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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 01.05.2007

Das Mädchen, das die Seiten umblättert – Mit Klassik-Soundtrack
Tatjana Zilg

Eine berühmte Pianistin wird zur heimlichen Todfeindin eines jungen Mädchens, als sie die begabte Bewerberin beim Vorspielen für die Aufnahme an ein Musik-Konservatorium völlig aus dem Takt bringt.



Die Facetten der Rachegefühle, die in einen Menschen nach einer Demütigung durch eine als machtvoll erlebte Person entstehen können, stellt der Regisseur Denis Dercourt in den Mittelpunkt seines Thrillers, der ohne sichtbare Gewalt auskommt. Die Rachepläne der Protagonistin sind viel subtiler.

Warum das Mädchen einen so großen Hass auf die Pianistin hegt, ist kein Geheimnis. Gleich am Anfang erfahren die ZuschauerInnen, was ihr angetan wurde. Nichtbeachtung als Person, ein Mangel an Respekt. Ein einziger Moment, der ihre Träume zerstört. Als Teenager bewirbt Mélanie (Julie Richalet) sich für das Klavier-Studium an einem angesehenen Konservatorium. Sie kommt aus einer Familie, in der die hohen Künste niemandem in die Wiege gelegt werden. Aber die Liebe zur Musik und die Leidenschaft für das Klavierspiel sind bei ihr so ausgeprägt, dass ihre Eltern sie bestmöglich unterstützen. Alle haben sich auf ihren großen Tag, die Aufnahmeprüfung, gefreut. Sie ist aufgeregt, lässt ihre Hände über die Tasten tanzen. Da passiert das Unerträgliche: Die Jurypräsidentin (Catherine Frot) wendet ihre Aufmerksamkeit ab, um einer Verehrerin ein Autogramm zu geben. Das Mädchen ist von dem offensichtlichen Desinteresse schwer enttäuscht, das Vorspielen misslingt. Zu Hause beschließt Mélanie, nie mehr Klavier zu spielen. Eine Überreaktion, aber auch ein Hinweis darauf, wie entschlossen und geradlinig sie mit ihren Zielen umgeht.

Der Film überspringt die nächsten zehn Jahre und zeigt die grazile Französin im Alter von 20 Jahren. Sie beginnt gerade ein Praktikum in einem Rechtsanwaltbüro in Paris. Ihr Chef ist Monsieur Fouchécourt (Pascal Greggory), der Ehemann der Pianistin, die ihre Kindheitsträume zerstört hat. Er sucht auch eine Betreuerin für seinen Sohn Tristan (Antoine Martyniciow) in den Sommerferien. Perfekt für Mélanie (Déborah François). Es ist ein einfaches für sie, den Workaholic davon zu überzeugen, ihr die Stelle zu geben. Da die Familie in einem großen Herrenhaus außerhalb von Paris lebt, zieht sie für die Zeit der Sommerferien bei ihnen ein.

Das Klima in der reichen Familie ist leicht unterkühlt. Die Erwartungen aneinander sind groß, aber man ist auch umeinander bemüht. Monsieur Fouchécourt erzählt seiner neuen Angestellten, dass er von ihr Unterstützung für seine Frau erhofft. Seit einem Autounfall plagt sie vor den Konzerten ein großes Lampenfieber. Sie ist sich ihrer selbst nicht mehr sicher.
Mélanie gelingt es scheinbar mühelos, sich in kürzester Zeit für die Familie unentbehrlich zu machen. Bald wird sie von der Pianistin darum gebeten, bei ihren Konzerten die Noten umzublättern. Was auf den ersten Blick wie ein Job wirkt, der anspruchslos ist, erweist sich als Vertrauensstellung. Ein Fehler der Umblätterin könnte die Pianistin den Takt verlieren lassen und aus dem künstlerischen Gleichgewicht bringen.

Das Schachfeld für die Rache des verletzten Kindes ist eröffnet. Hoch konzentriert, dabei nach außen hin scheinbar anpassungsfähig und hilfsbereit, arbeitet sie von nun an auf den Moment hin, an dem sie die Kränkung, die ihr ganzes Leben verändert hat, an die Pianistin zurückgeben kann.

