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AVIVA-BERLIN.de 2/16/5778 - Beitrag vom 21.06.2006

Bar Mitzwa
Elisa Klapheck

Wir feiern die Bar Mitzwa eines unserer Gemeindemitglieder. Einen Moment werde ich nicht mehr vergessen. Ein Beitrag von Rabbinerin Elisa Klapheck



Der Junge ist gerade zum ersten Mal in seinem Leben zur Tora aufgerufen worden. Ich wei├č, wie nerv├Âs er ist. Ein Jahr lang hat er sich auf diesen Moment vorbereiten m├╝ssen. Er hat gelernt, hebr├Ąisch zu lesen, seinen Abschnitt in der Tora zu singen und ihn im Anschluss auszulegen. Allein geht er nun nach vorne zur Bima, wo die aufgerollte Tora-Rolle auf ihn wartet. Alle Blicke sind auf den Halbw├╝chsigen gerichtet. Er tr├Ągt eine neue schwarze Hose und ein neues wei├čes Hemd, dazu die Turnschuhe, in denen er sich am liebsten unter seinen Freunden bewegt.

Da kommt pl├Âtzlich sein Vater, ein hochgewachsener Mann, von der Seite zur Bima und legt im letzten Moment, bevor der Junge den Segen ├╝ber das Tora-Lesen sagt, einen Tallit, einen Gebetsschal, um die Schultern seines Sohnes. Der Tallit ist der gleiche, den der Vater tr├Ągt - ein gro├čes wei├čes St├╝ck Stoff mit blauen Steifen. Der Moment geschieht ganz schnell - der Vater h├╝llt seinen Sohn einmal ganz in den Tallit, als w├╝rde er sein Kind damit noch einmal ganz umarmen und k├╝ssen. Die H├Ąnde des Vaters fassen fest nach den Schultern des Knaben, als w├╝rden sie ihm jetzt alles Selbstvertrauen einfl├Â├čen wollen, welches der Junge nicht nur in diesem Moment, sondern auf dem ganzen, noch vor ihm liegenden Weg, erwachsen zu werden, brauchen wird.

Der Junge beginnt zu lesen. Der neue Tallit ist deutlich zu gro├č, die Enden des Stoffes ber├╝hren den Boden. Der Kleine wird in den n├Ąchsten Jahren erst noch in seinen Tallit hineinwachsen m├╝ssen. Sein Vater kann sich nicht losrei├čen. Er bleibt hinter seinem Sohn stehen - leicht zur Tora hingebeugt und mitlesend, dabei weiterhin Kraft und Selbstvertrauen spendend, doch zugleich gen├╝gend Abstand wahrend, so dass der Junge es allein tut, ohne v├Ąterliche Beeinflussung, ohne Hilfe von einem Anderen.
Vater und Sohn - wie stark ist dieses Bild von zwei Generationen, von einem Vater, der seinem Sohn ohne Worte, aber doch in seiner ganzen Gestik bedeutet: "Das wirst du schaffen." Es ist m├Âglicherweise der st├Ąrkste Ausdruck von M├Ąnnlichkeit, den es gibt. Kein autorit├Ąrer Patriarch, der seinen Sohn kontrolliert und sich selbst in diesem wieder erkennen will, sondern ein Vater, der seinem Sohn den vollen Segen gibt, es selbst zu schaffen - und von jetzt an seinen eigenen Weg zu gehen.
Am Nachmittag sehe ich zuf├Ąllig Rembrandts Gem├Ąlde von Abraham, der seinen Sohn Isaak opfern wollte. Auch hier ein Vater und ein Sohn. Doch welche andere Beziehung zwischen diesen beiden. Ein Vater, der seinem Sohn nichts weitergibt, sondern vielmehr sich selbst einem h├Âheren Ideal unterworfen hat, welches das Leben seines Kindes fordert. Ich frage mich pl├Âtzlich, ob die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Abraham und Isaak, tats├Ąchlich durch die biblische Erz├Ąhlung ├╝berwunden ist. Ist sie nicht vielmehr in tausendfachen Variationen immer, also auch heute zwischen V├Ątern und S├Âhnen gegenw├Ąrtig? Wie vielen V├Ątern gelingt es, sich von der Versuchung zu emanzipieren, ihren Sohn f├╝r die eigenen Ideale zu opfern. Ich frage mich, ob nicht jeder j├╝dische Vater mit jeder Bar Mitzwa wieder vor der Herausforderung steht, seinen Sohn mit dem Vertrauen zu segnen, dass dieser es schaffen und den richtigen, n├Ąmlich den eigenen Weg gehen wird.

Dieser Vater hat es mir mit diesem Moment gezeigt: Eine Bar Mitzwa ist nicht nur ein gro├čer Moment im Leben eines heranwachsenden Jungen - genauso feiert sie den Moment, in dem der Vater ein St├╝ck Autorit├Ąt abgibt, darauf vertrauend, dass sein Sohn diese von jetzt an selber auf sich nehmen kann.

Mehr zu Rabbinerin Elisa Klapheck im Interview mit AVIVA-Berlin von 2004.

Lesen Sie auch mehr ├╝ber Elisa Klaphecks Buch So bin ich Rabbinerin geworden.

Ein Hinweis in eigener Sache - die Rubrik "Religion" wurde erm├Âglicht durch Mittel der Stiftung Zur├╝ckgeben zur F├Ârderung J├╝discher Frauen in Kunst und Wissenschaft.


Jüdisches Leben Beitrag vom 21.06.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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