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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 25.06.2008

So ist Paris
Tatjana Zilg

Die wunderbare Juliette Binoche spielt in dem Episodenfilm die Schwester eines jungen Variete-Tänzers, der erfährt, dass er wegen eines Herzleidens mit hoher Wahrscheinlichkeit bald ...



... sterben muss. Die Ärzte geben ihm drei Monate bis zu seinem Tod, wenn zuvor kein Spenderherz gefunden und eine Transplantation vorgenommen wird.

Die Tragik dieses Themas steht aber nicht im Mittelpunkt des Filmes, sondern die Alltags-Geschichte über die Nähe des Todes verwebt der Regisseur Cédric Klapisch mit den Schicksalen einiger anderer PariserInnen, deren Charaktere zu Beginn fast zeitgleich eingeführt werden. Die Erlebnisse der ProtagonistInnen, die sich zum Teil nur selten begegnen, werden in einen metaperspektivischen Zusammenhang gestellt, der einlädt, über das Leben in einer Metropole wie Paris zu philosophieren.

Der Regisseur lenkt den Blick dabei auch auf diejenigen, die eher abseits der Sonnenseite der Stadt stehen. Bei ihrer Arbeit im Sozialamt betreut Elise (Juliette Binoche) unter anderem AsylbewerberInnen und Obdachlose. Ihr Bruder Pierre (Romain Duris) teilt ihr völlig unerwartet mit, dass bei ihm ein schwerer Herzfehler festgestellt wurde. Am Tag darauf wird ihr bewusst, wie ausgebrannt sie von ihrer Arbeit ist. Sie möchte nun möglichst viel Zeit mit ihrem kranken Bruder verbringen. Aber sie ist auch allein erziehende Mutter von drei Kindern, weshalb sie ein hohes Maß an Organisation benötigt, um den Alltag zu bewältigen. Ihr Bruder versucht, sie etwas dahingehend anzuschubsen, dass sie wieder mehr Freude an ihrem eigenen Leben gewinnt. Er selbst blickt mit einer Mischung aus Wehmut und Glücksgefühlen auf sein bisheriges Leben zurück. Die Ängste vor dem möglichen Tod sind groß, aber er findet Wege, mit ihnen umzugehen.

Der Historiker und Universitätsprofessor Roland (Fabrice Luchini) dagegen kämpft mit einer Midlife-Crisis. Ihm wird von einem Fernsehsender das Angebot unterbreitet, eine populärwissenschaftliche Sendung über Paris zu moderieren. Zu seiner eigenen Überraschung nimmt er das Angebot an, da er die Chance wittert, aus dem akademischen Elfenbeinturm auszubrechen. Zudem lockt ein sehr hohes Honorar. Wenig später bekommt er heftige Gewissenskonflikte. Im selben Zeitraum stürzt er sich in eine sehnsüchtige Liebe zu einer jungen Studentin (Melanie Laurent), die ihn nach etlichen Verehrungs-SMSen erhört hat und ihm eine kurze Affäre gönnt.

In weiteren Episoden schildert der Film die erste Zeit im Arbeitsverhältnis einer jungen Marokkanerin bei einer dominanten französischen Bäckerin und die Begegnung eines Mannequins mit einem Schwimmlehrer in Kamerun, der eine illegale Emigration nach Frankreich plant.

Beeindruckend ist, wie der Film in seiner zweiten Hälfte längere Musik- und Tanzszenen integriert, wobei das Visuelle und die Musik in den Vordergrund treten und den Erzählstrom brechen. Der Film erhält so trotz der tragischen Wendepunkte eine magische Leichtigkeit. Die Themen wirken auf nonverbale Art weiter und sprechen unbewusste Ebenen an. Besonders einprägsam sind die Szenen von Pierre´s großer Party, zu der er seine FreundInnen und KollegInnen aus dem Varieté-Tanz-Ensemble einlädt. Es geht ihm körperlich bereits ziemlich schlecht, aber mit einer überwältigenden Kraft zeigt er, wie großartig er als Tänzer war.

AVIVA-Tipp: Zu dem Erzählstil des Films gehört es, dass am Ende viele Fragen offen bleiben. Die ZuschauerInnen nehmen an einer kurzen Zeit im Leben der ProtagonistInnen teil, erfahren manches sehr ausführlich, anderes wird nur angeschnitten. Dadurch erhalten auch die kleinen Dinge viel Aufmerksamkeit, die bei solch tragischen Geschichten sonst vielleicht übersehen würden. Möglicherweise kann so "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (Milan Kundera) etwas erträglicher werden.

Der Film im Netz: www.so-ist-paris.de

So ist Paris
Originaltitel: Paris
Frankreich 2008
Regie: Cédric Klapisch
DarstellerInnen: Juliette Binoche, Romain Duris, Fabrice Luchini, Albert Dupontel, François Cluzet, Karin Viard, Gilles Lellouche, Mélanie Laurent, Zinedine Soualem, Julie Ferrier
Verleih: Prokino
Lauflänge: 129 Minuten
Kinostart: 17.07.2008

Kultur Beitrag vom 25.06.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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