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AVIVA-BERLIN.de 2/17/5778 - Beitrag vom 24.01.2012

Oma & Bella. Ein Film von Alexa Karolinski
AVIVA-Redaktion

Ein filmisches Denkmal zweier Holocaust-Überlebender, die über der Zubereitung ihrer Lieblingsgerichte ihre Erinnerungen an die guten und an die schlimmen Zeiten von früher lebendig halten. Zwei...



... wunderbare Berlinerinnen.

"Oma & Bella" ist ein Film über zwei jüdische Frauen in Berlin und porträtiert ihre jahrzehntelange Freundschaft: die beiden teilen nicht nur eine außergewöhnliche Geschichte, sondern halten diese mit Humor und guter jiddischer Küche lebendig. Der Film begleitet die Freundinnen durch ihren Alltag, beobachtet sie bei ihren täglichen Routinen, lauscht ihren Gesprächen über Herkunft, Identität und Erinnerung. Dabei zeichnet er die mutige Entscheidung der beiden Holocaust-Überlebenden nach, Deutschland zur Heimat zu machen, sich und ihr Leben in jüdischer Tradition neu zu erfinden. Der Film illustriert, wie es den beiden gelingt, durch die Zubereitung der Gerichte ihrer Kindheit Tradition lebendig zu halten und Erinnerung zu teilen.

Essen, so wird deutlich, bedeutet Erinnern, Lieben und Gegenwart. Steht eine Party an? Die beiden wissen, mit klarem Borschtsch bezaubert mensch jeden Gast. Während sie gemeinsam in ihrer Einbauküche stehen und Kalbsfüße rasieren oder Zwiebeln schneiden, kommen sie ins Erzählen. Von ihrer Kindheit in Osteuropa, dem Leben in Katowice oder Vilnius, dem Holocaust. Dann steht kurz ein Gefühl von Verlust im Raum, ein Hauch von Trauer hängt in der Luft, die beiden kochen weiter. Wenn sie kochen, so sagen die Freundinnen, bewahren sie diese vernichtete Welt, halten sie lebendig. Die Erinnerung an den Geschmack des Essens ihrer Mütter ist ihnen aus Zeit vor dem Krieg geblieben ist. Und nach Jahren des Experimentierens haben sie ihn gemeistert.

Lange halten sie nicht inne, denn bald klingelt das Telefon, ein Enkel ruft an, eine Freundin lädt zur Rommé-Runde oder sie sind auf dem Sprung zum Markt, um weitere Zutaten für das nächste große Essen auszusuchen. Und versammeln sich Familie und enge FreundInnen einmal um den großen Esstisch, werden die opulenten Gerichte aus der Küche gebracht, wird deutlich, wie sehr Regina und Bella Kochen und Essen eine Sprache sind. In ihrem ausladenden Wohnzimmer sitzend machen sie die Post, studieren Fotos und berichten über ihre Zeit im Displaced Persons (DP)-Lager am Rande Berlins. Sie zeigen Bilder von FreundInnen, von den ersten Urlauben, schließlich auch von Familienfesten und den fabelhaften Parties der 1950er und 1960er Jahre. So veranschaulichen die Freundinnen auch, wie sie sich in Berlin eingerichtet haben, die Stadt ihnen zur Heimat geworden ist. Heute legt ihnen der Metzger die schönsten Hühnchen zurück, vom Friseur werden sie behandelt wie Staatsgäste und im nahegelegenen Gasthaus haben sie längst einen Stammplatz. Regina und Bella meistern den Balanceakt, sie gehen weiter und sie schauen zurück. Beides, indem sie kochen. Sie bedauern nicht, blicken in die Zukunft, auf ihre Freundschaft, ihre Kinder und Enkelkinder. Gemeinsam werden sie älter, stützen einander und sind sich Vertraute und Komplizinnen.

"Oma & Bella" ehrt im Kern das Essen einer verlorenen Welt, einer schwindenden Kultur, ist aber auch Dokumentation der tiefen Freundschaft zweier alter Frauen.

