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AVIVA-BERLIN.de 2/13/5778 - Beitrag vom 24.05.2007

Jüdische Erneuerung in Europa
Sarah Ross

Vom 10.-13. Mai 2007 fand der erste Kongress von Ohel Hachidusch in Berlin statt, einer europäisch-jüdischen Initiative, die richtungsübergreifend einen Weg in die Moderne sucht.



Einen Ort, wo Juden und Jüdinnen "einfach nur jüdisch sein" können hat die europäische Initiative Ohel Hachidusch am vergangenen Wochenende in der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum für einige Tage geschaffen. Vom 10. bis 13. Mai 2007 fand dort der erste Kongress von Ohel Hachidusch statt, der unter dem Motto "Visionen – Erneuerung – Renewal" stand. Gemeinsam mit Rabbi Marcia Prager und Chasan Jack Kessler von der amerikanischen Organisation ALEPH – der Alliance for Jewish Renewal – haben die Berliner Schauspielerin und Kantorin Jalda Rebling und die Künstlerin Anna Adam einen bedeutenden Schritt für das deutsche, beziehungsweise europäische Judentum gewagt.

Trotz, und gerade aufgrund, der "eingefahrenen hierarchischen Strukturen" in den deutschen Gemeinden, haben sie die Initiative ergriffen und einen Raum geschaffen, in dem alle Juden, die keinen Zugang mehr, oder noch keinen Zugang zu den bestehenden Gemeinden haben, ihren Platz finden können. Sie bieten einen Ort für jüdische Visionen, für Kreativität, Diskussionen, Feste, Musik und Spiritualität. Kurz: einen Ort für IndividualistInnen. Dabei will Ohel Hachidusch jedoch keine neue Gemeinde gründen, sondern vielmehr in den Dialog treten mit den bereits bestehenden jüdischen Gemeinden und mit Limmud-Deutschland.

Besonders in seiner Philosophie lehnt sich die richtungsübergreifende Initiative an die amerikanische Jewish Renewal Movement (die jüdische Erneuerungsbewegung) an. Ihr Weg zur Erneuerung im Judentum führt u.a. über eine zeitgemäße Exegese der jüdischen Schriften, sowie generell über neue Zugänge zur jüdischen Tradition, wobei auch Elemente der jüdischen Mystik und des Chassidismus eine bedeutende Rolle spielen. In diesem Zusammenhang setzt die Erneuerungs-Bewegung vor allem den, dem Judentum immanenten, stetigen Prozess des Wandels fort, den Rabbiner Zalman Schachter-Shalomi, der Begründer der Renewal Movement, mit dem so genannten "Paradigm Shift" bezeichnet hat. Was jedoch in den USA natürlich gewachsen ist, muss in Europa – aufgrund des Holocausts – erst "aus dem Nichts" erbaut werden, wie Jalda Rebling in ihrer Eröffnungsansprache erklärte. In diesem Zusammenhang stellte Rabbinerin Elisa Klapheck in einem Grußwort an Ohel Hachidusch zurecht die Frage, welcher Gestalt die jüdische Erneuerung in Europa sein kann, und was man aus den USA lernen kann. In einem waren sich sowohl die VeranstalterInnen wie auch die TeilnehmerInnen des Kongresses einig: Ziel und Zweck der jüdischen Erneuerung in Europa soll sein, Juden und Jüdinnen die Möglichkeit zur Rückkehr zum Judentum zu geben und die Freude im Judentum wiederzufinden. Schlicht "maximal Judaism" erleben und leben, wie Rabbinerin Marcia Prager in ihrer Eröffnungssession erklärte.

Ein Hauptmerkmal der Jewish Renewal Movement ist der "fully egalitarian way of Jewish life", in dem vor allem Männer und Frauen völlige Gleichberechtigung erfahren und auch diejenigen in die Gemeinschaft aufgenommen werden, die am Rande des Judentums stehen (wie beispielsweise die so genannten "Vaterjuden"). Diese und andere Themen wurden in kleineren Gesprächskreisen, aber auch in einer umfangreichen Auswahl an Workshops und Diskussionsrunden thematisiert. So gab es Diskussionsbeiträge zu "Mesekhet Bavli Ta’anit als ein Beispiel für einen feministischen Kommentar des Babylonischen Talmuds" von Prof Tal Ilan (FU Berlin), zu "Frauen und Tallit" mit Lilith Schlesinger (Berlin), zum Thema Ökologie (Eco-Kashrut) mit Lynn Feinberg aus Oslo sowie eine Diskussionsrunde unter der Leitung von Sandra Lustig (Berlin) zu ihrem neuen Buch "Turning the Kaleidoscope – Persepectives on European Jewry".
Rabbinerin Marcia Prager aus Philadelphia und Chasan Jack Kessler, Direktor des ALEPH Cantorial Programs (Philadelphia, USA) gaben jeweils eine fundierte Einführung in "The Four Worlds of Jewish Renewal" und zu "Spiritual Singing and the Treasures of Traditional Nussach".

Seinen Höhepunkt fand der Kongress in der öffentlichen Hawdala (der Verabschiedung des Schabbat) am Samstagabend mit anschließendem Konzert. Neben Kantor Jack Kessler, in Begleitung von Michael Metzler (Percussion), standen erstmals alle drei Berliner Kantorinnen, Mimi Sheffer, Avital Gerstetter und Jalda Rebling gemeinsam auf der Bühne – im Festsaal des Cenrtum Judaicum, der ehemaligen Frauengalerie der Neuen Synagoge Berlin.

Zum Kongress von Ohle Hachidusch haben sich Menschen aus Deutschland, Holland, Norwegen, den USA und anderen Orten zusammengefunden. Sie kamen aus Neugier oder weil der Zufall sie zu Ohel Hachidusch führte. So unterschiedlich die Lebensgeschichten der einzelnen TeilnehmerInnen auch waren, eines hatten sie gemeinsam: Bei Ohel Hachidusch haben sie Dinge gefunden, die sie im Judentum oder in ihren Gemeinden immer vermisst haben: Worte wie "Ich muss nur ich sein, niemand lähmt mich", "Komm und bring alles mit, was Du gelernt hast und was Dich ausmacht" oder "Ich bin Heim gekommen", spiegeln deutlich den Erfolg des Kongresses wider.

Dennoch gab es auch skeptische Stimmen: Fragen wie "Was soll in einer undefinierten Umgebung erneuert werden" oder "Wie soll Ohel Hachidusch langfristig tragfähig sein" wurden zu Recht gestellt. Nichtsdestotrotz hat Ohel Hachidusch ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass das Judentum von seinen Menschen getragen und erhalten wird, dass man in Integrität miteinander leben und arbeiten muss, um zukünftig ein erneuertes Judentum in Europa etablieren zu können. So schrieb Rabbinerin Elisa Klapheck in ihrem Brief an die Initiative: "Es ist mein Traum, dass von Berlin die jüdische Erneuerung ausgeht."

Der Kongress wurde in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Volkshochschule Berlin und der Synagoge Oranienburger Straße Bejt Or Berlin durchgeführt.

Weitere Informationen im Internet unter: www.ohel-hachidusch.org


Kontakt:
WAYBER Jewish Women`s Culture Club e.V.
c/o Anna Adam und Jalda Rebling
Gethsemanestraße 11
D - 10437 Berlin
Fon: +49 (0)30 / 44 55 969
E-mail: info@ohel-hachidusch.org


Jüdisches Leben Beitrag vom 24.05.2007 Sarah Ross 

   




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