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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.01.2008

Berlin am Meer
Anna Opel

Das Spielfilmdebut des Regisseurs Wolfgang Eißler führt die Zuschauerin in die Berliner Club- und Partyszene, zeigt viele bunte Locations und macht ein paar Umwege zu viel. Kinostart 10.01.2008



Sind alle Geschichten im Grunde wirklich Liebesgeschichten? Wird um Berlin ein Hype gemacht und kann man von Politikstudentinnen aus München am Ende noch was lernen?
Tatsache ist: Robert Stadlober ist Tom. Er trägt er das Haar rötlich-brünett, ist wunderschön, weder Mann noch Frau. Die Kamera liebt ihn und seinen charmanten Augenaufschlag. Ohne ihn sähe "Berlin am Meer", der Erstling des Regisseurs Wolfgang Eißler, vielleicht ein bisschen blass aus.

Berlin – ein Sommermärchen

Die zwei Freunde Tom und Malte machen Musik. Am Computer basteln sie eigene anspruchsvolle Tracks, die die BesucherInnen des Clubs "Elektroschock" in Bewegung versetzen. Im Jetzt träumen die beiden davon, mit ihrer Musik bei einem guten Label unter zu kommen. Aber Tom will mehr: Heimlich liebt er die Oper und er trägt sich mit dem Gedanken, sich auf der Hochschule für Komposition zu bewerben. Seinem Freund Malte, (Axel Schreiber) blonder Gegenpart, immer cool, gut drauf, kommt Toms manchmal grüblerisches Wesen komisch vor, wo doch alles so gut läuft und die Mädchen sich um sie scharen. Im näheren Dunstkreis dieser Clique halten sich Margarete (Jana Pallaske) und der Pseudo-Medizinstudent Mitsch (Claudius Franz) auf. Sie hängen zusammen ab, feiern, werfen harmlose Drogen ein und servieren tagsüber mit beträchtlichem Restalkohol im Blut bei feierlichen Empfängen Sekt. Tom kommt vor lauter Feiern und Arbeit kaum dazu, seine Bewerbung an der Hochschule vorzubereiten. Alles lustig, alles kein Problem. Berlin, ein Sommer-Märchen.

Eine Münchner Sicht auf die Dinge

Da taucht Mavie auf, Mitchs Schwester, sie studiert Politik, wohnt in München, kommt zum Fraktionspraktikum in die Hauptstadt und braucht eine Bleibe.
München! Politik! Fraktionspraktikum! So was von daneben, finden die MitbewohnerInnen. Allerdings nur bis zu dem Moment, wo sie die holde Schöne auf dem Bahnsteig am Hauptbahnhof zum ersten Mal in Augenschein nehmen. Mavie (Anna Brüggemann) ist nicht nur schön und blond, sie trägt auch ein gesundes Selbstbewusstsein zur Schau, eine pragmatische Haltung und Engagement. Auf die Frage, warum man denn heute noch so was studiere, antwortet sie unumwunden, sie wolle etwas bewegen. Der männliche Teil der obercoolen Berlin-Clique kommt vorübergehend ins Schleudern. Als Margarete die Neue nach einigen Tagen erwartungsvoll fragt, ob ihr Berlin gefalle, antwortet diese prompt:
"Es geht. Hier läuft es mir zu aufgeregt und der Hype um Berlin hat mich schon immer genervt."
Mitch bleibt auf Abstand zu seiner engelsgleichen Schwester, die ihm im Gegenzug seine Schmarotzer-Haltung vorwirft. Mitch ist inzwischen exmatrikuliert. Der Betrag, den die Mutter zur Anschaffung von Fachbüchern geschickt hatte, wurde anderweitig verwendet.

Auf Umwegen zum Glück

Eine ganze Weile läuft für Tom einiges schief. Er denkt, die Hochschule habe ihn abgelehnt. Malte hatte seine Bewerbung von der Festplatte kopiert und wurde prompt angenommen. Ein Label interessiert sich für Toms und Maltes Tracks, doch Tom merkt, dass das nicht das ist, was er will. Er will mehr. Außerdem hat er sich in Mavie verliebt, die beiden kommen sich näher, werden aber im Chaos der Ereignisse in den entscheidenden Momenten immer wieder getrennt. In der allerletzten Sekunde erst erhält Tom die Zusage zum Studium aus der edlen Hand Mavies und das Küssen will kein Ende nehmen.

Das Ich und die Gruppe

"Berlin am Meer" ist ein sympathischer Film, der einen guten Ton findet für das Berlin-Feeling, die subversive Weigerung erwachsen zu werden, das Gruppen-Ding, das es manchmal schwierig machen kann, den eigenen Weg zu finden. Hier gibt es flotte Sprüche, viele gute Ansätze, doch die Dramaturgie verzettelt sich zuweilen. Die schönen Gegensätze der Charaktere haben zu wenig Raum, sich voll zu entfalten. Dass die Kontrastfigur Mavie die BerlinerInnen letztlich vor allem mit ihrer Schönheit und einer neuartigen Methode, Hasch zu rauchen, überzeugt, bleibt irgendwie enttäuschend. Mavie hat nämlich mehr drauf. Ebenso traurig ist die Tatsache, dass Tom am Ende die abgedroschenen Sprüche eines älteren Ehepaares nötig hat, bevor er merkt, dass er von Mavie wirklich etwas will. An diesen und ähnlichen Punkten fällt der Film in eine etwas altbackene Naivität und eine Profilsucht, die vieles von seinen subtileren Qualitäten wieder zurücknimmt.

Spektakuläre Settings

Das Bild von der Gruppe auf einem Floß auf der Spree vor dem Bodemuseum ist eindrucksvoll, die Szene am Treptower Badeschiff so gestylt, dass man sie für Langnese-Werbung halten könnte. Auch in Sachen Kamera gibt es einige Experimente, Überblendungen in rascher Folge, eine schwindelerregende Fahrt durch Berlin im Führerhäuschen eines ICE im Zeitraffer. Das ist manchmal lustig und neu, aber in mancher Hinsicht, wäre in "Berlin am Meer" weniger mehr gewesen.
Trotzdem zeichnet der Film ein treffendes und witziges Porträt einer Generation, die sich mit minimaler moralischer Orientierung und maximaler Coolness traumwandlerisch durchs Leben schlägt.

AVIVA-Tipp: Ein Film für Stadlober-Fans, Leute, die sich ihre Stadt gern im Kino anschauen und solche, die sich in einer postpubertären Orientierungsphase befinden.

Berlin am Meer
Regie und Drehbuch: Wolfgang Eißler
DarstellerInnen: Robert Stadlober, Anna Brüggemann, Axel Schreiber, Jana Pallaske, Claudius Franz
Länge: 95 Minuten
Freigegeben ab 12 Jahren
Kinostart: 10.Januar 2008
Produktion: Deutschland 2007
Im Verleih von Warner Bros. Pictures Germany
Weitere Infos unter: www.berlinammeer-derfilm.de

Kultur Beitrag vom 08.01.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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