REGINA. Deutschland-Premiere: Sonntag, 15.11.2015, 20:00 Uhr im Kino Filmkunst 66 in Anwesenheit der Regisseurin Diana Groó. Übersicht der Vorführungen in Berlin - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de 3/18/5778 - Beitrag vom 13.11.2015

REGINA. Übersicht der Vorführungen in Anwesenheit der Regisseurin Diana Groó in Berlin
Sharon Adler

Mit ihrem künstlerischen Dokumentarfilm zeichnet Diana Groó anhand eines einzigen existierenden Fotos Leben und Philosophie der weltweit ersten ordentlich ordinierten Rabbinerin Regina Jonas ...



... akribisch nach.

"REGINA - WORK IN PROGRESS" so der Titel, unter dem der Film 2013 auf dem 19. Jüdischen Filmfestival Berlin & Potsdam in Anwesenheit der Regisseurin Diana Groós zu sehen war. Nun zwei Jahre später, ist das Werk vollendet. In der Zwischenzeit wurde dieser großartige Film auf Festivals weltweit gezeigt und hat diverse Auszeichnungen erhalten. Nun feiert er in Berlin seine Deutschland-Premiere und wird in diversen Berliner Kinos zu sehen sein, häufig in Anwesenheit der Regisseurin, die zur Entstehung des Films ebenso wie zur Geschichte Regina Jonas berichten kann.

Diana Groós Dokumentarfilm "Regina" erzählt die Geschichte von Regina Jonas (1902-1944), der ersten Rabbinerin weltweit. Regina Jonas wuchs in Berlin in ärmlichen Verhältnissen in einer orthodoxen Familie im Scheunenviertel auf, der Vater starb, als sie elf Jahre alt war. Zeitzeuginnen erzählen, wie sie sich im Religionsunterricht in der Schule engagierte und aufblühte. Auch wollte sie nicht Lehrerin werden wie ihre Freundinnen. Vielmehr schloss sie ihr Studium an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums 1930 mit einer halachischen Arbeit mit dem Titel "Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?" ab. Darin führte sie aus, warum es nach der jüdischen Religion möglich sei, dass Frauen Rabbinerinnen werden können. Doch auch trotz aller Fürsprachen ihres Mentors Leo Baeck erklärte sich erst 1935 der führende liberale Rabbiner Max Dienemann in Offenbach bereit, Jonas die rabbinische Abschlussprüfung abzunehmen und sie erhielt die Ordination zur Rabbinerin. Offiziell amtieren durfte sie jedoch nicht.
Regina Jonas konnte nur wenige Jahre in Berlin wirken, bevor sie nach Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert wurde, wo sie 1944 ermordet wurde. Auch noch im Ghetto und im KZ sprach sie den verzweifelten Menschen in ihren Predigten mit der für sie außergewöhnlichen Hingabe Mut zu. Heute befindet sich im Archiv in Theresienstadt neben Stichpunkten einer Predigt auch eine Liste von 44 Titeln von Vorträgen, überschrieben mit "Vorträge des einzigen weiblichen Rabbiners: Regina Jonas", die sie vor ihrem Abtransport nach Auschwitz im "Referat für Geistes- und Freizeitgestaltung" hinterlassen hatte.

REGINA ist ein poetisches Portrait einer außergewöhnlichen Frau. Im Fokus des Films steht das einzige originale Foto von Regina Jonas. Es zeigt eine ernste junge Frau, die über die Kamera hinweg schaut, die in sich gekehrt scheint, wie beseelt, aber dennoch stark und entschlossen.
Um dieses Foto herum tastet sich die Filmemacherin mit Hilfe von Erinnerungen von Zeitzeuginnen an die junge Frau vor, die von vielen als charismatisch beschrieben wird. Ein- und Überblendungen von Archivmaterial jüdischen Lebens dieser Zeit in Berlin setzt Diana Groó kunstvoll ein und schafft so eine besondere Stimmung, die aus diesem Dokumentarfilm ein kleines Kunstwerk macht.
Martina Gedeck leiht Regina Jonas ihre (deutsche) Stimme. In der englischen Version spricht Rachel Weisz und in der ungarischen Andrea Fullajtár die junge Rabbinerin aus Berlin.

2015 jährt sich die Ordination von Regina Jonas zum 80. Mal. Als Sally Priesand 1972 als erste Rabbinerin in den USA ordiniert wurde, feierte die Presse den "weltweit ersten weiblichen Rabbiner". Regina Jonas jedoch war lange vergessen und blieb es bis in die 1990er Jahre. Seit 2001 erinnert eine Gedenktafel am Haus Krausnickstraße 6 in Berlin-Mitte an sie. In dem Haus, das zuvor dort stand, wohnte sie bis zu ihrer Deportation nach Theresienstadt.

