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AVIVA-BERLIN.de 4/8/5778 - Beitrag vom 18.06.2012

R. B. Kitaj (1932-2007): Obsessionen. 21. September 2012 – 27. Januar 2013
AVIVA-Redaktion

Das Jüdische Museum Berlin zeigt im Herbst die erste umfassende retrospektive Ausstellung des amerikanischen Künstlers nach dessen Tod vor fünf Jahren. Die Ausstellung versammelt Leihgaben...



... bedeutender Museen und Privatsammlungen aus aller Welt, unter ihnen das MoMA in New York, die Tate in London und die Sammlung Thyssen-Bornemisza in Madrid. Erstmals werden 130 Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen aus allen Perioden seines Werks zu sehen sein.

Das Jüdische Museum Berlin kann erstmals auch auf den gesamten Nachlass aus dem "Yellow Studio" zurückgreifen, dem Atelier des Künstlers in Los Angeles. Mit Einblicken in sein umfangreiches privates Text- und Bildarchiv, das Inspirationsquelle für seine Gemälde und Collagen war, gelingt der Ausstellung ein einzigartiger Zugang zu seiner Kunst. R. B. Kitajs Werke gelten als verrätselt, vielschichtig und provokant. Charakteristisch für Kitaj sind starke Farbigkeit und der Überreichtum an Bildzitaten. Das Jüdische Museum Berlin zeigt, aus welchen Elementen, Vorbildern und Inspirationen Kitajs Bilder komponiert wurden, und wie er sie selbst sah.

Two London Painters (Frank Auerbach and Sandra Fisher), 1979 © The estate of R. B. Kitaj. Los Angeles County Museum of Art


Kitaj schuf komplexe Bilder zu aktuellen Themen aus Politik, Moral und Kultur. Er setzte sich mit dem Vietnamkrieg auseinander, mit der Ermordung Präsident Kennedys oder mit den Auswüchsen von Gewalt und Korruption in den USA und griff dies in seinen motivreich komponierten Gemälden auf. Diese großformatigen Arbeiten im surrealistischen Stil werden in dem Raum "Analytiker seiner Zeit" ausgestellt.

Die Ausstellung stellt das Lebenswerk des großen jüdischen Künstlers in zehn Themenräumen vor. Allein zwei Räume umkreisen seinen "Circle of Friends", zu dem der Maler David Hockney, der Schriftsteller Philipp Roth und der Rabbiner Albert Friedlander ebenso gehören wie die intellektuellen Vorbilder, Franz Kafka, Hannah Arendt oder Sigmund Freud. Weitere zwei Räume sind der Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Identität gewidmet – einer persönlichen Obsession des Künstlers, die der Ausstellung den Titel gab.

In den 1960er Jahren galt Kitaj als Wegbereiter einer neuen figurativen Kunst und läutete zusammen mit seinen Künstlerfreunden Frank Auerbach, Lucian Freud und Leon Kossoff, der so genannten "School of London", den Ausbruch der Kunst aus der Abstraktion ein. Einige von ihnen zählen heute zu den bekanntesten britischen Pop-Art KünstlerInnen.

Seit Mitte der 1970er Jahre positionierte er sich explizit als jüdischer Künstler, reflektierte das jüdische Schicksal im 20. Jahrhundert in vielen Bildern und widmete sich der Lebensaufgabe, eine neue jüdische Kunst zu schaffen.

Als Kunstschaffender erlebte R. B. Kitaj in Europa seine größten Triumphe und gleichzeitig seine größte Enttäuschung: Als die große Retrospektive seiner Arbeiten in der Tate Gallery 1994 eine Flut von negativen Kritiken auslöste, sprach Kitaj vom "Tate War", der ihn schließlich zur Rückkehr in die USA bewegte. Weitere Stationen dieser großen Einzelausstellung waren das LACMA, Los Angeles und das Metropolitan Museum of Art, New York. 1997 wurde Kitaj mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig ausgezeichnet.

Marrano (The Secret Jew), 1976 © R. B. Kitaj Estate. Collection of Michael Moritz & Harriet Heyman


Die Ausstellung präsentiert erstmals Kitajs visuelle und intellektuelle Inspirationsquellen und bezieht sein Arbeitsmaterial mit ein: Bücher, Texte, Fotos, Briefe, Postkarten, Skizzen auf Servietten oder Zeitungsausschnitte, die Kitaj sammelte und in seinem Atelier ausbreitete. Sie werden nach dem Vorbild von Aby Warburgs "Bilderatlas", auf den sich Kitaj in seinem künstlerischen Verfahren immer wieder bezog, auf 20 runden Tischen zu sehen sein. Jeder Tisch steht in engem Zusammenhang mit jeweils einem Werk Kitajs. So wird deutlich, was Kitaj inspirierte, aus welchen Elementen und nach welchen Vorbildern er seine Werke komponierte. Besucher bekommen damit Einblick in seine Montage- und Verfremdungstechnik.
Dreizehn Themen gliedern in der Ausstellung Kitajs Lebenswerk, sie geben den Räumen ihre jeweilige Bezeichnung. Das Spektrum reicht von seinem Verhältnis zu FreundInnen und intellektuellen Vorbildern über Fragen nach jüdischer Identität, Reflexionen über Politik und Geschichte bis zu seiner obsessiven und geradezu erotomanen Auseinandersetzung mit Frauen.

Kitaj wird in der Ausstellung auch selbst zu Wort kommen: Über den Audioguide können die BesucherInnen Kommentare des Künstlers zu seinen Werken hören.

Im "Blogerim בלוגרים", dem neuen Blog des Jüdischen Museums Berlin, finden Sie eine neue Serie mit Beiträgen zu R.B. Kitaj, geschrieben von Kuratoren und MitarbeiterInnen des Museums.

Anlässlich des 80. Geburtstages von Kitaj in diesem Jahr veranstaltet das Jüdische Museum Berlin in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste und der Humboldt-Universität zu Berlin am 25./26. Oktober ein Symposium mit ReferentInnen aus Deutschland, Großbritannien und den USA. Kitaj war 1993 bis 2007 Mitglied der Akademie der Künste, Sektion Bildende Kunst.

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Kerber Verlag in einer deutschen und einer englischsprachigen Edition. Er enthält ca. 200 Bilder, Vergleichsabbildungen und fünf Klapptafeln und hat 256 Seiten.


Die Ausstellung wird vom 21. September 2012 bis zum 27. Januar 2013 im Jüdischen Museum Berlin, Lindenstr. 9-14, 10969 Berlin gezeigt.
Anlässlich des 80. Geburtstags am 29. Oktober ist der Eintritt zur Ausstellung frei.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.jmberlin.de und unter: www.jmberlin.de/kitaj sowie auf den Seiten des Kerber Verlags: Obsessions. R. B. Kitaj (1932-2007)


Jüdisches Leben Beitrag vom 18.06.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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