Regina Karolinski wurde 1927 als jüngstes von fünf Kindern in Katowice geboren. 1942 wurde sie von ihrer Familie getrennt und in ein Arbeitslager im damaligen Reichsgau Sudetenland deportiert. Dort blieb sie bis zur Befreiung des Lagers durch die Rote Armee im Frühjahr 1945. Mit dem Wunsch, in die USA zu emigrieren, reiste sie 1946 nach Berlin. Die folgenden drei Jahre verbrachte sie in einem DP-Lager und bekam dort im Januar 1948 ihren Sohn Symcha. Regina blieb daraufhin in Berlin, gründete eine Parfümerie in der Brunnenstraße und lernte dort ihren zweiten Ehemann kennen. Das Geschäft musste mit dem Mauerbau schließen und so arbeitete Regina im Folgenden in einem Juweliergeschäft. 1984 ging sie in Rente. Sie war eines der ersten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde der Stadt und ihre Hochzeit mit ihrem Mann Alex war die erste, die im neuen Gemeindezentrum in Charlottenburg gefeiert wurde.

Bella Katz wurde 1923 in Vilnius geboren und 1941 zusammen mit ihrer Familie ins Ghetto der Stadt deportiert. Als dieses 1943 liquidiert wurde, gelang ihr die Flucht in die Wälder, wo sie sich als Partisanin der Jüdischen Widerstandsbewegung anschloss, bis die Rote Armee sie 1944 befreite. Obwohl ihre gesamte Familie ermordet wurde, kehrte sie nach Vilnius zurück, wo sie ihren Mann Gdalia Katz kennenlernte. Mit ihm reiste sie im Dezember 1945 nach Berlin, von wo aus auch sie auswandern wollten. 1946 bekam sie ihren Sohn David. Nachdem die Emigration nicht gelang, blieben sie in Deutschland. Dort betrieb Bella eine Boutique, eine Schokoladenhandlung, eine Hähnchenbraterei und schließlich den Nachtclub Las Vegas. Nachdem Regina sich 2007 einer Hüftoperation unterziehen musste, zog Bella bei ihr ein, um ihre Genesung zu begleiten. Vier Jahre später ist die Hüfte geheilt, Bella und Regina aber wohnen noch immer zusammen.

Zur Regisseurin: Alexa Karolinski, geboren 1984, ist eine kanadisch-deutsche Filmemacherin, die in Berlin aufgewachsen ist. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in London, hat Karolinski ein Jahr für Vice Deutschland und anschließend als Journalistin für Arte gearbeitet. Dort hat sie bei Kulturkritiken und KünstlerInnenporträts Regie geführt und später auch eigenständig produziert. Karolinski wohnt in New York und arbeitet dort unter anderem als freie Videoredakteurin für ein Modemagazin, den Filmemacher John Walter, macht weiterhin Beiträge für Arte und kocht, wenn sie Zeit hat, große Essen für ihre FreundInnen. "Oma & Bella" ist ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm.

Entstehungsgeschichte des Films

Aus dem Wunsch ihre Oma zu würdigen und Familientraditionen zu bewahren, nahm sich Alexa vor, ein Kochbuch mit Reginas und Bellas Rezepten zu schreiben. Für mehrere Wochen wurde sie Teil vom Alltag der beiden, folgte den Frauen durch die Küche und stellte Fragen. Während sie versuchte "Handvoll" und "Schuss" in Gramm und Milliliter, "Tellervoll" in Portionen, und "bis es gut aussieht" in Kochzeiten zu übersetzen, stellte Alexa fest, dass ein einfaches Kochbuch all das kaum transportieren konnte. So entschloss sie sich, das Vorhaben mit ihrem Studium an der New Yorker School of Visual Arts zu verbinden. Sie begleitete ihre Oma und Bella für einen Sommer mit der Kamera. Nach einem Jahr der Postproduktion gelang es ihr per Crowdfunding über kickstarter.com, die benötigten Gelder zu sammeln, um das Porträt fertig zu stellen. Auf der Berlinale feiert der Film "Oma & Bella" nun seine internationale Premiere.

Cast und Crew
Produktion/Regie: Alexa Karolinski
Mit: Regina Karolinski, Bella Katz
Kamera: Alexa Karolinski, Alexander Malecki, Bella Lieberberg, Günther Berghaus
Ton: Bella Lieberberg, Marco Heyer, Robert Vogt, Robin Leo Knauth, Simon Konrad
Filmmusik: Annette Focks
Schnitt: Alexa Karolinski
Mischtonmeister: Michael Müller
Koproduzenten: Maro Chermayeff, Jeff Dupre
Länge: 75 Minuten
Format: 16:9
Farbe/Ton: LTRP

Weitere Informationen finden Sie unter:

omabella.com



Jüdisches Leben Beitrag vom 24.01.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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