Nach dem Krieg ist vor dem Krieg - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Stiftung Zurückgeben Juedische Allgemeine - Wochenzeitung für Politik, Kultur, Religion und Jüdisches Leben AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Jüdisches Leben AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Veranstaltungen in Berlin
   Koscher + Vegetarisch
   Writing Girls
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de 4/13/5778 - Beitrag vom 05.09.2006

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg
Katharina Höftmann

Seit über drei Wochen herrscht Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah. Gewonnen, Verloren? Wo steht Israel nach der Auseinandersetzung?



Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah ist noch lange nicht zu Ende- sagen die einen. Die UN- Resolution ist ein Schritt zum Frieden- sagen die anderen.
Dieser Krieg kam auch für Israel überraschend, noch einige Tage vor der Soldatenentführung zog man die Wachposten an der Grenze zum Libanon ab. Der Norden wurde vernachlässigt, die israelische Armee konzentrierte sich eher auf Gaza. Dass der Krieg auch für die Hisbollah überraschend kam, behauptete Nasrallah in einem Interview, dass er am 28. August 2006 von seinem Versteck aus gab. Der etwas kleinlaute Nasrallah sorgte in der israelischen Medienlandschaft für Begeisterung und sofort kam bei Nation der Gedanke auf: Vielleicht haben wir ja doch gewonnen...

Fakt ist, dass nach und nach immer mehr Informationen ueber den Krieg ans Tageslicht kommen. Israelische SoldatInnen berichten von katastrophaler Organisation, Genräle beschweren sich, dass sie Befehle entgegennehmen mussten, die ihnen absolut unlogisch erschienen.
Die Kritik an der israelischen Regierung wächst. Man hätte härter, schneller und gezielter angreifen müssen. Die Dörfer erst ausbomben sollen, bevor man die SoldatInnen reinschickt, sagen die Rechten. Die Verluste im Libanon waren viel zu hoch, sagen die Linken. Unter den Israelis herrscht eine große Bestürzung über die hohe Zahl der toten SoldatInnen, die besonders in den letzten Tagen des Krieges anstieg. Unverständlich für die meisten, da der Waffenstillstand bereits in Sichtweite war.

Umfragen ergeben, dass 63% der Israelis Olmerts Ruecktritt befürworten, die Kadima Partei würde nur noch 14 Sitze im Knesset bekommen, verglichen mit 28 für die rechte Partei Likud und 28 Plätze für die ultrarechte Partei Avigdor Liebermans. Dabei glauben 9 von 10 Israelis, dass die Entscheidung, den Libanon anzugreifen, richtig war, da man Angriffe aufs eigene Land nicht akzeptieren könne. Doch Olmerts Kriegsführung mit ungehaltenen Versprechen glich eher der Sendung Pleiten, Pech und Pannen als Ruck Zuck.
Dazu kommt, dass die Un- Resolution als Niederlage angesehen wird.
Die Resolution 1701 besagt unter anderem, dass 15.000 Unifil- SoldatInnen an die Grenze zwischen Israel und dem Libanon positioniert werden sollen. Außerdem wird betont, so der Resolutionswortlaut, wie wichtig es sei, dass die libanesische Regierung Kontrolle über das gesamte Land gewinnt und gefordert, dass alle libanesischen oder nicht- libanesischen Gruppen entwaffnet werden. Die bedingungslose Freilassung der Soldaten wird ebenfalls unter dem Terminus "betonend" festgehalten. Zu wenig, finden die meisten Israelis, gerade in Anbetracht UN-Resolution 1559, die besagte: "Der Sicherheitsrat...ernsthaft besorgt darüber, dass sich nach wie vor bewaffnete Milizen im Libanon aufhalten...bekräftigend, wie wichtig es ist, dass die Regierung Libanons ihre Kontrolle auf das gesamte libanesische Hoheitsgebiet ausdehnt."
Das klingt nicht nach entschlossener Eliminierung der Hisbollah, und der Krieg in 2006 beweist, das war es auch nicht.

