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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 19.04.2012

Abgebrannt - ein Film von Verena S. Freytag. Ab 20.04.2012 auf DVD
Leonie Schwarzer

Eine graue, trostlose Plattenbauwohnung mitten in Berlin-Wedding: Hier lebt Pelin mit ihren drei Kindern, die alle von Vätern unterschiedlicher Nationen stammen. Das bewegende Sozialdrama...



... berührt auch ohne viel Pathos und Sentimentalität.

Ihre Tochter Roxanne ist 19 Monate alt, Elvis ist vier und Robby neun Jahre alt. Mit dem Traum, als Tätowiererin Geld zu verdienen, kämpft sich die junge Frau durch ihr Leben. Doch allmählich wachsen ihr die Probleme über den Kopf: Die Handyrechung und der Fernseher sind nicht bezahlt, Sohn Robby prügelt sich in der Schule und Pelin (Maryam Zaree) verliert ihren Job.

Als dann auch noch Elvis die bunten Pillen von Pelins Freund Edin (Lukas Steltner) schluckt und mit Blaulicht ins Krankenhaus eingeliefert wird, steckt die junge Deutsch-Türkin im völligen Chaos. Das Jugendamt schaltet sich ein und droht, die Kinder in Pflegefamilien zu stecken. Der einzige Ausweg: Eine Mutter-Kind-Kur an der Nordsee.

Dort angekommen, soll Pelin mit Lichterketten-Basteln, Aerobic und Traumreisen wieder zu sich selbst finden. Doch so einfach kann die junge Frau ihre Freiheit nicht aufgeben und schleicht sich abends lieber aus der Klinik, um Tätowieraufträge an Land zu ziehen. Die angepasste und unsichere Nachbarin Christa (Tilla Kratochwil), stilmäßig mit ihren bunt-gemusterten Jogginganzügen stets völlig daneben, kümmert sich derweil aufopferungsvoll um ihre Kinder. Zwischen den beiden Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, entsteht langsam eine Freundschaft. Als sich Pelin dann auch noch ausgerechnet mit dem Sohn des Klinikdirektors trifft und Edin plötzlich auftaucht, sind die Probleme vorprogrammiert...

Das sensible Drama der Filmemacherin Verena S. Freytag gewann unter anderem den "New berlin film award" des Achtung Berlin Filmfestivals 2011. Völlig zu Recht: Ehrlich und ohne Kitsch erzählt der Film eine zarte Geschichte von Freundschaft, Armut und der verzweifelten Suche nach Liebe.

Gleichzeitig präsentiert uns die Regisseurin aber auch eine packende Milieustudie, die einen Einblick in die Realität zwischen Arbeitsamt, Geldsorgen und Kindererziehung gewährt. Der Sozialstaat wird aus Sicht der Hartz 4-Empfängerin gezeigt und es wird deutlich, wie statisch die Hilfeleistungen oftmals sind. Die "Mutter-Kind-Kur am Meer" klingt im ersten Moment sehr positiv und hilfreich. Doch dahinter verbirgt sich nicht unbedingt die Hilfe, die benötigt wird. Die Filmkulisse, austauschbare Einheitsbauten mit tristem Mobiliar, und die unpassenden Therapieangebote der Klinik unterstreichen die Message des Films.

Ohne Partei zu ergreifen, wird in "Ausgebrannt" das gesellschaftliche Scheitern einer jungen Frau dokumentiert. Verena S. Freytag verzichtet auf sentimentale Einblicke in Pelins Innenleben und emotionale Verschärfungen. So ambivalent wie die Realität nun einmal ist, zeigt sich auch die Handlung des Films: Auf der einen Seite steht Pelin, die sich auf die Klinikangebote nicht einlässt und auf der anderen Seite sind die SozialarbeiterInnen, die keinen wirklichen Zugang zu ihr finden können. Die Schuldfrage bleibt offen und kann auch gar nicht beantwortet werden. Ein sehr empfehlenswerter Film, der einen Moment gesellschaftlicher Realität einfängt und auch nach seinem Abspann noch lange im Kopf bleibt.

Die Hauptdarstellerin Maryam Zaree überzeugt durch ein intensives, inniges Spiel und verkörpert authentisch die junge Deutsch-Türkin Pelin. Für ihre Hauptrolle in "Shahada" wurde sie auf dem "Film Festival Monterrey (Mexico)" als "beste Hauptdarstellerin" ausgezeichnet. Auch in diesem Film verkörperte die 28-Jährige Schauspielerin eine junge Frau, die vor einem Haufen von Problemen steht: Schülerin Maryam, die Tochter eines weltoffenen Imam, wird ungewollt schwanger. Sie treibt das Kind illegal ab und wendet sich in ihrer Verzweiflung einem radikalen Glaubensverständnis zu.

AVIVA-Tipp: Mit Burnout-PatientInnen werden in der Gesellschaft meist vielverdienende ManagerInnen assoziiert, die einen 24-Stunden Job ausüben. Die junge Deutsch-Türkin bedient als alleinerziehende, arbeitslose Tätowiererin eher gegensätzliche Vorurteile, die durch zahlreiche Privatsender tagtäglich gespeist werden. Doch Pelin ist innerlich zerrissen durch ihr Leben zwischen Arbeitssuche, einem verantwortungslosen Freund und der bedingungslosen Liebe zu ihren Kindern. Sie ist völlig "abgebrannt" und braucht dringend Unterstützung, die ihr aber niemand geben kann. Verena S. Freytag gelingt es auf sensible Art und Weise, das Bild einer am Rande der Gesellschaft stehenden Frau zu zeichnen und Rollenbilder zu hinterfragen.
Zur Regisseurin: Verena S. Freytag wurde 1973 in Stuttgart geboren. Nach ihrer Klavierausbildung an der Musikhochschule Stuttgart ging sie für ein Regie-Studium an die DFFB in Berlin. Seit 1994 hat sie zahlreiche Kurz- und Langspielfilme gedreht, die auf nationalen und internationalen Festivals prämiert wurden. Als Assistentin hat sie unter anderem mit Horst Markgraf, Rudolf Thome, Michael Klier oder Philip Gröning gearbeitet. Verena S. Freytag lebt in Berlin und ist als Drehbuchautorin und Regisseurin für Kino und TV tätig. (Quelle: missingfilms.de)

Abgebrannt
Deutschland 2010
Regie und Drehbuch: Verena S. Freytag
DarstellerInnen: Maryam Zaree, Tilla Kratochwil, Lukas Steltner, Cecil von Renner, Leon Samuel Kilian, Keywan Fischer, Marie-Louise Heinzel, Alina Woblewski u.a.
Verleih: missingFilms/ PRO-FUN MEDIA GmbH
Lauflänge: 103 Minuten
KAUF-DVD: Best.-Nr.: MF7004D / EAN: 4031846070045
LEIH-DVD: Best.-Nr.: MF7104D / EAN: 4031846071042
Ab 20.04.2012 auf DVD
missingfilms.de/abgebrannt
www.pro-fun.de
FSK: 12 Jahre


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Verena S. Freytag

Maryam Zaree im Interview

Shahada - Glaubensbekenntnis und -konflikte


Kultur Beitrag vom 19.04.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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