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AVIVA-BERLIN.de 2/10/5778 - Beitrag vom 01.09.2005

Wanderausstellung zur Affäre Dreyfus
Sarah Ross

J´Accuse...! ... ich klage an! Vom 2. September bis zum 12. Oktober 2005 im Centrum Judaicum in Berlin. Die Beitler Collection bildet den Grundstock der Ausstellung.



Das Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien hat anlässlich des 70. Todesjahres Dreyfus´ eine Wanderausstellung konzipiert, die Einblicke in die tief greifenden Auswirkungen bietet, die die Affäre auf Politik und Gesellschaft des fin de siècle in Frankreich, Europa und der Welt hatte. Neben Dreyfus stehen auch Personen aus dem Militär, der Politik und der Justiz im Mittelpunkt der Ausstellung, ebenso wie JournalistInnen, SchriftstellerInnen und KünstlerInnen.

Der öffentliche Streit um die Dreyfus Affäre erreicht 1898 seinen Höhepunkt, als der Schriftsteller und Journalist Emile Zola einen offenen Brief an den französischen Präsidenten schrieb. Dieser Brief trug die Überschrift "J´Accuse…! …ich klage an!". Der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus war vier Jahre zuvor zu Unrecht des Landesverrats angeklagt und schließlich zu lebenslänglicher Verbannung auf der Teufelsinsel verurteilt worden. Man hatte ihn verdächtigt, der Verfasser jenes Bordereaus (Anschreibens) zu sein, das die Preisgabe geheimer Militärinformationen an die Deutschen ankündigte. Trotz gegenteiliger Schriftgutachten und vieler Beweise, die für die Unschuld Dreyfus´ sprachen, kam es auch in dem Wiederaufnahmeverfahren 1899 zu einer erneuten Verurteilung.

Dieser Justizskandal hatte nicht nur in Frankreich Unruhe verursacht. In Anbetracht der bevorstehenden Weltausstellung in Paris (1900), entschloss sich die französische Regierung 10 Tage nach der Urteilsverkündung zur Amnestie. Eine endgültige Rehabilitierung erfuhr Alfred Dreyfus allerdings erst 1906 mit der Wiederaufnahme in die Armee und der Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion.

Die amerikanische Erziehungswissenschaftlerin Lorraine Beitler (New Jersey) hat in den letzten drei Jahrzehnten Exponate zur Dreyfus-Affäre aus aller Welt zusammengetragen. 2002 übergab sie ihre umfangreiche Kollektion, die ca. 1.300 Ausstellungsstücke umfasst, an die University of Pennsylvania. Die Beitler Collection bildet daher den Grundstock der Ausstellung. Etwa 250 Exponate aus dieser Sammlung werden in Deutschland zu sehen sein, darunter zahlreiche zeitgenössische Presseerzeugnisse, Fotos, Karikaturen und Postkarten, Uniformen der französischen Armee, Säbel sowie Orden und Medaillen. Darüber hinaus werden in der Ausstellung erstmalig Archivalien aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin und der Theatersammlung der Universität Hamburg zu sehen sein.

Das Ziel der Ausstellung ist es, durch Aufklärung und Auseinandersetzung mit der Dreyfus-Affäre vor allem bei jungen Menschen Sensibilität gegenüber Vorurteilen - insbesondere antisemitischen Zuschreibungen - zu wecken. Denn die Dreyfus-Affäre steht als Synonym für politischen Radikalismus und antijüdische Propaganda, den Einfluss von Medien auf die öffentliche Meinung aber darüber hinaus auch für den Einsatz Einzelner für einen Unschuldigen und die Notwenigkeit von Toleranz in einer offenen Gesellschaft. Somit stellt die Affäre Dreyfus einen zeitlosen Aufruf für Gerechtigkeit und Gleichheit dar.
Die Ausstellung wurde am 26. Mai 2005 in der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg eröffnet und war danach im MMZ Potsdam (12.07. -19.08.2005) zu sehen. Nachfolgende Stationen sind die Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum (01.09. - 12.10.2005), das Militärhistorische Museum der Bundeswehr Dresden (17.10. - 14.11.2005) und anschließend der Bundesgerichtshof in Karlsruhe.



J´Accuse...! ... ich klage an!
Wanderausstellung zur Affäre Dreyfus

02. September bis 12. Oktober 2005
Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum
Oranienburger Straße 28/30
10117 Berlin - Mitte
Öffnungszeiten im Centrum Judaicum: Sonntag und Montag 10 - 20 Uhr,
Dienstag bis Donnerstag 10 - 18 Uhr und Freitag 10 - 17 Uhr.
Eintritt: 2.50 Euro/1.50 Euro
Weitere Informationen unter: www.cjudaicum.de

Jüdisches Leben Beitrag vom 01.09.2005 Sarah Ross 

   




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