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AVIVA-BERLIN.de 4/12/5778 - Beitrag vom 03.07.2008

22. Jüdische Kulturtage - Vergangenheit. Gegenwart. Zukunft
Sharon Adler

Der 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels steht im Mittelpunkt der 22. Jüdischen Kulturtage vom 13. - 21. September 2008. Ausstellungen, Musik, Tanz, Straßenfest - der Vorverkauf ist gestartet!



Dabei widmet sich das Festival Israel und den Jeckes, den deutschen Auswanderern, und ihren Spuren in der israelischen Kultur und Gesellschaft. Mit israelischen Weltstars, bewegendem Tanz, faszinierenden Ausstellungen, fesselnder Klassik, mitreißendem Pop und einem rauschenden Fest zeugt das lebendige Programm von der Vielfalt jüdischer Kultur – gleichermaßen und untrennbar in Israel wie in Deutschland.

Ein besonderes Augenmerk auf die Geschichte deutschsprachiger Juden in Israel und ihren Beitrag zum Aufbau des jüdischen Staates legt die Ausstellung Die Jeckes im Centrum Judaicum. Unter den Jeckes waren viele ÄrztInnen, LehrerInnen, Beamte, RechtsanwältInnen und ArchitektInnen, die – obwohl sie häufig nicht in ihren gelernten Berufen weiterarbeiten konnten – ihre Erfahrungen, ihre Bildung und die Kultur der Weimarer Republik mitbrachten. Damit hatten sie wesentlichen Anteil am Aufbau einer modernen Demokratie in Israel.

Die große Synagoge in der Rykestraße spielt nach der feierlichen Wiedereröffnung im vergangenen Jahr auch in diesem Jahr eine besondere Rolle. Sie bietet Raum für große Konzerte in prachtvoller Umgebung. Im Mittelpunkt des hier stattfindenden Eröffnungskonzertes der Jüdischen Kulturtage steht Synagogalmusik des Komponisten Yehezkel Braun, der zu den interessantesten Schöpfern liturgischer Musik in Israel gehört. Mit dem Ernst-Senff-Chor ist ein renommiertes Berliner Vokalensemble zu erleben, das vom Hamburger Ensemble Resonanz begleitet wird. Als Solistin fungiert die Kantorin Mimi Sheffer.

Esther Ofarim, die große israelische Sängerin, internationaler Star, der vor Jahrzehnten seine Heimat verließ und heute in Deutschland zuhause ist, begegnet bei einem musikalischen Gipfeltreffen der besonderen Art Yoni Rechter, einem der bekanntesten israelischen Komponisten, Musiker und Sänger, dessen Familie einst aus Europa nach Israel auswanderte. Gemeinsam präsentieren sie eine bunte Mischung von hebräischen Liedern – eine liebevolle Hommage an ihre Heimat, speziell für die Jüdischen Kulturtage zusammengestellt.

Mit der Pianistin Elena Bashkirova konzertiert ein weiterer Weltstar in der Rykestraße. Die Tochter des berühmten Pianisten Dimitrij Bashkirov, ist leidenschaftliche Kammermusikerin und Partnerin so prominenter Kollegen wie Gidon Kremer oder Thomas Quasthoff. Mit dem Ensemble ihres Jerusalem Chamber Music Festivals gastiert Elena Bashkirova regelmäßig in den führenden Konzerthäusern Europas und Amerikas, sodass das Ensemble im zehnten Jahr seines Bestehens über größte internationale Reputation verfügt.

Wohl kaum ein/e KünstlerIn vermag die ethnische Vielfalt des israelischen Volkes musikalisch besser auszudrücken als Idan Raichel. In seiner Musik trifft äthiopische Volksmusik auf arabische Poesie, jemenitischer Gesang auf biblische Psalmen, Reggae auf Pop und Afrobeats auf karibische Rhythmen. Dabei ist die Musik so emotional und mitreißend, dass sie auch ohne die hebräischen und arabischen Texte und die im äthiopischen Amarisch gesungenen Parts zu verstehen ist.

Junger Tanz aus Israel bildet einen der Schwerpunkte der diesjährigen Kulturtage. Unter dem Motto Curtain up präsentieren sich drei frische Produktionen im Haus der Berliner Festspiele. Die jungen Choreographinnen Maya Levy, Odelya Kuperberg und Michal Herman stehen noch am Anfang ihrer Karriere und waren noch nie in Berlin zu Gast. Die sehr verschiedenen Stücke bieten eine hervorragende Möglichkeit, einen Eindruck von der spannenden Tanzszene Israels zu gewinnen.

Die Tanzproduktion Poetic Disasters des Club Guy und Roni ist ein weiterer Höhepunkt des Festivals. Heiner Goebbels komponierte die Musik für das von der Chaostheorie inspirierte Stück. Die Choreographen Roni Haver und Guy Weizman haben ihre Karriere in der renommierten Batsheva Dance Company begonnen, als Club Guy & Roni im Acco Dance Center arbeiten sie mittlerweile erfolgreich auch mit europäischen Ensembles.
Mit der Berliner Erstaufführung von Arvo Pärts Für Lennart in memoriam beginnt das Münchener Kammerorchester sein Debut-Konzert bei den Jüdischen Kulturtagen. Mit Werken von Barber, Schönberg, Klein und Mahler hat der künstlerische Leiter und Dirigent Alexander Liebreich speziell für diesen Anlass eine Auswahl von Musik vorwiegend jüdischer Komponisten aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zusammengestellt. Mit Dietrich Fischer-Dieskau (Rezitation) und Stefan Litwin (Klavier).

