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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.10.2011

Ausstellung in der Galerie Funke - Rita Rohlfing: apparently tangible. 19. Oktober - 19. November
Claudia Funke

Meisterschülerin der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, Absolventin des Master of Fine Arts Program for Sculpture and Site Specific Installation an der School of Visual Arts in New York



Die aktuelle Ausstellung von Rita Rohlfing: apparently tangible in der Galerie Funke stellt Arbeiten der in Köln lebenden Künstlerin erstmals in Berlin im Rahmen einer Einzelausstellung vor und gibt einen Überblick der Entwicklung ihres Werkes im Laufe der letzten zehn Jahre.

© Rita Rohlfing. white space, 13/05, 2005,
Plexiglas, Aluminium, HDF, Lackfarbe, 40 x 240 x 20,5 cm


Eine Auswahl aus der Reihe der Wandobjekte "white space" bewegt sich, wie viele Arbeiten von Rohlfing, auf der Grenze zwischen Malerei und Skulptur. Ähnlich wie bei den zuvor entstandenen Farbräumen in Rot scheint trotz der geschlossenen Volumen verschwommen ein Spektrum weißer, grauer und zarter Blautöne durch die mattiert geschliffenen Plexiglasscheiben und strahlt als Lichtschimmer in den Raum hinein. Die Werke beziehen sich auf die sie umgebende Architektur und den Standort der BetrachterInnen. Verändern diese ihre Position und damit den Blickwinkel, verändern sich auch die als fließende Verläufe wahrgenommenen Farb- und Lichtwerte in den Objekten. Die Werke konterkarieren die eindeutige, klar definierte minimalistische Form durch eine rätselhafte Aura, die sichtbar, aber nicht fassbar ist.

Formal klar begrenzt und scharf konturiert heben sich die metallisch-dunklen Bildflächen der aus Lack und Aluminium gefertigten Werke von der Wandfläche ab. Der braungraue, beinahe schwarz wirkende, manchmal ins Blau changierende Lack wurde von der Künstlerin durch mehrmaligen Farbauftrag und Zwischenschliffe von seinem ihm ursprünglich eigentümlichen Glanz befreit und erhält so innerhalb der rautenförmigen, verzerrten Vierecke und Polygonale einen samtig-matten Charakter.

Das pure Material des Aluminiums, in das die Künstlerin eine grafisch feine Linienstruktur einpolierte, wiederholt an den Kanten versetzt Teilstücke der geometrischen Formen wie ein Feedback oder als Nachklang eines Echos. Die planen Aluminiumplatten vermitteln den trügerischen Eindruck einer nicht messbaren Perspektive und Tiefe. In der Anschauung verflüchtigt sich die Sicherheit über die Begrenzung und Abmessung der Objekte und weicht einer ständigen Neubestimmung und Neuverortung.

Bereits in den 1990er Jahren erweitert Rohlfing die Grenzen des traditionellen Tafelbildes in Richtung der Farbräume: Annähernd monochrom rote, unregelmäßig geformte "shaped canvases", bei denen die Farbe um den Keilrahmen herum verläuft, erwecken den Anschein, sich in den Raum auszudehnen und die BetrachterInnen atmosphärisch zu umhüllen.
Christian Krausch vermerkt im Katalog des Rheinischen Landesmuseums Bonn, dass die Werke der Künstlerin Wünsche, Träume und Sehnsüchte hervorrufen: "Letztlich unnahbar" deuten sie auf einen "nicht wirklich fassbare[n] Ort des Verlangens" (in: Rita Rohlfing. Rotlichtbezirk, 2002, S. 10). Im Gegensatz zu ihrer faktischen Gegebenheit, beinhalten sie gleichzeitig die Sprengkraft von Transzendenz und Möglichkeit.
Sie beziehen ihre Spannung aus der Kombination konkreter minimalistischer Formen und unbestimmbar schwebender Farben und Raumtiefen, dem Versuch, sie rational zu erfassen und ihrer emotionalen Wirkung. Gabriele Uelsberg beschreibt die Rolle der Betrachterin/des Betrachters als Bestandteil und gestaltendes Element der Kunst Rohlfings, "in dessen Raum die Farbigkeit ausgreift und in dessen Inneres sein Sehen und Denken eintaucht. Diese Symbiose zwischen Denken und Sehen, zwischen Wahrnehmung und Reflexion ist ein zentrales Thema in Rita Rohlfings künstlerischer Arbeit [...]" (in: Rita Rohlfing. Anscheinend, Katalog Oberhausen 2004, S. 6).

© Rita Rohlfing, white space, 01/09, 2009, Plexiglas,
Aluminium, HDF, Lackfarbe, 64,6 x 80 x 21,3 cm


Die Werke von Rita Rohlfing bewegen sich im Feld sichtbarer, zu erahnender aber nicht fassbarer Welten und der realen Wirklichkeit, zwischen Entzug und Vergegenwärtigung. Die Mehransichtigkeit ihrer Kunst zeugt von deren Uneinnehmbarkeit und führt im Prozess der Anschauung zu einer (Selbst-)Erfahrung jenseits absoluter und rasch (be-)greifbarer Eindeutigkeiten. Diese in den Werken angelegte Verunsicherung markiert für Rohlfing ihre Verankerung in unserer Gegenwart.

Rita Rohlfing, geboren 1964, schloss die Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig 1992 als Meisterschülerin ab und besuchte 1994/95 das Master of Fine Arts Program for Sculpture and Site Specific Installation an der School of Visual Arts in New York. Ihre Werke befinden sich unter anderem im Museum Ludwig, Köln, Rheinischen Landesmuseum Bonn, Museo de Arte Moderno, Toluca, México, in der Sammlung des Landes Nordrhein-Westfalen, der Sparkasse Köln/Bonn und der Collection Deutsche Bank.

© Rita Rohlfing, untitled space, 12/09, 2009, Lackfarbe auf Aluminium, 11 x 150 x 3 cm


Die Ausstellung wird vom 19. Oktober bis zum 19. November zu sehen sein.
Öffnungszeiten: Mittwoch – Freitag, 13-18 Uhr, Samstag, 12-15 Uhr u. n. Vereinbarung.




Veranstaltungsort: Galerie Funke, Berlin
Willibald-Alexis-Straße 14
10965 Berlin
Weitere Infos unter: www.galeriefunke.de

Weitere Informationen zu Rita Rohlfing finden Sie unter:
www.ritarohlfing.de


AVIVA-Berlin ist Medienpartnerin dieser Ausstellung.


(Copyright: Claudia Funke, Oktober 2011)


Kultur Beitrag vom 07.10.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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