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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 20.12.2007

Konspirantinnen. Polnische Frauen im Widerstand
Annegret Oehme

Drehbuchautor Paul Meyer widmet seine Dokumentation den vergessenen Frauen von Oberlangen, die von 1939-1945 gegen die Deutschen Besatzer gekämpft haben.



"Wer soll denn, wenn er eine Frau sieht, denken, dass sie eine Bombe bei sich tragen könnte?"

12. April 1945: polnische Männer befreien eine Gruppe von Frauen aus dem Lager Oberlangen. Diese hatten im Warschauer Aufstand mitgekämpft und stellten, nach dem Scheitern, die Deutsche Armee vor ein großes Problem: Was macht man mit 1.726 weiblichen Kriegsgefangenen? Nirgendwo sonst gab es kämpfende Frauen in dieser Menge. In den ersten Monaten wurden sie gemeinsam mit Männern inhaftiert, später in einem eigens für sie eingerichteten Lager im Emsland untergebracht. Dort hatten die Polinnen ihre eigenen Lagerkommandantinnen, die Offizieren gleich gestellt waren.

1939. Die Deutsche Armee überfällt Polen und wird zur neuen Besatzungsmacht. Bald organisieren sich zahlreiche Polen und Polinnen zur "Armia Krajowa", der Untergrundarmee des besetzten Landes mit Regierungssitz im Londoner Exil. Bis zum Jahr 1944 schließen sich ihr mehr als 350.000 Menschen an. Die Frauen Polens sind genauso aktiv wie ihre männlichen Mitstreiter. Polinnen aller Altersklassen, von der Köchin bis zur Universitätsprofessorin, riskieren gleichsam ihr Leben, werden konspirativ aktiv und lernen den Umgang mit Waffen. Gleichzeitig organisieren sie den Unterricht, denn schließlich wollen sie für die Zeit nach der Besatzung Schul- und Universitätsabschlüsse vorweisen. Nicht nur das Bildungswesen erhält ein Pendant im Untergrund, auch das kulturelle Leben und der gesamte Staatsapparat wurden nachgebildet.

Trotz aller Gefahr und Angst, war es auch spannend, im Untergrund aktiv zu sein. So bekennt eine der Frauen "Für 12 jährige war es herrlich, Teil einer Konspiration zu sein".
Die schlimmste Zeit stand ihnen allerdings noch bevor: 1944 – das Jahr des Aufstandes in Warschau. Frauen und Männer, Erwachsene und Kinder waren Teil einer großen Gemeinschaft, die noch einmal gegen die Besatzer kämpfte. Fast glaubte man den deutschen Feind schon besiegt: seine Armee verlor an Kraft, die russische Armee rückte näher... Plötzlich und unerwartet blieb diese jedoch stehen, die Deutschen erholten sich allmählich und gelangten zu neuer Stärke. Im späten August wurde die Altstadt von der deutschen Armee eingeschlossen.
Einigen gelang es über die Abwasserkanäle zu fliehen. Einen Monat später war der gesamte Aufstand niedergeschlagen.

Eine kleine Gruppe musste nun ein Lager für 1.726 verhaftete Frauen vorbereiten. Zum Teil überkam sie nachts Erleichterung – keine Bomben oder Flieger brachen mehr über sie herein und nach langer Zeit konnten sie wieder etwas schlafen. Erst im Lager brachen die Frauen zusammen, die bis dahin stark sein mussten. .

Nach Kriegsende kam rasch die Frustration und nicht wenige Polinnen vertreten die Ansicht, man habe ihren Staat, der auf der Seite der Alliierten kämpfte, einfach vergessen und Stalin geschenkt.
Die Zeit im Lager "Oberlangen" schweißte die Frauen zusammen. Noch heute stehen sie in Kontakt, besuchen sich und benutzen ihre Decknamen aus der Zeit der Okkupation.

AVIVA-Tipp: "Konspirantinnen" ist eine erschütternde Dokumentation, die die Geschichte Polens zur Zeit der deutschen Besatzung aus einer ungewohnten Perspektive erzählt. Bis auf wenige Erklärungen zu historischen Fakten lässt der Drehbuchautor Paul Meyer die Frauen aus Oberlangen selbst zu Wort kommen und ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen. Das oft vernachlässigte Thema der Frauen im polnischen Untergrund in die Öffentlichkeit zu bringen, ist eine verdienstvolle Leistung und war längst überfällig.


Konspirantinnen – Polnische Frauen im Widerstand 1939-1945
Deutschland 2006
Regie und Buch: Paul Meyer
Arte Edition
Länge: ca. 90 Minuten
EAN-Nummer: 978-3-89848-843-3
Veröffentlichung: 30. November 2007



Kultur Beitrag vom 20.12.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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