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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.05.2008

Wilde Unschuld - Savage Grace
Tatjana Zilg

Die provokante Geschichte über ein intensives Mutter-Sohn-Verhältnis, das in einer Katastrophe endet, basiert auf einer wahren Begebenheit. Der eskalierende Familienkonflikt trägt sich im Milieu...



... der oberen Zehntausend zu.

Der Film beginnt wie ein klassisches Hollywood-Melodram: Im New York der fünfziger Jahren heiratet Barbara Daly (Juliane Moore), eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, Brooks Baekeland (Stephen Dillane), einen Millionen-Erben, der ihr ein Leben in Reichtum und Luxus bieten kann. Das erste Kind, Tony, wird von dem Ehepaar materiell verwöhnt. Ansonsten nehmen sich die Eltern nur wenig Zeit für seine Erziehung, da sie die Tage und Nächte in vollen Zügen genießen. Dennoch scheint die Beziehung zu ihrem Sohn liebevoll zu sein und sie sind stolz auf seine schulischen Leistungen und seine Entwicklung. In der Pubertät kommt es zu ersten Brüchen. Tony (Eddie Redmayne) hält den Eltern nun des Öfteren mit seinem Verhalten einen Spiegel vor. Ohne mit der Wimper zu zucken, begrüßt er sie eines Morgens mit einem Freund an seiner Seite im elterlichen Bett.

Geredet wird über die Ereignisse kaum. Es wirkt so, als ob die Eltern sich zwischen toleranter Akzeptanz und misstrauischer Ignoranz nicht entscheiden können. Insbesondere das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn bekommt eine teils grenzüberschreitende Nähe, teils schmerzende Distanz. Die Gefühlswelt zwischen den ProtagonistInnen von "Wilder Unschuld" kann ohnehin nur unter dem Gesichtswinkel einer hohen Ambivalenz verstanden werden: Sie wirken wie hin- und hergerissen zwischen der eigenen Begierde und der gesellschaftlichen Konvention, zwischen der familiären Verbundenheit und dem schrankenlosen Nachgeben spontaner Wünsche.

Der Regisseur Tom Kalin beschreibt den verhängnisvollen Verlauf der Beziehungsdynamik aus einem leicht distanziert wirkenden Blickwinkel.
Als Tony an der Schwelle zum Erwachsensein steht, hält sich die Familie vorrangig in Spanien auf. Er lebt dort in einer eigenen Wohnung mit seinem Freund, bis er einer jungen Spanierin begegnet, die er den Eltern als seine erste Freundin vorstellt. Schnell zeigt sich, dass er eigentlich gar keine heterosexuelle Beziehung eingehen möchte. Seine Freundin wird zur Geliebten des Vaters. Brooke trennt sich von der Mutter, um mit der jungen Schönheit in einer spanischen Villa zusammenzuleben. Barbara, die sie sich immer als Stärkere in der Ehe gefühlt hat, ist zutiefst gekränkt. Sie beginnt zwar eine Beziehung zu einem jüngeren Mann, der ihr auch hilft, ihre Kunst zu vermarkten, aber ihr Selbstbewusstsein ist zerbrochen. Dies inszeniert sie im Alltag ständig in einem narzisstischen Verhalten gegenüber ihrer Umgebung. Tony steht nun wieder an ihrer Seite und versucht, ihren seelischen Zerfall zu verhindern bis er eines Tages nach einem erneuten exzessiven Ausbruch der Mutter die gegengesetzte Position einnimmt, und all seine aufgestauten Hassgefühle und Enttäuschungen entlädt.

Das Drehbuch wurde anhand eines Mordfalles entwickelt, der am 11. November 1972 tatsächlich stattgefunden hat. Barbara Baekeland wurde an diesem Tag von ihrem 27 Jahre alten Sohn Anthony mit einem Messer in ihrer gemeinsamen Wohnung in London erstochen.

AVIVA-Tipp: Der filmischen Umsetzung gelang es leider nicht, die Charaktere tiefer zu durchdringen und so ihre inneren Ambitionen und Irrationalitäten auf der Leinwand erspürbar zu machen. Die Ereignisse werden aufwendig in Szene gesetzt und sind sorgsam nachkonstruiert. Dennoch erhält der Plot weder einen Thriller-Effekt, der vom Publikum einfordern würde, zu den Charakteren Stellung zu beziehen und sich intensiver mit ihnen auseinander zusetzen, noch wird die Geschichte aus einem subjektiven, autobiographischen Blickwinkel erzählt. Zwar werden einige Szenen von Tony aus dem Off kommentiert, doch der Handlungsfaden wird ihm meist schnell wieder aus der Hand genommen, indem die nächste Szene plötzlich an einer ganz anderen Stelle ansetzt. So wird es nicht wirklich ermöglicht, in die Tiefen der Seelen zu blicken und ein Gespür dafür zu entwickeln, warum Barbara immer wieder ihre nächste Umgebung so tyrannisiert, dass es letztlich zu der Tat ihres Sohnes kommen muss. Dadurch gerät die Beziehungsdynamik teilweise in ein klischeehaftes Licht, das Vorurteile möglicherweise eher anspornt als abbaut.

Wilde Unschuld
Savage Grace
USA/Spanien 2007
Regie: Tom Kalin
Drehbuch: Howard A. Rodman
Nach dem Tatsachenbericht "Savage Grace" von Natalie Robins und Steven M.L. Aronson
DarstellerInnen: Julianne Moore, Stephen Dillane, Elena Anaya, Hugh Dancy, Abel Folk
Verleih: Concorde
Lauflänge: 95 Minuten
Kinostart: 08. Mai 2008


Kultur Beitrag vom 08.05.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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