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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 27.05.2008

Theaterstück Eva Braun Medea – Ein deutsches Bunkermärchen
Andrea Petzenhammer

Das Theater "Eigenreich" zeigt am 29 Mai sowie am 13. und 14. Juni 2008 die Gemeinsamkeiten von Eva Braun und Medea. In einem inneren Dialog werden historische Frauengestalten verglichen.



Was haben Eva Braun und die Frauengestalt "Medea" aus der griechischen Mythologie gemeinsam? Immerhin trennt sie einiges: Eva Braun (1912 – 1945) war über ein Jahrzehnt die Geliebte von Adolf Hitler, der sie erst einen Tag vor dem gemeinsamen Selbstmord im Bunker in Berlin heiratete. Medea ist in der antiken Betrachtung eine selbstbewusste, heilkundige Frau die aus Liebe ihr Land verlässt um Jason zu ehelichen, der sie später aber aus politischen Gründen verstößt.
Gemeinsam haben sie, dass sie alles für ihr Ziel aufgeben, doch am Ende ausgerechnet von der geliebten Person um ihre Zukunft gebracht werden. Eva Braun hofft bis zuletzt, Adolfs Hitlers Frau und damit die "erste Frau Deutschlands" zu werden, während Medea versucht, über ihr Kräuterwissen Jasons Liebe zu erhalten, indem sie für ihn unersetzlich wird.

Beeindruckende Verwandlung auf der Bühne

Auf einer sehr dunklen Bühne mit minimalistischer Ausstattung verwandeln Spiel, Ton und Licht beständig den Ort des Geschehens. Die Erzählung springt von Medea, die in Griechenland in einer antiken Zeit in Versen spricht, zu Eva Braun, die im Bunker sitzt. Umgeben von einer großen Anzahl Weinflaschen, resümiert sie neben dem toten Hitler deren gemeinsames Leben.

Sesede Terzian spielt in unterschiedlichen Kostümen und vor allem in der abwechslungsreichen Vielfalt ihrer Stimme beide Rollen äußerst überzeugend. Im bayrischen Dialekt der Eva Braun erzählt sie vom Kennenlernen mit Hitler, der jahrelangen Einsamkeit als versteckte Geliebte und den Intrigen, die die Frauen in der Führungsriege des NS-Regimes untereinander führten. Der Kontrast, in dem Medea mit ihrer tiefen, starken Stimme ihr Leben und ihre Taten an Jasons Seite und vor allem ihre Gefühle beschreibt, könnte größer nicht sein. Das kleine Mädchen, dass über ihr verlorenes, unerfülltes Leben klagt und die enttäuschte Frau, die für alle ihre Taten und all ihr Wissen nur Ungnade erntet.

Modernes Theater und dennoch politisch

Dass ausgerechnet Eva Braun als zweite Figur neben Medea gewählt wurde, erklärt der Regisseur Sebastian Klink mit dem Anspruch, er wolle "im Gegensatz zu den Blockbustern, die in den letzten Jahren zur NS-Thematik in die Kinos gekommen waren, kein Identifikationspotential mit seiner Figur aus dem Terrorregime schaffen. Ganz bewusst soll die unpolitische Eva Braun mit ihrem auf ihr Privatleben begrenzten Horizont gezeigt werden. Außerdem bildet sie einen hervorragenden Kontrast zur starken und selbstbewussten Medea. Das Theater ist momentan sehr entpolitisiert, die Zuschauer werden nur noch durch bekannte Schauspieler in die Vorstellungen gelockt. "Eva Braun Medea" ist ein modernes Drama, aber trotzdem politisch".

Der Verein "Eigenreich" bezeichnet sich selbst als "Theater im weitesten Sinn" und wurde Ende 2004 von AbsolventInnen unterschiedlichster Studiengänge gegründet. Die Aufgabe sehen die ehrenamtlich Tätigen darin, Projekte zu entwickeln die die Wirklichkeit verständlich machen. Im März 2005 wurde Eigenreich mit einer Inszenierung von Sarah Kanes "Psychose 4.48" eingeweiht. Folgende Eigenproduktionen waren "Lieder der Unschuld und Erfahrung" nach William Blake, "Malina, Ivan und ich" nach Ingeborg Bachmann und "Klangprozessor", ein Live-Elektronik-Abend von Markus Lilge und Andreas Stoffels.
Darüber hinaus finden Konzerte, Film- und Dokumentarfilmabende sowie Ausstellungen in den Räumlichkeiten des Vereins statt. Informationen zu den kommenden und aktuellen Projekten finden Sie unter www.eigenreich-berlin.de.


Die Schauspielerin: Sesede Terziyan absolvierte 2001 bis 2005 die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin und ging dann für ein mehrjähriges Engagement an das Theater Göttingen. Gleichzeitig drehte sie für Kino und Fernsehen, zuletzt in "Istanbul sehen und sterben" für die ARD oder als Tatort-Hauptdarstellerin der Episode "Schatten der Angst". Detaillierte Informationen finden Sie unter www.agentur-einfachanders.de.

AVIVA-Tipp: Die Darstellerin Sesede Terziyan durchläuft auf der Bühne mehrmals eine beeindruckende Verwandlung. Sie spielt die Eva Braun witzig aber einfältig und die Medea klug und reflexiv. Obwohl Hitlers Geliebte demontiert und die Medea durch ihr Spiel immer stärker wird, bleibt immer klar, dass beide scheitern werden. Unterstützt durch Licht- und Soundeffekte lässt Sesede Terzian die beiden Figuren zu einer sehr modernen Frau verschmelzen, die sich für ihre Ziele aufopfert. Die Zuschauerin verlässt das Theater mit dem mulmigen Gefühl, dass ein begrenzter Horizont und Genialität sowie Erfolg und Misserfolg sehr viel näher beieinander liegen, als man sich das gerne bewusst macht.

Veranstaltungsort:
Vereins Eigenreich e.V.

Greifswalder Straße 212/213
Zweiter Hinterhof
10405 Berlin
www.eigenreich-berlin.de

Eva Braun Medea -
Ein deutsches Bunkermärchen

Mit Sesede Terziyan
Regie: Sebastian Klink
Autor: Karsten Stegemann
Bühne und Kostüm: Gregor Sturm
Musik: Stefan Weihrauch
Preis: 6,00 Euro

Weitere Aufführungen:
29. Mai 2008
13. und 14. Juni 2008
20:30 Uhr

Kultur Beitrag vom 27.05.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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