenden, mit uns zu drehen.

AVIVA-Berlin: Welchen Stellenwert hat Reisen in Ihrem eigenen Leben? Wohin ging Ihre erste große Reise und wie oft im Jahr zieht es Sie in die Ferne?
Sonja Heiss: Reisen hat in meinem Leben einen sehr großen Stellenwert. Ich reise sehr viel oder so viel ich kann. Und deshalb ist auch in jeder Episode des Films etwas von mir selbst drin. Meine erste „große“ Reise, außerhalb Europas ging nach Indonesien.
Wie oft im Jahr ist schwierig zu beantworten. Je nach Finanzlage würde ich mal sagen. Mindestens ein Mal, manchmal verreise ich aber auch 5 Mal im Jahr, wobei nicht fünf Mal Transatlantik.

AVIVA-Berlin: Der Film wird kurz nach der Berlinale im Filmhaus Potsdam gezeigt. Gibt es schon weitere Pläne für einen Kinostart?
Sonja Heiss: Noch nicht. Wir haben noch keinen Verleih. Wir haben mit der Suche abgewartet, wollten ihn jetzt erstmal auf der Berlinale zeigen und dann so einen Verleih finden.

AVIVA-Berlin: Wird Sie das Thema Reisen noch in weiteren Filmen beschäftigen?
Sonja Heiss: Erst mal nicht. Ich finde es wichtig, sich immer wieder mit neuen Themen zu beschäftigen.

AVIVA-Berlin: Haben Sie schon eine Idee für ein neues Projekt?
Sonja Heiss: Bisher nur grobe Ideen und Ansätze. Ich mache jetzt erst mal eine kleine Pause.

AVIVA-Berlin: Werden Sie sich auf der Berlinale selbst viele Filme anschauen? Auf welche freuen Sie sich besonders?
Sonja Heiss: Ich werde versuchen, so viele Filme wie möglich zu sehen, habe auch schon den Katalog ausgiebig studiert, aber dadurch, dass mein Film dort läuft, habe ich ganz schön viele Termine. Gerade versuche ich, so viele Filme wie möglich in der Perspektive zu sehen, habe mir aber auch schon ein paar aus Forum, Panorama und Wettbewerb ausgeguckt, die ich sehen will.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview!

Hotel Very Welcome
90 Min., Deutschland 2007
Regie: Sonja Heiss
Buch: Sonja Heiss, Nikolai von Graevenitz
Kamera: Nikolai von Graevenitz
DarstellerInnen: Ricky Champ, Gareth Llewelyn, Eva Löbau, Chris O’Dowd, Svenja Steinfelder, Jinde Khan, Martin Löschmann, Zorana Musikic, Jado Alagad John, Nathalie Sorrell, Gabriel Kashin, Jono East, Ian Waldock, Wade Davis, Judith Bakker, Evelyn Möcking, Lu Ling Song, Navot Ben Barak

Der Film wird am Donnerstag, dem 22. Februar 2007, auf der Potsdam Berlinale im Filmmuseum um 18.00 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin Sonja Heiss gezeigt.

Filmmuseum Potsdam
Marstall am Lustgarten (Breite Straße 1A)
14467 Potsdam

www.filmmuseum-potsdam.de

Interviews Beitrag vom 18.02.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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