Regisseur Denis Dercourt siedelt seine Parabel auf die Sehnsucht nach Vergeltung in einem Milieu an, das er selbst von Geburt an kennt. Er wurde 1964 in Paris als Sohn eines Fernsehproduzenten und einer Klavierlehrerin geboren. Bevor er sich der Welt der bewegten Bilder widmete, verfeinerte er zunächst sein Wissen über die Kraft der analytischen Gedanken mit einem Diplom in Philosophie und Politologie an der École des Sciences Politiques in Paris. Danach spielte er 5 Jahre als Solo-Bratschist im Orchestre Symphonique Français und trat unter anderem in der New Yorker Carnegie Hall auf. Zusammen mit seinem Bruder Tom Dercourt gründete er 1996 die Produktionsfirma "Les Films à 1 Dollar". Sie hat auch seinen fünfter Spielfilm "La Tourneuse De Pages" produziert, der 2006 auf den Filmfestspielen von Cannes in der Reihe "Un Certain Regard" Premiere hatte.

AVIVA-Tipp: Ein Thriller, der ganz ohne Mord auskommt. Die Motive der Charaktere sind von Beginn an offengelegt. Der Film kann sich so auf sein wesentliches Element konzentrieren: Seziert wird das Innere von hoch emotionalen Gefühlsbindungen, die sich in der Vermischung mit rational-strategischen Denken und dem Bedürfnis, sich von eigenen Zwängen zu befreien, zu explosivem, rein psychisch wirkendem Dynamit entwickeln.

Ein Klassik-Soundtrack, meisterhaft konzipiert, und ein Hörerlebnis gehobener Qualität:

"Ich habe mich auf das Gebiet des Genre-Films und des Thrillers gewagt, um eine bestimmte Distanz zu meiner Erfahrung als Musiker und meiner eigenen Sicht auf das Musizieren zu wahren. Ich konnte aber nicht vorhersehen, dass die Mechanik des Suspense den Techniken beim Komponieren ähnelt. In beiden Fällen findet man die Begriffe von Spannung/Entspannung, Verlangsamung/Beschleunigung, Takte, Tempo-Variationen, Höhepunkte, Pausen usw. Ich glaube nicht, dass man die musikalische Praxis ästhetisieren muss, wenn sie von erstklassigen Interpreten ausgeübt wird. Denn man sollte die Gefühle in ihren Gesichtern, Händen und Blicken lesen können" erzählt Denis Dercourt zu seiner Annäherung an das Filmthema.

Im Komponisten und Pianisten Jérôme Lemonnier fand er einen idealen Partner, um seine Vorstellungen zu einem Music-Score zu wandeln, der optimal die verschiedenen Motive der einzelnen Szenen einfängt. Die tiefen Gefühle der unterdrückten Wut, des Hasses aufeinander, die manchmal fein nuanciert in eine ganz besondere Anziehung zueinander umschlagen, aber kurz danach wieder um so stärker ihre Anerkennung einfordern, werden in raffinierte Klassik-Stücke umgesetzt. Ergänzt wird der ergreifend-sinnliche Soundtrack mit drei Interpretationen von Schubert, Bach und Shostakovich. Ein wundervolles Glanzstück ist dabei der 10minütige Titel des ersten, sehr erfolgreichen Konzertes, bei dem Mélanie die Seiten umblättert. Im aufgeregten, kontrastreichen Wechselspiel zwischen Piano und begleitenden Instrumenten wie Cello und Violine wird die Suspense-Stimmung des Films perfekt wiedergegeben.

Das Mädchen, das die Seiten umblättert
Orginaltitel: La Tourneuse de Pages

Regie: Denis Dercourt
Drehbuch:Denis Dercourt, Jacques Sotty
DarstellerInnen: Catherine Frot, Déborah François, Pascal Greggory, Clotilde Mollet, Xavier de Guillebon, Antoine Martynciow
Filmverleih: Alamode
Kinostart: 03.05.2007

Der Film im Web: www.alamodefilm.de

La Tourneuse de pages
Jérôme Lemonnier Original Soundtrack

Label: Colosseum, VÖ Mai 2007
EAN: 4005939811426
18,99 Euro
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Kultur Beitrag vom 01.05.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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