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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.05.2008

Was am Ende zählt
Kristina Tencic

Julia von Heinz erzählt in ihrem Film "Was am Ende zählt" die Geschichte einer Freundschaft, die keine Konventionen kennt und durch eine mutige Entscheidung das Leben der ProtagonistInnen umwirft,...



...bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Zu sehen ist er ab dem 1. Mai 2008 im Kino.

Normalerweise kennt man "was am Ende zählt"-Geschichten von Sterbebettlägerigen oder unverhofft plötzlich Erkrankten, welche den jungen Gesunden weis machen wollen, was denn statt der Arbeit, des Geldes und der unzähligen Liebschaften wirklich wichtig ist (welche dann meist erst auf ihrem eigenen Sterbebett die Aufrichtigkeit der Worte erkennen). In dieser Filmgeschichte läuft das etwas anders. Hier stehen die ProtagonistInnen nämlich nicht am Ende, sondern am hoffnungsvollen, und doch schon so sehr perspektivlosen Anfang ihres Lebens.
Clara, eine schick angezogene, knapp 18-jährige steigt in Berlin Ostbahnhof in einen Zug nach Lyon ein, wo sie eine Modedesign-Schule absolvieren möchte, als ihr das Portemonnaie gestohlen wird. Beim Versuch es zurückzuholen, wird ihr auch noch ihre Tasche entwendet, womit sie ohne Geld, Papiere, Klamotten, nur auf sich allein gestellt auf dem Gleis steht. An einem Imbissstand trifft sie auf Nico, einen typischen Überlebenskünstler, der ihr einen Job auf dem Bau anbietet. Leichtgläubig geht sie mit ihm und merkt schnell, dass so viel Hilfsbereitschaft auch seine Kosten hat: er lässt sie nur bei sich schlafen, wenn sie im Gegenzug mit ihm schläft. Die empfundene Hilflosigkeit siegt.

Auf dem schrottreifen Kahn, der zur schwimmenden Kneipe umgebaut werden soll, angekommen, trifft sie auf die gleichaltrige Waise Lucie. Im Laufe ihres Lebens hat diese schon viele Heime durchlaufen, aber nur bei ihrem auf die schiefe Bahn geratenem Bruder Michael und einem Sozialarbeiter Sicherheit gefunden. Eine tiefe Freundschaft entwickelt sich, wobei nicht Worte, sondern Gesten ihre Entfaltung beeinflussen. Sie schlafen, arbeiten und leben über mehrere Monate hinweg gemeinsam auf der Baustelle. Lucie scheint ihren Platz im Leben schon gefunden zu haben und sehnt sich nur nach einer Familie, wohingegen Clara Geld für ihren Aufbruch in ein Designerleben in Frankreich spart – doch kurz vor ihrer Abreise erfährt sie, dass sie schwanger ist und der Zeitpunkt für eine Abtreibung bereits verstrichen.

Lucie bietet ihr einen Pakt an: "Du bekommst das Kind unter meinem Namen, ich nehme es dann." Sie tauschen ihre Identitäten und verschmelzen hierdurch zu einer Familie. Als das Kind schließlich auf der Welt ist, kann sich Carla nicht von ihm trennen - die Situation eskaliert und fordert von beiden Müttern eine große Entscheidung.

Das Spielfilmdebut von Julia von Heinz ist, auch aufgrund der passenden Besetzung mit den deutschen Schauspieltalenten Paula Kalenberg und Marie-Luise Schramm, ein subtiles Erlebnis, das demonstriert, dass es weder des richtigen Alters, noch der richtigen Ausstattung oder des richtigen Geschlechts bedarf, um Verantwortung zu übernehmen und für jemanden da zu sein. Die Regisseurin gibt uns einen urteilsfreien und interpretationsoffenen Einblick in das Leben zweier Frauen, deren Sehnsüchte zwar unterschiedlich, aber nicht unvereinbar sind.

AVIVA-Tipp: "Was am Ende zählt" ist ein sehenswerter Kinofilm, der durch seine Wortkargheit überzeugt. Der Film gibt keine Antworten auf den Sinn des Lebens, sondern zeigt, dass man nicht erst 40 Jahre vergeudeten Lebens hinter sich gebracht haben muss, um zu wissen, was wichtig und gut für eine/n ist. Denn bewusste Entscheidungen können jederzeit getroffen und gelebt werden.

Zur Regisseurin: Julia von Heinz wurde 1976 in Berlin geboren. Sie war von 1992-2000 Mitglied der Antifa BonnRhein/Sieg. Während ihres Kamerastudiums an der TFH Berlin führte sie Regie bei vier preisgekrönten Kurzfilmen. Anschließend arbeitete sie als künstlerische Mitarbeiterin von Rosa von Praunheim an der HFF Potsdam Babelsberg im Fach Spielfilmregie. "Was am Ende zählt" ist ihr Spielfilmdebut. Der Film wurde weltweit auf zahlreichen Festivals (darunter viele schwul-lesbische Filmfestivals) gezeigt und mit Preisen bedacht. Gegenwärtig stellt sie einen langen Dokumentarfilm fertig und schreibt das Buch zu ihrem nächsten Spielfilm. (Quelle: Filmverleihinfo)
Lesen Sie auch unser Interview mit Julia von Heinz, das wir im Rahmen der 57. Berlinale mit ihr geführt haben.

Was am Ende zählt
Regie: Julia von Heinz

DarstellerInnen: Paula Kalenberg, Marie-Luise Schramm, Benjamin Kramme, Vinzenz Kiefer u.a.
Dauer:100 Minuten, Kinostart: 1. Mai 2008
Deutschland 2007
Altersbeschränkung: keine Angaben
Verleih: www.missingfilms.de

Kultur Beitrag vom 02.05.2008 Kristina Tencic 

   




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