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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 26.10.2011

Eine ganz heiße Nummer - ein Film von Markus Goller mit Gisela Schneeberger, Bettina Mittendorfer und Rosalie Thomass
Sonja Baude

Ein bayerisch-spöttisches Lustspiel in Zeiten der Wirtschaftskrise, das es vor allem seinen drei starken Darstellerinnen verdankt, den ZuschauerInnen hier und dort ein Schmunzeln zu entlocken.



Schauplatz dieser Heimatposse ist der Bayerische Wald. Die nächst größere Stadt ist Regensburg, doch das Geschehen trägt sich auf dem Dorfe zu.

Drei Frauen verschiedenen Alters betreiben einen kleinen Lebensmittelladen, aber die Zeiten sind schlecht, das Gemüse also nicht täglich frisch und auch der Kuckuck klopft schon an die Tür. Und die DorfbewohnerInnen, allen voran die intrigante Bürgermeistersgattin (Monika Gruber), bevorzugen den Aldi in der nächsten Stadt. In dieser prekären Lage geht der jungen Lena (Rosalie Thomass) auf ihren Liebesausflügen in die Stadt immer öfter der Sprit aus und Waltraud (Gisela Schneeberger) droht ihr Haus zu verlieren, da auch der Ehemann nach Schließung der örtlichen Glashütte kein Geld mehr nach Hause bringt. All das treibt auch Maria (Bettina Mittendorfer), die Dritte im Bunde, zur Verzweiflung. Deren Nerven liegen blank, nicht zuletzt auch deshalb, da sie sich nach ihrer Scheidung allein um ihren bettlägrigen Vater kümmern muss.

Die Not ist groß und sie macht bekanntlich erfinderisch. Die drei Frauen beschließen, eine ganz heiße Nummer einzurichten, und mit der Geschäftsidee steht dann auch die Leitung ihres exklusiven Telefonsexservices. Sie werben auf selbst gebastelten Flyern mit dem Slogan: "Das Allerbeste aus unserer Heimat". Als "heiße Bienen" gelangen sie so sehr schnell zu einem beträchtlichen Sümmchen, was natürlich ihrer argwöhnischen Dorfnachbarschaft keineswegs verborgen bleibt.

Markus Goller hat sich zum Ziel gesetzt, einen Heimatfilm der besonderen Art zu machen. Sämtliche bayerische Klischees werden aufs Tablett geholt und dann ironisch gebrochen: gezeigt werden saftigstrahlende Landschaften, in denen vor allem die schlüpfrige Geschäftsidee der drei Frauen blüht, ein bigotter Katholizismus wird an allen Ecken ausgelegt, aber der weit gereiste Heilpraktiker und Jungbauer lehrt, dass dann doch mehr als Gottes das eigene Urteil wiegt. All das ist in Dialekt getaucht, was annehmen lässt, dass der Film vor allem in südlicheren Gefilden Anklang finden wird. Die Darstellerinnen sind stark, wohingegen die Männerfiguren, mit Ausnahme des Pfarrers, eher am Rande gastieren. Eine brave Komödie, sehr leicht verdaulich, und eben auch sehr bayerisch.

AVIVA-Fazit: "Eine ganz heiße Nummer" ist letztendlich nicht viel mehr als der Titel verspricht. Eine Dorfkomödie, angesiedelt im Bayerischen Wald, die immer wieder ins Klamaukige abzurutschen droht und, obwohl in einer krisengerüttelten Zeit verortet, eine recht behütete Dorfwelt entwirft. Den drei kabarettistisch hoch versierten Schauspielerinnen gelingt es immerhin zuweilen, der Geschichte einen feinen Witz abzutrotzen.


Eine ganz heiße Nummer
Deutschland, 2011
Regie: Markus Goller
Drehbuch: Andrea Sixt (nach ihrem gleichnamigen Roman)
Produzenten: Florian Deyle, Philip Schulz-Deyle, Martin Richter
Koproduzentin: Andrea Sixt
In Koproduktion mit dem ZDF
Kamera: Simon Gstöttmayr
Musik: Peter Horn, Andrej Melita, Martin Probst
DarstellerInnen: Gisela Schneeberger, Bettina Mittendorfer und Rosalie Thomass, Monika Gruber, Sigi Zimmerschied u.v.a.
Verleih: Universum Film
Lauflänge: 96 Minuten
Kinostart: 27. Oktober 2011

www.eineganzheissenummer.de



Kultur Beitrag vom 26.10.2011 Sonja Baude 

   




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