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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.10.2011

Mit den Eltern auf dem Campus. Die Oktober-Kolumne von Isabell Serauky
Isabell Serauky

Das Semester beginnt dieser Tage. Alles wirkt wie eh und je. Und doch ist alles ganz anders. Was war ich damals froh, als Studentin endlich den süßen Hauch der Freiheit zu spüren. Kein Zwang, ...



... keine Kontrolle, alles und nichts war möglich. Erfolg und Misserfolg hing einzig und allein an mir. Schon, dass ich aus dem prüfenden Blickwinkel meiner Eltern gehuscht war, fühlte sich unendlich erwachsen an. Diese Empfindung scheint mir, mit Blick auf den heutigen StudentInnenalltag, Lichtjahre entfernt zu sein. Heute studieren die Kinder und die Eltern sind immer mit von der Partie. Es scheint geradezu eine symbiotische Verbindung zu geben.

Was ist bloß passiert?

Unterdessen haben Eltern mit jeder ihrer Fasern erkannt, dass die Bildung der Kinder die Minimalvoraussetzung für ein geglücktes Leben ist.
Entscheidungen über: Kindergarten, Grundschule, Gymnasium, Universität – werden generalstabsmäßig geplant. Denn eins scheint ganz sicher: Einmal falsch entschieden, kann der Lebensweg eine Talfahrt werden. Geradezu steinzeitlich waren da die Entscheidungskriterien zu meiner Zeit, wurden doch der Bildungstempel ganz profan nach der Nähe zur Wohnung ausgewählt. War der Weg nicht zu weit und der Ruf nicht völlig desaströs, war alles in Butter. Soviel Blauäugigkeit kann sich heute offenkundig keine/r mehr leisten. Nein, die Kevins und Anna-Sophies dieser Tage planen alles perfekt. Und Mami und Papi führen dabei ganz souverän das Zepter. Zusammen fühlt man sich pudelwohl, beim gemeinsamen Besuch einer Probevorlesung, dem "Eltern-Kind-Tag" an der Uni und beim Stöbern im StudentInnenwohnheim.

Ich kann nachvollziehen, dass Eltern die Qualität der Ausbildung ihrer Sprösslinge fest im Blick haben. Schließlich lassen sie sich diese mit jeder Generation mehr kosten. Aber was mir wirklich seltsam vorkommt ist, dass sich die jungen Menschen in der Rolle - Eltern sind die besten Freunde– sauwohl fühlen! Zu meiner Zeit, da hat man sich mit der Eltern-Generation gerieben, dass sie Funken sprühten. Sie wurden für vieles verantwortlich gemacht und in einem waren wir uns ganz sicher: Wir machen alles ganz anders. Daher suchten wir den Abstand so weit und so lange wie möglich! Und der Studienbeginn war dann auch der erste Hauch dieser neuen weiten Welt. Schau ich mir die StudentInnen dieser Tage an, da sind alle irgendwie auf Kuschelkurs mit der Elterngeneration. Sicher, es stellt sich auch ein flaues Gefühl mit Blick in die Zukunft ein. Aber eher vor dem Hintergrund, sind denn wirklich alle Optionen optimal ausgelotet worden? Wurden wirklich alle Beratungsangebote genutzt? Mutti-Papi-Kind bilden eine Einheit, ein Fels in der Brandung. Da geht kein Blatt mehr zwischen. Hier arbeitet sich niemand mehr an dem anderen ab. Man ist FreundIn des anderen. Jede Entscheidung – Studienort, Studienfach, Studienabschluss – wird minutiös miteinander abgestimmt. Der Zufall soll auf ein Minimum reduziert werden.

Gedanken an ferne Zeiten. Wir konnten uns noch treiben lassen. Ein Wechsel des Studienfachs, allein aus Gründen einer erwachsenen Vorliebe, war kein Desaster, vielmehr gesunde Normalität. Ein Semester konnte schon mal außerhalb des Studienplans gestaltet werden, ohne dass irgendjemand auch nur im Ansatz unruhig wurde. Das Sich-Ausprobieren war Programm. Die Entdeckung von beruflichen Leidenschaften, Themen und Arbeitswelten waren essentiell. Und auch ein Auslandsaufenthalt – heute ein absolutes Must-Have – galt mehr der Erweiterung des kulturellen Horizonts, als der zwingend erscheinenden Hinzufügung eines internationalen Abschlusses.

In unserer hoch effizienten Welt kann es vielleicht ein Studium meiner Tage nicht mehr geben. Die Eltern achten darauf, dass alles in den richtigen Bahnen läuft und die Studierenden scheinen geradezu dankbar dafür. Was soll also daran schlecht sein? Ich weiß nicht wirklich eine Antwort darauf. Aber ein diffuses Gefühl macht sich breit, dass der richtige Lebensweg, gerade auch der Berufliche, eben gesucht und gefunden werden muss. Man braucht dazu einen freien Kopf, einen freien Blick und Langmut. Das allein ist schon schwer zu erringen. Aber ob sich diese gewichtigen Entscheidungen auch unter den prüfenden Blicken der Eltern treffen lassen, da bin ich mir wirklich nicht sicher.

Die Autorin Isabell Serauky ist Rechtsanwältin und arbeitet in einer Kanzlei im Berliner Prenzlauer Berg, www.jurati.de

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Kultur Beitrag vom 06.10.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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