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AVIVA-BERLIN.de 2/12/5778 - Beitrag vom 24.02.2006

News From Home. Retrospektive Amos Gitai
Sarah Ross

Im Rahmen des neuen Berlinale-Programms "Forum expanded", das vom 21.02. bis 31.03.2006 stattfindet, bildet der neue Film des israelischen Filmemachers den Auftakt.



Amos Gitai, der 1950 als Sohn russischer Einwanderer in Haifa geboren wurde, gilt als eine der Galionsfiguren des israelischen Kinos. In seinem Werk, das bereits ├╝ber 40 Filme umfasst, thematisiert Gitai Aspekte der j├╝dischen Geschichte und Gegenwart. Dabei bedient er sich vielf├Ąltigster Genres, wie dem Dokumentarfilm, der Doku-Fiction und des Spielfilms, von denen bereits einige auf internationalen Festivals ausgezeichnet wurden. Mit seinem j├╝ngsten Film News From Home/News From House (2006) schlie├čt der israelische Filmemacher seine House-Trilogie ab. Begonnen hatte diese mit dem Film Bait (House, 1982), dem im Jahr 1998 der zweite Teil mit dem Titel A House In Jerusalem folgte.
News From Home / News From House ist der Auftakt zu einer umfangreichen Gesamtschau, die im Februar im Rahmen des neuen Berlinale-Programms "Forum expanded" beginnt und bis Ende M├Ąrz mit einer Retrospektive im Kino Arsenal fortgesetzt wird.

In seiner House-Trilogie erz├Ąhlt Amos Gitai anhand eines Westjerusalemer Hauses die Geschichte des Nahostkonflikts. Nach 25 Jahren begibt er sich erneut auf die Spuren seiner BewohnerInnen und reflektiert gleichzeitig ├╝ber seine historisch gewordene filmische Arbeit. In einer Multi-Kanal-Installation stellt er in dem letzten Film seines Dreiteilers auf 20 Monitoren Verbindungen zwischen Filmbildern der House-Trilogie aus 25 Jahren her. Er nimmt ihren nichtlinearen, konzentrischen Charakter auf und ordnet das Material in Episoden r├Ąumlich an.

Dass Amos Gitai seinem Vater Munio Gitai-Weinraub, einem ber├╝hmten Bauhaus-Architekten, folgte und in seiner Heimatstadt Mitte der 70er Jahre Architektur studierte, was er 1986 in den USA mit einer Promotion abschloss, kommt in seinen Filmen immer wieder durch. Er ist stets um eine Perspektive in seinen Werken bem├╝ht, die den Aufbau, die Konstruktion, die Balken im Gef├╝ge der Gesellschaft offenbaren. So erz├Ąhlt also der erste Film seiner Trilogie die wechselvolle Geschichte eines Hauses in West-Jerusalem, das 1948 von seinem Besitzer, einem pal├Ąstinensischen Arzt, verlassen und von der israelischen Regierung requiriert wird. Acht Jahre sp├Ąter wohnen darin j├╝dische Einwanderer aus Algerien, bis es Ende der 70er Jahre von einem israelischen Universit├Ątsprofessor gekauft wird, der es mit Hilfe pal├Ąstinensischer Arbeiter in eine Villa umbauen will. Bait ist "ein Film ├╝ber die Politik und Geographie des Eigentums". Der Film wurde zensiert.
Achtzehn Jahre sp├Ąter kehrt Gitai zu dem Haus zur├╝ck und zeichnet in seinem zweiten Film der House-Trilogie die Ver├Ąnderungen an dem Geb├Ąude und auch in der Gegend nach. Er trifft den urspr├╝nglichen Besitzer des Hauses wieder, einen pal├Ąstinensischen Arzt, dessen Familie immer noch unter der Enteignung vor ├╝ber 50 Jahren leidet. In seinem letzten Film nimmt Gitai schlie├člich mit ruhigen Kamerabewegungen die Ver├Ąnderungen wahr, die im Mikrokosmos der zusammenlebenden israelischen und pal├Ąstinensischen Gemeinschaft und im Umfeld des Hauses geschahen und geschehen.