Mit ihrem Dokumentarfilm schreibt die Filmemacherin Diana Groó Geschichte neu. Ihr, sowie der engagierten Wissenschaftlerin Katerina von Kellenbach oder der Rabbinerin Elisa Klapheck, die beide ebenfalls zu Regina Jonas geforscht hatten, ist es zu verdanken, dass Regina Jonas und ihre Botschaft der Vergessenheit entrissen wurde. Mit ihrer filmischen Aufarbeitung ehrt Diana Groó eine mutige Frau, die ihren Traum, Rabbinerin sein zu wollen, trotz aller Schwierigkeiten oder Umständen nie aufgegeben hat.

"Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?", so überschrieb Regina Jonas ihre Abschlussarbeit an der "Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin. Auch wenn es ihr nicht vergönnt war, offiziell als Rabbinerin sondern vielmehr nur als Religionslehrerin zu arbeiten, war Regina Jonas in jeder Faser ihres Herzens immer Rabbinerin – bis zum Schluss.

AVIVA-Tipp: Am Dokumentarfilm "REGINA JONAS" berührt nicht nur die bewegende Geschichte um die erste Rabbinerin und ihr grausames Ende, sondern auch die unermüdliche Recherchearbeit der ungarischen Filmemacherin Diana Groó, die anhand eines einzigen Fotos diese Geschichte rekonstruiert und in bewegend schönen Bildern poetisch umgesetzt hat. Unbedingt sehenswert, unbedingt weiterempfehlen!

Übersicht der Vorführungen in Berlin:

19.11.–23.11., Vorabendprogramm

Sputnik: 16.11., 18:00 Uhr, 17.11., 18:00 Uhr, 18.11., 18:00 Uhr

Babylon Mitte: 16.11., 20:15 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin
18.11., 20:15 Uhr
20.11., 18:30 Uhr

REGINA JONAS – die erste Rabbinerin der Welt
Eine ungarisch-englisch-deutsche Koproduktion von Katapult Film, Malcah Productions und TIME PRINTS
Inspiriert durch die Forschungen von Rabbinerin Elisa Klapheck
Mit der Unterstützung der Joir and Kato Weisz Foundation, London
Mit besonderem Dank an die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und die Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Inhalt: Ein Portrait der ersten Rabbinerin der Welt, Regina Jonas
Sprache: Englisch, Deutsch, Ungarisch. Untertitel: Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Hebräisch, Portugiesisch, Polnisch
Autorin / Regie: Diana Groó
Ton: Dánel Böhm
Musik: Daniel Kardos
Schnitt: Ágnes Mógor HSE
Line-Producer: Katalin Harrer
Produzent_innen: George Weisz, Iván Angelusz, Diana Groó, Gideon Wittenberg
Koproduzent_innen: Michael Truckenbrodt, Nimrod Shanit, Júlia Berkes
Länge/ Format: 63 Minuten/ HD
Cast: Regina Jonas – gesprochen von Martina Gedeck, Rachel Weisz und Andrea Fullajtár
Erzählerin: Eszter Ganter
Überlebende / Augenzeuginnen: Judit Hoffman Varga, Lea Neukum, Judit Nobel

Website & Trailer:

www.reginajonasmovie.com
vimeo.com

Preise:
Hungarian FilmCritics award (2014)
Special Jury Prize of the 1st Moscow Jewish Film Festival (2015)
Lia award at 30th Jerusalem Filmfestival (2013)
Winner Grand prix International Film Festival of Cultural Arts Hungary (2013)
Phoenix Award at Warsaw Jewish Motifs Filmfestival (2014)

Zur Regisseurin: Diana Groó ist Regisseurin von preisgekrönten Spiel- und Dokumentarfilmen, darunter "Die Wunder in Krakau", ein Film, in dem sie ihre eigene Familiengeschichte reflektiert. Andere Arbeiten von ihr thematisieren zeitgenössische politische und soziale Fragen des Landes, wie die gleichfalls preisgekrönte Arbeit über einen Roma-Jungen im heutigen Ungarn mit dem Titel: "Vespa".
Sie studierte Französisch und Hebräisch an der ELTE-Universität in Budapest und Fernseh- und Filmregie an der Ungarischen Filmakademie (Abschluss 2000). Diana Groó ist Mitbegründerin des Katapultfilm studio (2002) und von DunaDock (2013).



Jüdisches Leben Beitrag vom 13.11.2015 Sharon Adler 

   




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