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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 11.07.2007

Calling Hedy Lamarr
Clarissa Lempp

Hedy Lamarr galt als die sch├Ânste Frau der Welt und war die Erfinderin der Frequenzsteuerung, die Grundlage f├╝r die Mobiltelefonie. Eine Dokumentation ├╝ber die vielleicht kl├╝gste Frau in HollywoodÔÇŽ



Die legend├Ąre Hollywood-Diva Hedy Lamarr (alias: Hedwig Maria Kiesler, geboren am 9. November 1914), war einst die sch├Ânste Frau der Welt und auch die erste Frau die vollkommen nackt in einem Film auftrat ("Ekstase", 1933). Nach ihren ersten Versuchen im europ├Ąischen Kino ging die Wienerin in die USA, wo sie neben ihrer Hollywoodkarriere das sogenannte frequency hopping (Frequenzsprungverfahren) weiter entwickelte, das heute die Grundlage aller Mobiltelefonie bildet. Mit dem Alter verlagerte Hedy Lamarr ihre sozialen Kontakte haupts├Ąchlich auf Telefongespr├Ąche und diese Form der Kommunikation ist auch der Ansatzpunkt des Films: Calling Hedy Lamarr.
Der Film zeigt die Menschen, die telefonisch in Kontakt mit Hedy standen, ihr Sohn, kurioser Weise Verk├Ąufer f├╝r Mobiltelefone, ihre Tochter, Freundinnen, ein Boulevardjournalist, Mitglieder einer Familie aus Florida mit denen Lamarr zuletzt Kontakt hatte. Und sie alle reden in fiktiven Telefongespr├Ąchen miteinander ├╝ber Hedy, von ihr und schlie├člich mit ihr. Es werden Filmausschnitte gegeneinander geschnitten oder mit den Bildern der Telefonierenden kombiniert, wodurch ├╝berraschende und abenteuerliche Verkn├╝pfungen entstehen. Ihr Sohn Anthony Loder tr├Ąumt davon, das Leben der Mutter zu verfilmen und leistet in gestellten Castings gleichzeitig Vergangenheitsbew├Ąltigung. So stehen ihm dann auch prompt die Tr├Ąnen in den Augen, als eine der Bewerberinnen f├╝r die gealterte Hedy sich in ihrer Rolle f├╝r ihre Ungerechtigkeit und Abwesenheit als Mutter bei ihm entschuldigt.

"Any girl can be glamorous. All you have to do is stand still and look stupid."
(Jedes M├Ądchen kann glamour├Âs sein. Du musst nur still stehen und dumm dreinschauen.)
Hedy Lamarr

Als Schauspielerin waren ihre gr├Â├čten Rollen eher die des dekorativen weiblichen Beiwerks, zum Beispiel als Delilah in Cecil B. DeMilles ÔÇ×Samson und Delilah" . Dieses Bewusstsein um den Wert der eigenen Wohlgestalt steigerte sich mit dem Prozess der Alterung, Hedy Lamarr unterzog sich verschiedenen Sch├Ânheits-OPs. Einige missgl├╝ckten und entstellten sie. Die sp├Ąteren Aufnahmen zeigen dies sehr deutlich. Wahrscheinlich auch mit ein Grund warum sie sich sp├Ąter vollkommen aus der ├ľffentlichkeit zur├╝ckzog. Was aber blieb, war ihr Erfindungsdrang. Zahlreiche Skizzen und Patentantr├Ąge beweisen den Ideenreichtum Lamarrs, der nicht unbedingt aus einer fundierten naturwissenschaftlichen Bildung basiert, bezeichnete sie selbst doch viele der technischen Details als "Dingsbums".

Das Bild, das sich nach und nach von Hedy Lamarr zeichnet, entschl├╝sselt aber nicht ihr mythenumwobenes Wesen. Eine Hollywoodsch├Ânheit, die sich als Gegnerin des Nationalsozialismus, sie selbst war j├╝discher Abstammung, im 2. Weltkrieg auf die Seite der Alliierten stellte und ihnen ihre 1942 patentierte Funkfernsteuerung f├╝r Torpedos anbot. Die sechs Ehem├Ąnner und zahlreiche Liebhaber hinter sich lie├č und ihren Lebensabend allein und zur├╝ck gezogen in Florida verbrachte. War sie am Ende vielleicht wirklich eine Art Mata Hari, wie der Boulevardjournalist vermutet, eine Spionin wie ihre Rolle der unwiderstehlichen Lily Dalbray in "My favourite Spy"?

Die Schlussszenen zeigen Anthony Loder, Hedy Lamarrs Sohn aus dritter Ehe, auf seinem Weg, die Asche seiner 2000 verstorbenen Mutter testamentgem├Ą├č nach Wien zu ├╝berf├╝hren. Er fr├Ągt den Wiener Taxifahrer ob denn Lamarr noch bekannt sei? "Ah schuhr", antwortet der im wienerisch-englisch und erz├Ąhlt gleich schwelgerisch, dass sie einstmals die sch├Ânste Frau der Welt war...

AVIVA-Tipp: Calling Hedy Lamarr beeindruckt durch seinen feinf├╝hligen und humorvollen Umgang mit den vielen Parallelleben dieser Frau. Der Film l├Ąsst entdecken, erlaubt sich zu hinterfragen und schafft dies, ohne die Pers├Ânlichkeit und die Haltung dieser zuweilen doch exzentrischen Hollywood Diva anzugreifen. Ein erstaunliches, aufrichtiges und kurzweiliges Portrait einer eigenwilligen Frau.

Calling Hedy Lamarr
Bundesrepublik Deutschland/├ľsterreich/UK, Produktion Hanfgarn & Ufer
Mitwirkende: Hedy Lamarr (Hedwig Kiesler), Anthony Loder, Denise Loder-DeLuca, Edie Stansel, Charles Stansel, u.a.
Buch/Regie: Georg Misch
Kamera: Jon Sayers
75 min., 35mm, s/w und Farbe
Originalversion (dt., engl.) mit dt. Untertiteln

Kinostart 12. Juli 2007
In Berlin im Moviemento Kino:
www.moviemento.de



Kultur Beitrag vom 11.07.2007 Clarissa Lempp 

   




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