Schon als Kind war Ursula Mamlok klar: Sie wollte Komponistin werden. Doch die Möglichkeiten zu einer Ausbildung waren als Jüdin nach der Machtergreifung Hitlers zunehmend eingeschränkt. Ihre Eltern entschlossen sich zur Emigration nach Ecuador, ein Stipendium führte Mamlok später nach New York. Inzwischen hat sie die Sehnsucht nach Berlin wieder in ihre Geburtsstadt ziehen lassen. In einem Gesprächskonzert können die ZuhörerInnen die Komponistin kennen lernen und den hervorragenden Interpretationen ihres Werkes durch das Klenke Quartett lauschen.

Mit dem Schauspieler Hans-Jürgen Schatz konnte einer der besten RezitatorInnen des Landes gewonnen werden, um einen der bedeutendsten Literaten Israels zu würdigen: Samuel Agnon wäre in diesem Jahr 120 Jahre alt geworden – Grund genug für eine Lesung einer der größten Erzählungen des Literatur-Nobelpreisträgers, Tehilla.
Wie nur wenige andere hat Manès Sperber (1905–1984) die Hoffnungen und Katastrophen des 20. Jahrhunderts durchlebt und beschrieben: Zionismus, Marxismus und Psychologie prägten seine Jugendjahre. Die Ausstellung Manès Sperber. Ketzer, Renegat, Humanist im Literaturhaus Berlin offeriert einen spannenden Einblick in Leben und Werk dieses großen Humanisten.

Auch sechzig Jahre nach Kriegsende sind Raub und Restitution jüdischen Kulturguts brisante Themen. Die Zahl der offenen Fragen und ungeklärten Fälle ist groß, die Meinungen kontrovers. Die Ausstellung Raub und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute im Jüdischen Museum Berlin zeichnet die historischen Abläufe, Zusammenhänge und Folgen dieses europaweiten Raubzuges der Nationalsozialisten nach.

Auch in diesem Jahr öffnen die Berliner Synagogen wieder ihre Türen zur Langen Nacht der Synagogen. Berlinerinnen und Berliner sind eingeladen, bei Führungen, Konzerten oder Gesprächen mit Gemeindemitgliedern einen Einblick in den jüdischen religiösen Alltag in Berlin zu gewinnen.

Zum Abschluss der Jüdischen Kulturtage feiert die Jüdische Gemeinde zu Berlin ein großes Straßenfest vor dem Gemeindehaus in der Fasanenstraße. Für einen Tag holen die VeranstalterInnen den Shuk Ha´ Carmel in all seiner Vielfalt nach Berlin: Berauschender Duft von exotischen Gewürzen und frischem Brot, ein Meer von Farben soweit das Auge reicht und mitreißende Musik – der Shuk Ha´ Carmel ist der größte Markt in Tel Aviv. Hier wird mit Obst und Gemüse gehandelt, mit Kleidung, Kunst und Judaica. Hier wird gegessen und getrunken, hier trifft man FreundInnen und tauscht Neuigkeiten aus. Hier wird ein rauschendes Fest zum 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels gefeiert – und alle sind herzlich eingeladen!

28.000 BesucherInnen erlebten 2007 das vielfältige und spannende Programm – hoffen wir, dass in 2008 noch mehr Menschen das Festival besuchen und sich begeistern lassen werden!


22. Jüdische Kulturtage - Vergangenheit. Gegenwart. Zukunft
Festivalzeitraum: 13. - 21. September 2008
Künstlerischer Leiter des diesjährigen Festivals ist der Direktor der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum Dr. Hermann Simon.
Das vollständige Programm finden Sie unter: www.juedische-kulturtage.org
Der Vorverkauf begann am 1. Juli 2008:
Vorverkaufsstellen
Tickets erhalten Sie bei den bekannten Vorverkaufsstellen sowie in der Literaturhandlung, Joachimstaler Straße 13, 10719 Berlin, Telefon 030-882 42 50
Online-Bestellung
www.juedische-kulturtage.org und www.ticketonline.de
Kartentelefon: 01805 - 44 70 111 (14 Cent/Min aus dem Netz der T-Com)

Spielstätten:
Synagoge Rykestraße
Rykestraße 53
10405 Berlin

Stiftung "Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum"
Oranienburger Straße 28-30
10117 Berlin

Haus der Berliner Festspiele
Schaperstraße 24
10719 Berlin

Literaturhaus Berlin
Fasanenstraße 23
10719 Berlin

Gemeindehaus der Jüdischen
Gemeinde zu Berlin
Fasanenstraße 79-80
10623 Berlin

Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9-14
10969 Berlin

Friedrich-Ebert-Stiftung
Hiroshimastraße 17
10785 Berlin

Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung
Tiergartenstraße 35
10785 Berlin

Jüdisches Leben Beitrag vom 03.07.2008 Sharon Adler 

   




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