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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 24.04.2008

Wir sind Kreuzberg - 36 Ladies
AVIVA-Redaktion

Die 36 Ladies in der Fotoaktion des Frauenzentrums Schokofabrik verstehen sich als Stellvertreterinnen für all die Frauen und Mädchen, die in SO 36 den Kiez, Kreuzberg und ganz Berlin bereichern.



"Wir sind Kreuzberg - 36 Ladies"! Mit dieser Fotoaktion will das Frauenzentrum Schokofabrik in der Kreuzberger Naunynstraße darauf aufmerksam machen, dass es auch eine andere Seite dieser Straße gibt. Denn nur zu oft berichten die Medien über diesen Kiez mit dem Beinamen SO 36 nur in Negativschlagzeilen, mit Vorliebe über gewaltbereite junge Männer. Die vielen positiven Projekte bleiben hingegen unerwähnt.

"36 Ladies" ist als Anspielung gedacht auf die "36 boys", die ihren Namen vom früheren Postzustellbezirk SO 36 ableiteten. In den achtziger Jahren machten sie den Kiez unsicher, geblieben ist der Schriftzug auf T-Shirts. Zweimal schon erschien im Spiegel ein Foto, das die Naunynstraße als "Aufmarschgebiet" von gewaltbereiten jungen Männern zeigt. Einer davon trägt ein derartiges T-Shirt (Nr. 38/2007 und Nr. 2/2008). In einem Artikel wurde die Naunynstraße sogar als no-go-area bezeichnet. Der Begriff stammt aus einem Bericht des Berliner Senats.

Das Frauenzentrum Schokofabrik wehrt sich gegen die einseitige Darstellung der Naunynstraße und des Kiezes in den Medien. Mit den Fotos soll die Botschaft verbreitet werden: "Schaut nicht immer nur auf die bösen Jungs, schaut auch endlich mal auf die Mädels! Wir zeigen Euch ´the other side of Naunynstreet´."





Die "36 Ladies" leben gerne hier und haben mit der tatkräftigen Unterstützung von Genossinnen und Sponsorinnen im Dezember 2004 die Häuser des Frauenzentrums Schokofabrik in der Naunyn- und der Mariannenstraße gekauft. Allein mit Frauenkapital haben sie eine Genossinnenschaft gegründet und damit den Erhalt ihres Frauenzentrums gesichert. Hätten sie das nicht geschafft, wären die Häuser von der GSW (Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft) an einen amerikanischen Investor verkauft worden. Die Mieten wären dann unbezahlbar geworden.

In SO 36 gibt es tatsächlich gewaltbereite junge Männer mit Waffen und Kampfhunden. Doch es gibt auch viele Frauen und Mädchen, die seit 1981 mit Idealismus und Engagement auf 3.000 Quadratmetern das größte Frauen- und Lesbenzentrum Europas aufgebaut haben. Rund 1.000 Frauen nutzen die vielfältigen Angebote der Schoko wöchentlich. Die Schoko ist damit ein gelungenes Stück "Kreuzberger Mischung", mit Arbeiten und Wohnen unter einem Dach. Sie ist Frauenzentrum, Arbeitgeberin, Soziales Projekt und Wohnhaus in einem und damit einzigartig nicht nur in Berlin, sondern darüber hinaus!

"Wir sind Kreuzberg - 36 Ladies" - mit dieser Fotoaktion soll auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass dringend neue Genossinnen gesucht werden, um das neue Schokocafé zur Straße hin auszubauen, das unter dem Motto steht "für Frauen und ihre FreundInnen". 50.000 Euro Kapital werden benötigt für Schall- und Feuerschutzdecke sowie für den barrierefreien Zugang. Diese Ausgaben muss die Schoko selbst bewerkstelligen. Die Umbauarbeiten werden bis zum Sommer dauern. Bis dahin gibt es in der Mariannenstraße 6 ein provisorisches Café, das als "open space" für Veranstaltungen und Partys genutzt werden kann.

Öffnungszeiten des Schokocafé in der Mariannenstraße 6: Dienstag bis Donnerstag, 11.00 bis 16.00 und Freitag 18.00 bis 22.00, sowie nach Absprache.

Weitere Infos: www.schokofabrik.de/aktion

Weiterlesen auf AVIVA Berlin:

Schokocafé in Arbeit.

Foto–Copyright: Petra von den Berg

Kultur Beitrag vom 24.04.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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