Niemand in Israel glaubt also an die Verwirklichung der Resultion 1701, an die Entwaffnung der Hisbollah zum Beispiel. Auch der Punkt, dass die Schebaa- Farmen plötzlich wieder als Gebiet mit umstrittenem Grenzverlauf bezeichnet werden, überrascht insofern, als dass die UN Israels kompletten Rückzug aus dem Libanon bereits gelobt hatte. Ebenso umstritten ist der Aspekt der Unifil- Soldaten. Wieviele werden es nun wirklich sein und woher sollen sie kommen? Israel will keine Soldaten aus Ländern, mit denen sie keine politische Verbindung haben und auch moslemische Soldaten sind, verständlicherweise, weniger willkommen. Auch einen weiteren wichtigen Punkt vernachlässigt die UN Resolution 1701. Überwacht überhaupt jemand die Grenze zwischen Libanon und Syrien? In Anbetracht dessen, dass die Waffenlieferung an die Hisbollah auch vor allem durch Syrien stattgefunden hat, ist dies ein entscheidender Punkt. Die UN- Resolution versucht Frieden zu schaffen, der, so sind sich alle einig, notwendig ist, aber kann sie das? Nein, da sind sich die Israelis fast einstimmig sicher. Außerdem sind sie sich sicher, dass nun ein weiterer Krieg folgt.
Denn Syriens Präsident Assad scheint schon die Messer zu wetzen.
In Folge seiner antiisraelischen Rede, in der er deutlich seine Unterstützung für die Hisbollah äußert und Terroranschläge für die Rückgabe der Golanhöhen befürwortet, hat Deutschlands Außenminister Steinmeier sogar seinen geplanten Besuch in Damaskus abgesagt. Für die Israelis kommt das nicht überraschend, sie sind sich sicher, dass der nächste Krieg gegen Syrien geführt wird. Bald. Assad fühlt sich durch die militärische Allianz mit dem Iran und den deutlichen Schwierigkeiten Israels im Libanon gestärkt. Das verunsichert die israelische Bevölkerung besonders, weil der Iran weiter, dank Appeasement Politik, ungehindert Uran anreichert.

So steht Israel nach dem Krieg schlechter da als vorher, da sie von der arabischen Welt als geschwächt wahrgenommen werden könnten.
Und der Libanon? Hier versucht die Hisbollah lauter werdende Kritik durch immense Unterstützung der Kriegsopfer zu ersticken. Immerhin 51% der Libanesen sind aber, laut einer neuen Umfrage dafür, dass die Hisbollah die Waffen niederlegt. Schiitische Führer sprechen von einer gedankenlosen Verwicklung Libanons in einen Krieg, provoziert von der Hisbollah. Gleichzeitig wird aber ein internes Schreiben der libanesischen Armee bekannt, in dem die Soldaten angewiesen werden, an der Seite der Hisbollah zu stehen.
Derweil wächst die internationale Kritik an der Luft- und Seeblockade Libanons durch Israel, sie verhindere die Beseitigung der Kriegsschäden, so z.B. der schwedische Regierungschef Persson. Das könnte der Hisbollah fast gelegen kommen, da sie nun im Süden des Landes auch noch als Aufbauhelfer gefeiert werden: Die Libanesen sehen, dass die Hisbollah die von Israel zerstörten Gebiete wieder aufbaut, was ihre Popularität sicher verstärkt und den Gedanken, dass die Hisbollah den Krieg verursacht hat, in den Hintergrund drängt.

Und wie sollen die Milizen der Hisbollah entwaffnet werden, wenn sie Mitglieder im Parlament sind und ein Großteil des Volkes hinter ihnen steht?
Für Israel bleibt also alles wie zuvor. Die Sicherheitslage im Land ist angespannt wie eh und je, sogar Krankenwagen werden kontrolliert, bevor sie die Verletzten ins Krankenhaus einliefern dürfen. Das Volk bereitet sich gedanklich auf den nächsten Krieg gegen Syrien vor. Dieses mal hofft man auf einen Sieg als Ergebnis - als ob es einen Sieg in dieser Angelegenheit geben könnte...


Jüdisches Leben Beitrag vom 05.09.2006 Katharina Höftmann 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken