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AVIVA-BERLIN.de 2/11/5778 - Beitrag vom 30.05.2006

Zur jüdischen Religion übertreten
Elisa Klapheck

Konversionen aus theologischen Gründen? Judentum ist nicht nur eine Religion, sondern auch eine Kultur und vor allem eine Schicksalsgemeinschaft. Ein Beitrag von Rabbinerin Elisa Klapheck



Stimmt es, dass man nicht zum Judentum übertreten kann, oder es einem zumindest sehr schwer gemacht wird?

Die Antwort ist klar. Natürlich kann man zur jüdischen Religion übertreten. Man kann hierfür den orthodoxen oder den liberalen Weg einschlagen. Aber es ist nicht ganz einfach. Ein so genanntes Glaubensbekenntnis - eine Formel oder eine Zeremonie - reicht nicht aus. Man muss mitunter mehrere Jahre bei einem Rabbiner oder einer Rabbinerin die Grundlagen des Judentums gelernt haben, bevor man übertreten kann.

Doch ganz ehrlich: Ich habe Vorbehalte gegenüber Konversionen aus rein theologischen Gründen.

Judentum ist eben nicht nur eine Religion, sondern auch eine Kultur und vor allem eine Schicksalsgemeinschaft. Ich begrüße Übertritte von Menschen, die einen jüdischen Hintergrund haben - sprich jüdische Vorfahren, aber eben nicht die erforderliche jüdische Mutter, die einen automatisch zum Juden macht. Von denen gibt es mittlerweile Tausende - Menschen z.B. aus der Sowjetunion, die sich nicht um die jüdischen Gesetze scherte und sie automatisch zu Juden erklärte, wenn der Vater Jude war. Aber auch hierzulande geborene Menschen, deren Großeltern sich vom Judentum gelöst hatten, Ehen mit Nichtjuden eingingen, und deren Enkel sich nun 60 Jahre nach der Schoa immer noch mit den anderen Juden verbunden fühlen.

Aber eine Konversion aus rein theologischen Gründen?

Es könne doch vorkommen, dass man vom christlichen Glauben nicht überzeugt sei, dafür aber ganz vom jüdischen - wurde mir unlängst entgegnet.

Mein Einwand hierzu: Allein schon die Betonung des "Glaubens" ist typisch für eine christliche Religionsauffassung. Oft bleiben die christlichen Denkstrukturen auch nach der Konversion erhalten. Lieber wäre es mir daher, wenn Christen und Muslime, das, was ihnen fehlt und sie im Judentum vermuten, in ihrer jeweils eigenen Religion einbringen würden, damit diese nicht erstarrt, sondern lebendig den Herausforderungen der Gegenwart begegnet. Auch Juden müssen heute ihre Tradition neu auslegen und auf die Gegenwart beziehen. Dabei können Konvertiten, die meinen, im wahren Glauben angekommen zu sein und diesen strenger als die meisten Juden praktizieren, die Auseinandersetzung eher hemmen als fördern.

Deshalb wünschen sich Juden wie ich aufgeschlossene Christen und Muslime, die ihre eigene Religion in Bewegung bringen - statt die Seite zu wechseln. Denn es gibt keine besseren oder schlechteren Religionen, nicht die eine Wahrheit, verkörpert in der einen "richtigen" Religion. Gerade heute sollten wir uns konstruktiv-kritisch unserer jeweils eigenen Religion zuwenden - auch um das Feld nicht den Falschen zu überlassen.

Mehr zu Rabbinerin Elisa Klapheck im Interview mit AVIVA-Berlin von 2004.

Lesen Sie auch mehr über Elisa Klaphecks Buch So bin ich Rabbinerin geworden.

Ein Hinweis in eigener Sache: die Rubrik "Religion" wurde ermöglicht durch Mittel der Stiftung Zurückgeben zur Förderung Jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft.

Jüdisches Leben Beitrag vom 30.05.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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