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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.08.2012

Charlotte Rampling The Look - Ein Film von Angelina Maccarone. Ab 29. Juni 2012 auf DVD
Undine Zimmer

Nah, näher, ganz nah dran - die britische Schauspielerin Charlotte Rampling ist die Königin des geheimnisvollen Blicks. Schon als junges Mädchen hat sie als Model FilmemacherInnen und ...



... FotografInnen verzaubert. Jetzt ist sie Mitte Fünfzig und hat Schlupflieder. Geheimnisvoll guckt sie immer noch.

Zwei Menschen sitzen in einem Boxring. Sie kämpfen, ohne sich zu rühren. Ein Wortduell. Mit stierenden Blicken werfen sich Charlotte Rampling und ihr Sohn Barnaby Southcome gegenseitig Sätze zu. Frage und Antwort, Angriff und Verteidigung wechseln sich ab. Ein SchauspielerInnenduell. "Ich habe diese Übungen immer gehasst", sagt Charlotte Rampling, nachdem sie eine Runde gewonnen hat. Nichts kann sie aus der Fassung bringen. Spielen, Posen, sie hat alles auf Abruf.

Es sollte ein Film mit und über die britische Schauspielerin Charlotte Rampling werden. Nachdem sie eine Biographie aus der Feder eines Bekannten verhindert hatte, erlaubt sie der Regisseurin Angelina Maccarone nun ein Portrait, in dem die Porträtierte selbst spricht, über Liebe, Blöße, Dämonen, den Tod, Schönheit, Alter, Verlangen, Tabus und Resonanz.

Neun Kapitel, in denen der Star Charlotte Rampling sich selbst ergründet. Sie wandert durch eine Stadt, besucht Paul Auster in seinem Hausboot, tauscht mit dem Fotografen Peter Lindberg die Rollen, das Model drückt den Auslöser, der Fotograf steht vor der Linse. Arrangierte Begegnungen mit FreundInnen, die spontan und unmittelbar wirken sollen. Charlotte Rampling lächelt, sie sinniert, sie monologisiert, aber sie vergisst die Kamera nie.

Zu jedem Kapitel werden alte Filmeausschnitte eingespielt. Charlotte Rampling hat sich oft in Rollen wiedergefunden, die polarisierten. Die jüdische Prostituierte in "Der Nachtportier", eine alternde Britin in der Südsee auf der Suche nach erotischer Aufmerksamkeit von jungen Männern aus Haiti ("In den Süden") oder eine junge Witwe, die ihren Mann gerade am Strand verloren hat ("Unter dem Sand").Charlotte Rampling verausgabt sich immer in ihren Rollen.

Einmal bricht sie einen Monolog ab. "Über Tod sollten wir jetzt doch gar nicht reden?" fragt sie in die Kamera. Ihr Zögern bleibt ungeschnitten. Hier zeigt sich das Besondere an der Arbeitsweise von Regisseurin Angelina Maccarone. Sie will Charlotte Rampling einen Raum geben, in dem sie sich schwach zeigen kann. Und Rampling packt aus, erklärt sich selbst. Erzählt, wie sie sich behauptet hat und dass sie oft in Zweifel wie in schwarze Löcher getappt ist. Angelina Maccarone lässt sie das Gedicht eines Freundes einsprechen, "Black Holes" von Fredrik Seidel. Manchmal schaut Charlotte Rampling auch nur vielsagend in die Kamera.

AVIVA-Tipp: Große Berühmtheiten haben oft etwas Zerbrechliches. So ist es auch bei der britischen Schauspielerin Charlotte Rampling. Sie wird oft als kühle Unnahbare beschrieben. In "The Look" lässt sie die Kamera in die Kulissen ihres Privatlebens schauen. In neun Kapiteln spricht Charlotte Rampling mit FreundInnen, KollegInnen und Verwandten über ihre persönlichen Dämonen, Tabus und das Älterwerden. Völlig vergessen wird Charlotte Rampling die Kamera jedoch nie. Auch bei der ZuschauerIn wächst das Bewusstsein, dass die Kamera mit der Schauspielerin nie alleine ist, dass jede Szene arrangiert, und die ständige Inszenierung Teil des SchauspielerInnenlebens ist. Auf behutsame Weise geht die Regisseurin Angelina Maccarone mit ihrem Objekt gnadenlos um. Sie zeigt Charlotte Rampling, wenn sie während eines intimen Interviews die RequisiteurInnen ungeduldig anfährt, wenn sie sich in einem Wortduell sichtlich unwohl fühlt, wenn sie das Kapitel über den Tod abbrechen möchte und betroffen schweigt. Im Anblick immer professionell, ruhig und ausgeglichen, erlaubt Charlotte Rampling ihren Worten eine nackte Direktheit, die manchmal fast unangenehm berührt.

The Look
Deutschland / Frankreich 2011
Buch und Regie: Angelina Maccarone
Mitwirkende: Charlotte Rampling, Peter Lindbergh, Paul Auster, Barnaby Southcombe, Juergen Teller, Frederick Seidel, Franckie Diago, Anthony Palliser, Cynthia und Joy Fleury
Verleih: Pfiffl Medien. VÖ: 29. Juni 2012
Laufzeit: 97 Minuten
Technische Details:
Bildformat: 16:9 (1:1,85)
Tonformat: Dolby Digital 2.0/5.1
Sprachen: Englisch, Französisch. Untertitel: Deutsch
DVD-Extras: Booklet
FSK: ab 12 Jahren


www.thelook-derfilm.de

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Kultur Beitrag vom 14.08.2012 Undine Zimmer 

   




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