Ich will Dich. Begegnungen mit Hilde Domin - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Juden, Christen und Muslime. Im Dialog der Wissenschaften 500-1500 ANNE CLARK ÔÇô I┬┤LL STEP OUT INTO TOMORROW
Aviva-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Februar 2018 - Beitrag vom 08.11.2007

Ich will Dich. Begegnungen mit Hilde Domin
Annegret Oehme

Die Filmemacherin Anna Ditges besuchte die gro├če deutsche Lyrikerin ├╝ber zwei Jahre hinweg und zeichnete die Begegnungen mit der Kamera auf. Das zwiesp├Ąltige Ergebnis ist jetzt zu begutachten.



"Ein jeder geht eingeh├╝llt in den Traum von sich selber."

Worte einer der beeindruckendsten Literatinnen des 20. Jahrhunderts.
Hilde Domin geh├Ârte allerdings nicht wie Mascha Kal├ęko und Else Lasker-Sch├╝ler zu den j├╝dischen Vor-Shoah-Dichterinnen, sondern begann erst sp├Ąt im Exil, mit 42 Jahren, ihre Gedanken und Gef├╝hle in Gedichte zu h├╝llen.

Hilde Domin wurde als Hildegard L├Âwenstein 1909 in K├Âln als einzige Tochter einer S├Ąngerin und eines Rechtsanwaltes geboren, wo sie eine sehr liberale und gl├╝ckliche Kindheit in der assimilierten j├╝dischen Familie erlebte. Nach dem Abitur studierte sie in Heidelberg, K├Âln und Bonn Jura, Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Soziologie. W├Ąhrend dieser Zeit lernte sie Erwin Walter Palm kennen, der ebenfalls j├╝discher Herkunft war, sich aber zum Katholizismus bekannte. Eine Rede Hitlers und die darauf folgenden fanatischen Reaktionen der Zuh├ÂrerInnen veranlassten die beiden, 1932 Deutschland zu verlassen. Zuflucht suchten sie zun├Ąchst im von Mussolini regierten Italien, wo Hilde promovierte. Um den Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete sie jedoch als Fremdsprachenlehrerin. Da auch in Italien der Rassenwahn immer popul├Ąrer wurde, floh Hilde mit Erwin, den sie in Rom geheiratet hatte, ├╝ber England in die Dominikanische Republik. Von da an nannte sich Hilde mit dem Namen ihres Zufluchtsortes "Domin". Im Jahr 1954 kehrt das Ehepaar nach Deutschland zur├╝ck. Berufsbedingt wurden sie 1961 in Heidelberg sesshaft, wo Erwin 1988 und Hilde Domin am 22. Februar 2006 starben. Bis zuletzt war sie noch als freie Schriftstellerin aktiv, hielt Lesungen und dozierte.

Nur durch Zufall stie├č die junge Filmemacherin Anna Ditges auf Hilde Domins ersten Gedichtband "Nur eine Rose als St├╝tze". Beeindruckt durch die Tiefe dieser Lyrik und die Magie ihrer Worte, nahm sie Kontakt zur Dichterin auf, die sich gegen├╝ber Presse und JournalistInnen oft unzug├Ąnglich und unkooperativ zeigte. Diesmal aber war es anders. Die 95j├Ąhrige Hilde Domin fasste schnell Vertrauen und zwischen den beiden entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. In deren Zuge erlaubte die Lyrikerin der jungen Filmemacherin, eine Dokumentation ├╝ber sie zu drehen. Etwa zwei Jahre ÔÇô bis zum Tod Hilde Domins ÔÇô besuchte Anna Ditges sie regelm├Ą├čig in Heidelberg. Die Kamera war dabei allgegenw├Ąrtig.
Sei es nun der Friedhof, ein Spaziergang mit einer Freundin oder das Teetrinken im Bademantel am Kaffeetisch ÔÇô alles wurde gefilmt. Ohne R├╝cksicht. Ohne Distanz. Dabei beklagte sich Hilde Domin immer wieder ├╝ber die Omipr├Ąsenz des schwarzen Apparates. Als sie sich wiedereinmal dar├╝ber beschwerte, dass Anna sie aus der N├Ąhe filmte, ging diese zwar ein St├╝ck zur├╝ck, zoomte die alte Frau aber heimlich doch wieder heran. Nat├╝rlich hatte Hilde Domin ihre Erlaubnis zu einem Film erteilt, aber ob sie ein Portrait auf diese Art und Weise gewollt h├Ątte? Wir k├Ânnen sie nicht mehr fragen. Und das ist vielleicht auch besser so, denn ob die sehr auf ├äu├čerlichkeiten bedachte Grande Dame der Deutschen Lyrik sich gew├╝nscht h├Ątte, dass Tausende sie im Bademantel mit herunterh├Ąngenden Haaren, beim Schlafen mit St├╝tzstr├╝mpfen oder beim Friseurbesuch sehen, bleibt fraglich.

AVIVA-Fazit: Anna Ditges gibt sich zwar M├╝he, kein glorifizierendes Portrait Hilde Domins zu entwerfen und l├Ąsst auch kritische Fragen stehen, wird der gro├čen K├╝nstlerin aber keinesfalls gerecht. Ein kleines bisschen mehr Idealisieren w├Ąre sch├Ân gewesen. Am Ende f├╝hlen sich die ZuschauerInnen wie aufdringliche VoyeurInnen, die die Grenzen der Privatsph├Ąre deutlich ├╝berschreiten. Manchmal m├Âchte man die Augen schlie├čen und sich bei Hilde Domin entschuldigen.

Ich will Dich. Begegnungen mit Hilde Domin wurde bei den 29. Biberacher Filmfestspielen als Bester Dokumentarfilm mit dem Dokubiber ausgezeichnet.


Ich will Dich. Begegnungen mit Hilde Domin
Deutschland 2007
Regisseurin: Anna Ditges
95 Minuten
Bundesstart: 08.11.2007
FSK: beantragt
www.ichwilldich-derfilm.de

Weitere Informationen zu Hilde Domin finden Sie unter:
www.shoa.de/content/view/72/202
www.judentum-projekt.de/persoenlichkeiten/liter/domin

Kultur Beitrag vom 08.11.2007 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2018  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken