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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.05.2008

Draussen bleiben. Ein Dokumentarfilm
Britta Leudolph

Valentina und Suli haben sich vor Jahren in einer deutschen Flüchtlingsunterkunft kennen gelernt. Alexander Riedel begleitet die Freundinnen in der schwierigen Zeit des Erwachsenwerdens.



Valentina, 16 Jahre alt, ist mit ihrer Mutter und ihren zwei Brüdern vor elf Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland geflohen, seitdem leben sie in einem Heim für AsylbewerberInnen. Sie haben nie eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, sind immer nur zwei bis drei Monate geduldet, der große Bruder wurde bereits abgeschoben. Suli, 17 Jahre alt, ist Uigurin. Sie ist mit ihrer Familie vor neun Jahren aus dem Nordwesten Chinas geflohen. Im Gegensatz zu Valentinas Familie hatten sie mehr Glück: Sie wurden schnell als politische Flüchtlinge anerkannt und wohnen mittlerweile in einer eigenen Wohnung.

Valentina und Suli haben sich vor einigen Jahren kennen gelernt und verbringen nun einen Teil ihres Lebens gemeinsam, vertreiben sich die Zeit mit ihren FreundInnen in U-Bahnhöfen, beim Chatten oder beim Kicken auf dem Bolzplatz am Stadtrand. Im Grunde geht es aber um Wichtigeres.

Valentina muss für vier Wochen in den Jugendarrest, denn sie hat sich während einer Schlägerei mit der Polizei angelegt: Widerstand gegen die Staatsgewalt. Valentina ist ein mutiges, starkes, vorlautes Mädchen, das sich kaum etwas sagen lässt und dadurch auch immer wieder aneckt. Ihre Mutter ist zu sehr mit sich selbst und ihren eigenen Traumata beschäftigt und bittet Valentina nur, nicht mit der Polizei in Konflikt zu geraten.
Ganz anders Sulis Situation: Bei ihr zu Hause sind die Rollen klar verteilt, als Tochter muss sie gehorchen und auch ihr Bruder fühlt sich berufen, auf Suli "aufzupassen". Dass Suli reifer und umsichtiger ist als er, stört die Familie dabei nicht.

Es geht aber nicht nur um Valentina und Suli. Auch ihre FreundInnen kommen zu Wort, etwa Diana, die sich immer wieder dagegen wehrt, von Valentina mit allen anderen Schwarzen in einen Topf geworfen zu werden.

Wie die Zukunft aussieht, ist vor allem für Valentina ungewiss. Eine Ausbildung kann sie nicht antreten, weil ihr Aufenthaltsstatus nicht klar ist. Auf die Frage, was sie machen würde, wenn sie ausreisen müsste antwortet sie: "Ich weiß es nicht. Erst wenn es so weit ist, dann kann ich dir sagen, was ich dann machen werde. Ich würde mich dagegen wehren, ich würde sagen, ich gehe nicht mit. ...ich würde aus der Maschine springen, auf Deutschland zu."

AVIVA-Tipp: Der Film "Draussen bleiben" erinnert ein wenig an "Prinzessinnenbad", doch die Lebenssituation der Protagonistinnen ist ohne Zweifel unsicherer. Neben der ohnehin schon schwierigen Phase der Pubertät müssen sie sich mit ernsteren Themen auseinander setzen: Suli lebt in zwei Welten, der deutschen auf der einen, der uigurischen auf der anderen. Weitaus kritischer ist Valentinas Situation: Alexander Riedel zeigt hier im Kleinen ein großes Problem, gibt dem abstrakten Begriff "Duldung" - nach Definition des deutschen Aufenthaltsrechts eine vorrübergehende Aussetzung der Abschiebung - ein Gesicht, macht das Einzelschicksal sichtbar. Valentina und Suli ist nach eigenem Bekunden nicht klar, warum Suli schon nach kurzer Zeit als politischer Flüchtling anerkannt wurde, Valentina aber nicht, und das, obwohl sie vor dem Krieg im Kosovo nach Deutschland geflohen war. Beide halten die Entscheidungen für Zufall. Oder ist es Willkür? Eine denkwürdige Dokumentation.

Zum Regisseur: Alexander Riedel wurde 1969 in Augsburg geboren. 2000 gründete er gemeinsam mit Bettina Timm die Produktionsfirma pelle Film, für deren preisgekrönten Dokumentarfilm "Herr Zhu" er 2002 auch die Kamera führte. Mit "Draussen bleiben" absolvierte er 2007 die Filmhochschule München.

Bei seiner Festival-Premiere auf den Hofer Filmtagen 2007 avancierte "Draussen bleiben" zum Publikumsliebling und läuft weiterhin sehr erfolgreich auf zahlreichen Filmfestivals.

Draussen bleiben
Regisseur: Alexander Riedel
HauptdarstellerInnen: Valentina Llazicani, Suli Kurban, Diana Cisse, Zulpi Kurban, Burkibar Cisse, Anthony Fazzini
Eine Produktion der Pelle Film / Deutschland 2007
Kinostart: 08. Mai 2008 im Verleih von Zorro Film
Lauflänge: 84 Minuten
Dokumentarfilm, Deutschland 2007
FSK: keine Angabe
Weitere Infos unter www.draussenbleiben.de

Kultur Beitrag vom 05.05.2008 Britta Leudolph 

   




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