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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2016 - Beitrag vom 14.06.2012

Bessere Zeiten. Die Verfilmung von Susanna Alakoskis ergreifendem Roman. DVD-Start 14. Juni 2012
Marie-Luise Wache

Die durch Ingmar Bergman bekannt gewordene Schauspielerin Pernilla August gibt mit diesem bewegenden und intensiven Drama ihr Debut als Regisseurin und Drehbuchautorin. Noomi Rapace, ...



... Hauptdarstellerin der Stieg-Larsson-Trilogie, ├╝bernimmt die Hauptrolle in einer Geschichte um Ausgrenzung, Armut, Gewalt und Alkoholismus.

Wenige Tage vor Weihnachten bekommt Leena (Noomi Rapace) einen Anruf, der die Strukturen ihres wohlgeordneten Lebens m├Ąchtig aufw├╝hlt. Ihre Mutter, zu der sie vor vielen Jahren den Kontakt abbrach, liegt im Sterben und w├╝nscht, ihre Tochter ein letztes Mal zu sehen. Ein innerer Konflikt, die Kindheit vergessen zu lassen oder sich zum letzten Mal damit auseinanderzusetzen, baut sich in der nach au├čen ausgeglichenen jungen Frau auf und wird schlie├člich von Leenas Ehemann (Ola Rapace) beantwortet. Dieser packt die Sachen seiner Frau und der beiden T├Âchter, setzt sie ins Auto und macht sich gemeinsam mit ihnen auf den Weg zu Leenas Mutter.

Eine Reise voller Zweifel, Schmerz und hilfloser Wutanf├Ąlle beginnt. Vergangenheitssequenzen aus Leenas Kindheit wechseln sich mit Gegenwartsaufnahmen ihres anscheinend wohlstrukturierten Familienlebens ab. Denn das, was sie sich als sch├╝tzendes und geordnetes Umfeld aufgebaut hat, bleibt lediglich eine Art Illusion, solange sie sich mit den Ereignissen ihrer Kindheit nicht auseinandersetzt. Es ist dieses Wissen, was sie die Reise zu ihrer Mutter durchhalten l├Ąsst und die n├Âtige Konfrontation herbeif├╝hrt.

R├╝ckblende:

Im Grundschulalter zieht Leena mit ihren Eltern und dem kleineren Bruder Sakari von Finnland in die s├╝dschwedische Kleinstadt Ystad. Sich durch den Umzug eine Besserung der Lebensumst├Ąnde versprechend, finden sie eine Wohnung in einem der Sozialwohnviertel au├čerhalb der Stadt. Die Hoffnungen auf eine gl├╝ckliche Zukunft scheinen wahr zu werden: Der Vater bekommt einen Job als Gastarbeiter in der benachbarten Fabrik, die Mutter genie├čt die Vorz├╝ge einer frischrenovierten und modern ausgestatteten Wohnung und die Kinder finden Freunde in Klasse und Nachbarschaft. Doch wie die Fassade der Sozial-Neubauten zu fr├╝h br├Âckelt, so schnell erscheinen erste Risse in dem wohlkonstruierten Familienalltag. Denn der Klassenunterschied zwischen finnischen Einwandererfamilien und der schwedischen Bev├Âlkerung sowie die dahin f├╝hrende fehlende Gleichbehandlung f├╝hrt zu einer Unzufriedenheit, die sowohl Vater als auch Mutter in Alkohol und Streitereien zu ertr├Ąnken versuchen. Sakari und Leena wachsen fortan in einem Kreis aus illusionierter Hoffnung, Gewalt, Hilflosigkeit und sinnlosen N├╝chternheitsversprechen auf, den sie auf verschiedene Art und Weise zu durchbrechen versuchen. Der schweigsame Sakari, indem er sich immer mehr in seine eigene Welt zur├╝ckzieht, bis er schlie├člich ganz verstummt und Leena, indem sie sich eine Normalit├Ąt bestehend aus Schule, Schwimmwettk├Ąmpfen und Treffen mit der besten Freundin aufbaut, bis sie alt genug ist, um von zu Hause fort zu gehen.

Dieses Normalit├Ątskonstrukt schlie├člich ist es, was einzubrechen droht, als sie der Mutter zum letzten Mal gegen├╝bersteht.

