Die Welle - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End 120 BPM Juden, Christen und Muslime. Im Dialog der Wissenschaften 500-1500
Aviva-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.03.2008

Die Welle
Stefanie Denkert

Die Verfilmung des gleichnamigen Jugendbuchklassikers wurde auf die heutige Zeit übertragen und erschreckt mit seiner realistischen Darstellung des Faschismus-Experiments, das außer Kontrolle gerät.



Rainer Wenger (Jürgen Vogel), Ex-Hausbesetzer und mittlerweile anti-autoritärer Gymnasiallehrer, freut sich auf die Projektwoche zum Thema "Staatsformen", weil er sein gelebtes Wissen im Kurs über "Anarchie" weitergeben kann. Im letzten Moment wird ihm jedoch der "Autokratie"-Kurs zugeteilt - und als wäre das nicht ärgerlich genug, ist auch noch seine Wasserballschulmannschaft auf Verliererkurs. Am ersten Tag der Projektwoche stellt sich heraus, dass die SchülerInnen vom zweiten Weltkrieg gelangweilt sind und ein Wiederaufleben des Faschismus für lächerlich halten.

"Ihr seid also der Meinung, dass ´ne Diktatur heute in Deutschland nicht mehr möglich wäre?" fragt Rainer seinen Kurs. "Auf keinen Fall", dafür sei man zu aufgeklärt, sind sich die SchülerInnen einig. Daraufhin wagt Rainer ein Experiment: er gründet eine Gemeinschaft, lässt sich zu deren Leitfigur ernennen und will von der Klasse ab sofort Herr Wenger genannt werden. Mit fadenscheinigen Argumenten versucht der Ex-Punk nun die Disziplin seiner SchülerInnen zu trainieren, so müssen diese aufstehen, wenn sie etwas sagen wollen, weil es besser für den Kreislauf ist. Um den Teamgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Gefolgschaft zu fördern, soll sich der Kurs in weißen T-Shirts uniformieren, eine Internetseite wird eingerichtet und das Projekt bekommt den passenden Namen "Die Welle". Diese entwickelt bereits innerhalb der ersten zwei Projekttage eine Eigendynamik, reißt SchülerInnen aus anderen Kursen mit und weitet sich auf die Theatergruppe und Rainers Wasserballteam aus. Ob AußenseiterIn, Pausenclown, oder Sportfreak, alle möchten dabei sein, fühlen sich gewollt und gebraucht in der Gemeinschaft.

Alle außer Karo und Mona, die die Gefahr der Welle erkennen und nun mit Flugblättern bewaffnet, den Kampf antreten. Auch Rainers Frau Anke (Christiane Paul), ist mehr als besorgt, doch kann ihn zunächst nicht zur Vernunft bringen. Denn selbst Anarcho-Rainer hat die Distanz zu und die Kontrolle über sein Werk verloren. Beim großen Wasserballturnier am Ende der Schulwoche eskaliert die Situation zwischen Welle-AnhängerInnen und Andersdenkenden. Doch erst als Marco seiner Freundin Karo gegenüber gewalttätig wird, weil sie sich gegen "Die Welle" positioniert, erkennt Rainer, dass er das Projekt stoppen muss. Aber wie?

Ist das nicht etwas übertrieben? Innerhalb einer Schulwoche soll eine faschistoide Welle eine ganze Schule überschwemmen können? SkeptikerInnen sollten sich ins Gedächtnis rufen, dass im April 1967 der Geschichtslehrer Ron Jones in Kalifornien mit seinen SchülerInnen tatsächlich ein Experiment durchführte, um ihnen zu demonstrieren wie faschistische Bewegungen funktionieren. Bereits am vierten Tag musste Jones die von ihm initiierte Bewegung "Die dritte Welle" abbrechen, weil sie ihm entglitt. 14 Jahre später veröffentlichte Morton Rhue "Die Welle", das auf dem kaum dokumentierten Highschool-Experiment basierte. Nach einer ABC-Verfilmung (1984) folgten mehrere Theateradaptionen des mittlerweile zum Kultbuch avancierten Kurzromans. 2006 schockierte eine Highschool in Florida mit einem ähnlichen Experiment zur Erinnerung an die Schrecken des Holocaust.

AVIVA-Tipp: Großes Lob an Jürgen Vogel und an die talentierten JungschauspielerInnen, die das Experiment überzeugend, weil erschreckend realistisch darstellen. Die Probleme und Konflikte der Jugendlichen sind gut nachvollziehbar - nicht auschließlich, aber besonders junge Menschen sind empfänglich für Gruppenzwang, weswegen es wichtig ist, dass sie die Mechanismen durchschauen. Spätestens beim gemeinsamen Welle-Gruß bekommen die ZuschauerInnen eine Gänsehaut: Nazi-Deutschland reloaded. Der Film "Die Welle" sollte, nicht zuletzt weil er im Gegensatz zum Buch in der Jetztzeit spielt, ab sofort auf dem Lehrplan stehen!

Die Welle
Deutschland, 2008
Film-Länge: 100 Min.
Regie: Dennis Gansel
Drehbuch: Dennis Gansel, Peter Thorwarth
Produzent: Christian Becker
Verleih: Constantin Film
DarstellerInnen: Jürgen Vogel, Christiane Paul, Maren Kroymann, Jennifer Ulrich, Frederick Lau, Max Riemelt, Elyas M’Barek, Cristina Do Rego, Jacob Matschenz, Maximilian Mauff, Ferdinand Schmidt-Modrow
Filmstart: 13. März 2008
Die Welle - der Film: www.welle.film.de

Kultur Beitrag vom 14.03.2008 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken