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AVIVA-BERLIN.de 2/15/5778 - Beitrag vom 03.08.2009

Unbekannter ermordet einen Mann und ein Mädchen in Schwulenzentrum in Tel Aviv
Margret Müller

Die multikulturelle Bubble Tel Aviv ist für einen Moment geplatzt, als am 1. August 2009 ein Unbekannter in ein Tel Aviver Schwulenzentrum eindringt und mit einem Gewehr um sich schießt.



Bei einem wöchentlichen Treffen Jugendlicher im Homosexuellen-Treffpunkt Aguda im Nachtclub "Café Noir" im Zentrum Tel Avivs drang ein Unbekannter in den Raum ein, erschoss den 26-Jährigen Nir Katz und die 17-Jährige Liz Trubischi und verletzte zwölf weitere Jugendliche. Bisher konnte der Täter nicht gefasst werden.

Die so politikferne Blase Tel Aviv platzt für einen Moment, die Realität des Hasses hat zu tief geschossen. Nicht die Gaypride-Parade wurde beschossen, auch keines der vielen Events des vergangenen Gaypride-Monats, sondern ein Treffen von Teenagern, die sich zum Teil noch nicht einmal geoutet haben und samstagabends treffen, um Schach und Karten zu spielen. Die Nachricht des Täters scheint klar: Sich zu outen ist gefährlich. Sie wird von Teenagern, die sich ihrer selbst noch unsicher sind, wohl nicht ungehört bleiben. Einige der Verletzten wurden von ihren Eltern noch nicht im Krankenhaus besucht. Auch das spricht Bände.

Die als liberal, weltoffen, multikulturell geltende Stadt Tel Aviv steht unter Schock. Der Umstand, dass Homosexualität in Tel Aviv wieder gefährlich ist, ist schwer zu verdauen. Schwer senken sich auf die schweißtriefende Stadt Fragen und Spekulationen, für die es noch keine Antworten gibt. Es ist unklar, wer der Mörder ist und welche Motivation ihn antreibt. Die starke Hetze Ultraorthodoxer Juden gegen Homosexualität ist jeder und jedem im Ohr und führt zu vielleicht voreiligen Schlüssen.

Der Schock der Tel Aviver ist öffentlich. Nur Stunden später gehen Hunderte mit Kerzen und Plakaten auf die Straßen. Am nächsten Tag findet eine Demonstration auf der Rothschild Straße statt, wieder kommen Hunderte. Laut, bunt, vielfältig. Viele PolitikerInnen und AktivistInnen sagen gute und richtige Sachen: Sie sprechen von notwendiger liberaler Bildung, einer neuen Epoche und dem weiten Weg im Kampf um Anerkennung, der geplatzten Blase der Liberalität in Tel Aviv, dem mehr denn je wichtigen Kampf, Stolz, Hass... und all die vielen richtigen Sätze verstecken schwach die Sprach- und Hilflosigkeit.

Das Attentat, welches sich vermutlich nicht von außen gegen Israelis richtet, sondern von Innen gegen Teile der Bevölkerung, ist ein weiteres Zeichen für die Zersplitterung der Gesellschaft. Dov Cheinin von der Partei "Hadash" sprach diese Probleme an: "Ein Staat, der Kinder vertreibt, sollte nicht überrascht sein, wenn so etwas passiert... Die Leute sollten sich nicht davon täuschen lassen, dass sie glauben, in einer geschützten Blase zu leben" und meinte damit die Pläne, Gastarbeiter und deren Kinder aus Israel zu deportieren.
Der einzige offen homosexuelle Knesset Abgeordnete (der linksliberalen Meretz-Partei), Nitzan Horowitz, sprach davon, die streng-religiösen wollen die Schwulen "umerziehen". Und der prominente Liedermacher Ivri Lider meint: "Seit heute sind wir auch in Tel Aviv nicht mehr sicher".

Israel erlebt eine Phase der Erstarkung der Extreme. Sowohl religiöse als auch politisch extreme Meinungen und Gesetzesentwürfe haben Konjunktur und damit nehmen innergesellschaftliche Diskrepanzen und Feindseligkeiten zu. Ein Beispiel ist die Verhaftung einer orthodoxen Mutter, die vermutlich ihren Sohn aushungern ließ und die darauf folgenden gewalttätigen Proteste der orthodoxen Gemeinschaft in Jerusalem. Nicht zu vergessen die verständnislose, verbal aggressive Reaktion der liberalen Linken. Ein anderes Beispiel ist die geplante Deportierung von Gastarbeitern, der restriktive, teils grenzwertige Umgang mit Flüchtlingen in Israel und die Proteste dagegen. Dies sind kleine Beispiele von vielen, die die wachsende Verständnislosigkeit verschiedener gesellschaftlicher Gruppen innerhalb Israels füreinander. Das Bild des liberalen Tel Aviv hat tiefe Risse bekommen.

Wohl auch daher appellierte Tzipi Livni bei dieser Demonstration an den Zusammenhalt: "Dies ist nicht nur ein Tag großen Schmerzes sondern ein Tag des Schmerzes für alle von uns".

Während einige (vor allem Mitglieder der "Hadash"-Partei) die Demonstration für ihre eigenen politischen Schlachtrufe gebrauchen und wohl auch einige die sich auftuende Bühne für ihre Nachrichten erkannten, zeigte sich in den Ausläufern der Demonstration wieder guter Tel Aviver Charakter: eine Stunde nach Ende der Veranstaltung wirkt die Rothschild Straße wie eine große flirtende Outdoor-Pickup-bar.

Am 04.08.09 um 17:00 wird voraussichtlich eine Demonstration gegen Homophobie - Solidarität mit den Opfern des Anschlags in Tel Aviv am Breitscheidplatz stattfinden.

Jüdisches Leben Beitrag vom 03.08.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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