Pernilla August verwendet schockierend-realistische, wenig verherrlichende Bilder, die nur sparsam bis kaum musikalisch unterlegt werden, um der Situation einer Familie am Abgrund habhaft zu werden. Das Mitgef├╝hl, welches sie f├╝r die durch ├Ąu├čere Umst├Ąnde beeinflussten Schicksale aufbringt und bildlich sowie sprachlich umsetzt, gestaltet den Film zu einem ergreifenden und wirklichkeitsgetreuen Drama. Das eindr├╝ckliche Spiel der DarstellerInnen, insbesondere der jungen (Tehilla Blad) als auch das der erwachsenen Leena (Noomi Rapace) unterstreicht diesen Ansatz. Ganz besonders ist das facettenreiche Spiel des alkoholkranken Vaters durch Ville Virtanen, bekannt aus dem schwedischen Kultfilm Tillsammans. Dieser stellt den zwiesp├Ąltigen Charakter auf mitleiderregende, abschreckende und schockierende Weise dar.

Zur Regisseurin: Pernilla August ist vor allem als Schauspielerin bekannt und feiert mit "Bessere Zeiten" ihr Debut als Regisseurin und Drehbuchautorin. 1958 in Stockholm geboren, stand sie bereits mit acht Jahren das erste Mal auf einer Theaterb├╝hne. Ihr Filmdebut feierte sie 1975, noch w├Ąhrend ihrer Schulzeit, in Roy Anderssons Giliap und absolvierte nach ihrem Abschluss ein Studium an der Stockholmer Schauspielschule. 1982 besetzte sie Ingmar Bergmann erstmals in einem seiner Filme als Kinderm├Ądchen im Oscar-gekr├Ânten Fanny und Alexander. In den Jahren darauf arbeitete Pernilla August immer wieder mit Ingmar Bergmann zusammen (Die besten Absichten, Dabei: Ein Clown). Neben Filmen wir Enskilda samtal, Jerusalem und Glasblasarns Barn wurde die Schauspielerin vor allem international in der Rolle als Shmi Skywalker, der Mutter von Anakin Skywalker, bekannt.

Awards:
67. Internationale Filmfestspiele von Venedig ÔÇô Publikumspreis der "Settimana Internazionale della critica"
NDR Spielfilmpreis der 52. Nordischen Filmtage L├╝beck
Filmpreis des Nordischen Rates 2011

AVIVA-Tipp: Mit einer intensiv-emotionalen und schockierend-realen Bildsprache sowie einer DarstellerInnenauswahl ersten Ranges beeindruckt Pernilla August mit ihrem Regie- und Drehbuchdebut "Bessere Zeiten". Der gleichnamigen Buchvorlage Susanna Alakoskis, 2011 in der edition f├╝nf erschienen, hat sie dabei eine ganz eigene Note verliehen, die Symbolik und Aussage der Geschichte jedoch in keinster Weise tr├╝bt. Unbedingt sehenswert!


Bessere Zeiten:
nach dem gleichnamigen Roman von Susanna Alakoski
Finnland / Schweden 2010
Buch und Regie: Pernilla August, Lolita Ray
DarstellerInnen: Noomi Rapace, Ola Rapace, Outi M├Ąenp├Ąa, Ville Virtanen, Tehilla Blad
Produktion: Hepp Film, Drakfilm
Ver├Âffentlicht wird BESSERE ZEITEN von NFP marketing & distribution*, den Vertrieb ├╝bernimmt EuroVideo.
Laufl├Ąnge: 95 Minuten
FSK: Hauptfilm 16 (├ťbernahme beantragt)
Sprachen: Deutsch, Schwedisch (mit deutschen Untertiteln)
EAN (Verkauf): 4009750204870 / Bestell-Nr.: 204873
Kinostart: 14. Juni 2012

www.besserezeiten-derfilm.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Susanna Alakoski , der Autorin des Romans "Bessere Zeiten"

Verblendung - Der Film

Verdammnis - Stieg Larssons Millenium Trilogie mit Noomi Rapace geht weiter

Vergebung - das Finale der Millennium-Trilogie





Kultur Beitrag vom 14.06.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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