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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 20.06.2008

Nachmittag und Mein langsames Leben von Angela Schanelec
Andrea Petzenhammer

Die Filmgalerie 451 gibt im Juni 2008 zwei Werke von Angela Schanelec auf DVD heraus. Beide Filme zeigen eine ungewöhnliche Perspektive auf die meist unsichtbaren Hintergründe von Alltagsituationen



Der auf der Berlinale 2007 vorgestellte Film "Nachmittag" polarisierte die ZuschauerInnen – jetzt erscheint der vielgelobte und vielkritisierte Film von Angela Schanelec auf DVD. Die Nacherzählung des Tschechow-Klassikers "Die Möwe" wird zeitgleich mit ihrem 2001 präsentierten Film "Mein langsames Leben" zum 23. Juni 2008 veröffentlicht. In beiden Werken stellt die Regisseurin Menschen vor, die im öffentlichen Leben glücklich und normal wirken. Angela Schanelec wagt einen Blick hinter deren Fassaden.

Mein langsames Leben

Die introvertierte Valerie passt nicht in das Leben, das ihre Umgebung führt. Sie kann mit Reisen und Unterhaltung nichts anfangen, auch Beziehung oder Familienplanung liegen ihr fern. Während bei ihrer besten Freundin, ihrer Vermieterin und ihrem Bruder das Leben vorwärts eilt, kann sie sich nicht entscheiden, was sie mit ihrem anfangen soll.
Der einzige, der Valeries distanzierte Art zu leben versteht, ist der Bruder ihrer Vermieterin, Thomas. Bald entwickelt sich zwischen den beiden AußenseiterInnen eine quälend langsame und unterkühlte Beziehung.
Nach und nach bröckelt auch die heile Welt der anderen , die Wahrnehmungen der "Glücklichen" und "Emotionslosen" beginnen, sich einander anzugleichen. Mit wenigen Schnitten und langsamer Kameraführung erzählt Angela Schanelec von einer Gesellschaft, in der sich die PessimistInnen als RealistInnen entpuppen, die Umstände realer wahrnehmen und lernen, damit umzugehen.

Nachmittag an drei Nachmittagen

In Anlehnung an das Theaterstück "Die Möwe" von Anton Tschechow inszeniert Angela Schanelec eine hoffnungslose Welt zwischenmenschlicher Beziehungen. Die Schauspielerin Irene (gespielt von Angela Schanelec) besucht ihren Sohn Konstantin in deren Berliner Haus am See, in dem Konstantin und Irenes schwerkranker Bruder Alex leben. Die bedrückende Stille und Ereignislosigkeit wird nur zeitweise von Konstantins Freundin Agnes durchbrochen, die versucht, Konstantin aus seiner depressiven Isolation zu lösen. Mit der Ankunft von Max, einem erfolgreichen Schriftsteller und dem Geliebten von Irene, wird die Stimmung noch frostiger, denn er hat erreicht, was Konstantin anstrebt. In literarischen Dialogen begegnen sich ängstliche, vereinsamte Menschen, die auf der Suche nach einem zu Hause sind. "Ich glaube, in unserer Gesellschaft entsteht der Mensch erst durch sein Gegenüber. Er entsteht im Spiegel des Anderen, und je nach dem, wer dieser Andere ist, wird er schön oder häßlich. Wir sind angewiesen auf diesen Anderen, wir hängen ab von seinem Blick, von seiner Hand." sagte Angela Schanelec über ihren Film "Nachmittag".

Zur Regisseurin Angela Schanelec: wurde 1962 in Aalen (Baden-Württemberg) geboren und studierte von 1982 bis 1984 Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Von 1984 bis 1991 hatte sie Engagements am Schauspielhaus Köln, am Thalia-Theater Hamburg, an der Schaubühne Berlin und am Schauspielhaus Bochum. Ihr zweites Studium an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin schloss sie 1995 ab.
Weitere Filme von Angela Schanelec: "Ich bin den Sommer über in Berlin geblieben" (1993), "Das Glück meiner Schwester" (1995), "Plätze in den Städten" (1998) und "Marseille" (2004). Der Film "Nachmittag" wurde von der von Angela Schanelec gegründeten Produktionsfirma "Nachmittagsfilm" heraus gegeben.

AVIVA-Fazit: In den Filmen der gelernten Theaterschauspielerin Angela Schanelec setzt die eigentliche Handlung erst zur Mitte des Films ein. Zuvor konzentriert sie sich auf Alltagsituationen, in denen die Charaktere emotional, aber nicht biographisch vorgestellt werden. Als Mitbegründerin der als Kunstfilmgattung diskutierten "Neuen Berliner Schule" verzichtet sie auf jegliche extrovertierten Handlungen ihrer SchauspielerInnen, arbeitet mit wenig oder keinem Dialog und ausschließlich mit Originaltönen. Die Kamera bewegt sich langsamer als die SchauspielerInnen und bei Dialogen ist oft nur eine Person im Bild. Die Regisseurin kreiert so die gewünschte emotionslose, distanzierte Perspektive, aus der ihre Charaktere die Welt um sich wahrnehmen. Deren Verwirrung und Schmerz wird so direkt an den ZuschauerInnen weitergeben.

Mein langsames Leben
DarstellerInnen: Ursina Lard, Andreas Patton, Anne Tismer, Wolfgang Michael, Sophie Aigner, Clara Enge, Nina Weniger,_Devid Striesow, Angela Schanelec, Rüdiger Vogler.
Buch/Regie: Angela Schanelec
Festivals: Internat. Forum des jungen Films, Berlinale 2001, Viennale 2001, 42. International Thessaloniki Film Festival, Pusan International Film Festival
Verleih: Filmgalerie 451, Länge: 80 min.
Inkl. Interview Dokumentation "Der Ton, das Wort, das Bild - Das Kino der Angela Schanelec" von Geremia Carrara (2008, 74 min.), ein Booklet mit Interview und Kritiken sowie der Trailer
Sprache: Deutsch. Untertitel: Deutsch, Englisch
ISBN: 978-3-937045-89-4
Freigegeben ab 6 Jahren
Veröffentlichung: 23. Juni 2008
Preis: 19,90 Euro

Nachmittag
DarstellerInnen: Jirka Zett, Miriam Horwitz, Angela Schanelec, Fritz Schediwy, Marc Waschke, Agnes Schanelec, Katharina Linder, Tobias Lenel, Katharina Krawczyk
Buch/Regie: Angela Schanelec
Internationales Forum des jungen Films, Berlinale 2007
Auszeichnung: Albacinema Award for Best Director 2007
Verleih: Filmgalerie 451, Länge: 95 min.
Inkl. Interview Dokumentation "Der Ton, das Wort, das Bild - Das Kino der Angela Schanelec" von Geremia Carrara (2008, 74 min.), Presseschau zum Kinostart und Trailer
Sprachen: Deutsch. Untertitel: Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch
ISBN: 978-3-937045-83-2
Freigegeben ab 6 Jahren
Veröffentlichung: 23. Juni 2008
Preis: 19,90 Euro

Kultur Beitrag vom 20.06.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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