Was die Arbeit des israelischen Filmemachers, der heute abwechselnd in den USA, Frankreich und Israel lebt, auszeichnet, ist das Gleichgewicht, mit dem er den Konflikt zwischen Israel und Pal├Ąstina in seinen Filmen darstellt.
Er stellt keine eindimensionale Perspektive dar, sondern versucht, beide Seiten gleichberechtigt in seiner filmischen Erz├Ąhlung und Argumentation zu ber├╝cksichtigen. Der Konsistenz des j├╝dischen Staates ist er sich voll und ganz bewusst, doch wirft er in seinen Filmen stets einen neuen, kritischen Blick darauf, und bietet alternative Sichtweisen.

In deutschen Kinos waren bisher nur wenige seiner Filme zu sehen.
Mit insgesamt 30 Filmen, darunter auch eine Auswahl seiner fr├╝hen Super8-Filme, stellt das Kino Arsenal Eckpunke seines filmischen Schaffens und seinen Werdegang als Regisseur dar. Die Retrospektive im Kino Arsenal beginnt mit der House- und der Wadi-Trilogie.

Zum Forum expanded:
Erstmalig pr├Ąsentiert das Forum in Zusammenarbeit mit den KW Institute for Contemporary Art (Kunst-Werke) eine aktuelle Auswahl an Film-, Video- und Rauminstallationen sowie eine Video-Musikperformance. Im Blickpunkt stehen kinematografische Arbeiten, die eine Pr├Ąsentation au├čerhalb der r├Ąumlichen oder zeitlichen Koordinaten des Kinos verlangen. Forum expanded tr├Ągt damit den durchl├Ąssiger werdenden Grenzen zwischen Bildender Kunst und Kino Rechnung. Das diesj├Ąhrige Programm ist ein Pilotprojekt, in dem einige K├╝nstler vertreten sind, deren filmische Arbeiten bereits in der Vergangenheit im Forum zu sehen waren und die nun den Kinosaal verlassen. Andere kommen aus der Bildenden Kunst und erforschen ├ästhetiken des Filmmaterials, der Montage oder des Dispositivs. K├╝nftig sollen installative und performative Arbeiten, die aus der Besch├Ąftigung mit dem Kino heraus entstanden sind, im Rahmen der Berlinale regelm├Ą├čig eine Plattform finden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.kw-berlin.de, www.fdk-berlin.de und www.berlinale.de.

Amos Gitai
"House"-Trilogie (1980-2006)

Im Kino Arsenal 1 & 2
Potsdamer Stra├če 2
10785 Berlin

Bait (House)
IL 1980, Dokumentation, OmU 51ÔÇÖ
Wann: Di 21.2. 19 Uhr und Mi 22.2.19.30 Uhr.

A House in Jerusalem
IL/FR 1998, Dokumentation, OmU 90ÔÇÖ
Wann: Mi 22.2., 21 Uhr und So 26.2., 19.30 Uhr

News From Home/News From House
IL/BE/FR 2006, Dokumentation, OmU 97ÔÇÖ
Wann: Do 23.2., 21 Uhr

Beachten Sie auch folgende Publikation:
Amos Gitai ÔÇô News From Home
Hrsg. Berlinale, KW Institute for Contemporary Art und Verlag der Buchhandlung Walther K├Ânig
Die erste deutsch/englischsprachige Publikation ├╝ber den israelischen Filmemacher Amos Gitai, mit Beitr├Ągen von Jean-Michel Frodon, Paul Willemen, Irma Klein, Annette Michelson und Amos Gitai, umfasst sowohl die House-Trilogie als auch seine j├╝ngsten Filme. Der Band schlie├čt eine erste vollst├Ąndige Filmografie des Filmemachers mit ein.
34,- Euro


Jüdisches Leben Beitrag vom 24.02.2006 Sarah Ross 

   




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