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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.09.2012

Das Bessere Leben. Ein Film von Malgoska Szumowska. Ab 05.10.2012 auf DVD
Annika Hüttmann

Juliette Binoche zeigt eine überragende schauspielerische Leistung als Journalistin, deren Sichtweise ins Wanken gerät. Ihre Recherchen zu Studentinnen, die sich prostituieren, führen sie zu zwei...



... jungen Frauen die einen tiefen Eindruck bei ihr hinterlassen.


Der Film der polnischen Regisseurin Malgoska Szumowska zeigt einen Tag im Leben der gut situierten und erfolgreichen Journalistin Anne (Juliette Binoche). Mitten in der stressigen Deadline einer Reportage für die Zeitschrift "Elle" kümmert sie sich um ihre Söhne und muss ein Geschäftsessen für ihren Mann vorbereiteten. Eher mechanisch und abwesend, denn in Gedanken scheint sie vollkommen bei ihrem Artikel zu sein. Das Thema: junge Frauen, die sich prostituieren, um ihr Studium in Paris zu finanzieren.

In Rückblenden werden Interviews gezeigt, die Anne mit der ruhigen, ehrgeizigen und aus armen Verhältnissen kommenden Charlotte (Anaïs Demoustier) und der exaltierten, aus Polen stammenden Alicja (Joanna Kulig) führt. Anhand der Fragen, die Anne ihnen stellt, wird deutlich, dass sie andere Antworten von den Frauen erwartet hat als die, die sie bekommt. Beide Frauen berichten abgeklärt und selbstverständlich von ihrem Job als Prostituierte: Er ist für sie ein einfacher Weg, schnell an viel Geld zu kommen und sozial aufzusteigen. Und sogar Spaß macht. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Probleme damit haben, den Job mit ihren sozialen und familiären Beziehungen zu vereinen.

Die jungen Frauen faszinieren und schockieren die Journalistin gleichermaßen. Es gelingt ihr nicht, eine professionelle Distanz zu halten - mit Alicja betrinkt sie sich und Charlotte kann sie nach dem Gespräch kaum gehen lassen. Die Begegnungen haben große Auswirkungen auf Annes Einstellung zu ihrem Leben und zu sich selbst. Sie beginnt, die Beziehung mit ihrem Mann in Frage zu stellen und verhält sich zunehmend wie eine Gefangene in ihrem eigentlich perfekten Leben. Hilflos und verunsichert, sich gleichzeitig aber auch nach Freiheit und Veränderung sehnend, wird mit Anne eine Frau gezeigt, die jeden Moment aus ihrem Alltag ausbrechen könnte.

Die Studentinnen erzählen freizügig vom Sex mit ihren Kunden - dieser wird im Film auch explizit gezeigt. Die Sexszenen reichen von zärtlich und intim bis hin zu unangenehm gewalttätig. Prostitution wird weder romantisiert noch verdammt. Die Drehbuchautorin Tine Byrckel nennt als Ziel des Films, die Frage, wie Prostitution zu bewerten ist, zwar zu stellen, aber nicht zu beantworten. Genau hier liegt eine Schwäche des Films. Es ist schwer zu sagen, worum es hier eigentlich geht. Auf der einen Seite wird eine Frau mittleren Alters gezeigt, deren Leben durch die Begegnung mit jüngeren, unabhängigeren Frauen durcheinander gerät. Auf der anderen Seite geht es darum, einem sozialen Stigma, das dem Beruf der Prostituierten anhaftet, entgegen zu arbeiten. Gleichzeitig wird aber auch eine Gesellschaft kritisiert, in der jungen Frauen ein "gutes Leben" nur möglich ist, wenn sie auf diese Weise ihr Geld verdienen. Immer wieder wird betont, dass jeder Mann ein potentieller Kunde ist, vor allem die "ganz normalen" Männer, was eine recht zweifelhafte Botschaft ist. Denn diese Männer erkaufen sich das, was sie von ihren Ehefrauen nicht bekommen: bedingungslose Unterwerfung. Sieht so also die "normale" Männerfantasie aus, die mensch nicht ändern kann? Trotz dieser Unstimmigkeiten ist der Ansatz interessant, Prostitution aus der Perspektive von Frauen zu zeigen. Der Film kommt ohne Voyeurismus und weitgehend auch ohne Klischees aus, wirkt aber doch unfertig und unentschlossen.

Sehenswert ist dieser Film vor allem durch das Spiel von Juliette Binoche. Auch die schauspielerische Leistung der beiden anderen Hauptdarstellerinnen ist toll, sie verblassen dann aber doch neben ihrer erfahreneren Kollegin. Dieser gelingt es, in einer langen Einstellung, ein Close-Up ihres Gesichts, sämtliche Emotionen unglaublich subtil und berührend darzustellen. Ohne dabei ein Wort zu sprechen. Binoche öffnet sich ihrer Rolle vollkommen und hat, wie schon in die "Liebenden von Pont-Neuf" kein Problem damit, ungepflegt, betrunken oder ungeschminkt und im Schlabberlook vor der Kamera zu stehen.

AVIVA-Tipp: "Das Bessere Leben" möchte zum Nachdenken anregen, irritiert stellenweise aber eher. Es ist aber auch ein Film, der handwerklich gut gemacht ist und auf jeden Fall fesselt. Und vor allem ist es ein Film mit einer glänzenden Hauptdarstellerin.

Zur Regisseurin: Malgoska Szumowska ist in Krakau als Tochter der polnischen Schriftstellerin Dorota Terakowska und des Dokumentarfilmers Maciej Szumowski geboren, hat Kunstgeschichte studiert und ein Studium an der Filmhochschule Lodz abgeschlossen. Bereits während ihres Studiums zeigte sie ihre Filme auf zahlreichen Festivals in Thessaloniki, Tel Aviv, Angers und Bologna. Sie ist Autorin und Produzentin mehrerer Dokumentarfilme. Im Alter von 25 Jahren realisierte sie ihren ersten Spielfilm "A Happy Man" und erhielt dafür den Special Price beim Filmfestival Thessaloniki und wurde in Sundance als beste Regisseurin nominiert. Ihr zweiter Spielfilm "Leben in mir" war auf Robert Redfords Sundance Film Festival für Independent Filme zu sehen und wurde für den European Film Award nominiert. "33 Szenen aus dem Leben" war ihr dritter Spielfilm. Von "Variety" wurde sie als eine der zehn besten jungen europäischen RegisseurInnen ausgewählt. Szumowska ist Mitglied der Europäischen Filmakademie.

Zur Drehbuchautorin: Tine Byrckel hat Philosophie und Psychologie studiert bevor sie als Kritikerin und Redakteurin bei der dänischen Tageszeitung "Information" arbeitete. Sie hat zahlreiche literarische Werke übersetzt - Houellebecq, Gavalda, Cyrulnik, Lars von Trier. Zur Zeit arbeitet sie als Psychoanalytikerin, Drehbuchautorin und Skript-Doktorin für französische Produktionsfirmen.

Zu den Hauptdarstellerinnen:

Juliette Binoche
wurde 1964 in Paris geboren und zählt zu den erfolgreichsten französischen Schauspielerinnen. Sie hat in zahlreichen Filmen mitgewirkt und wurde 1996 mit dem Oscar für die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet.

Anaïs Demoustier wurde 1987 in Lille geboren. Auf der Berlinale 2010 wurde sie mit dem Preis "Europäischer Shooting-Star" ausgezeichnet.

Joanna Kulig wurde 1982 in Krynica Zdrój geboren und hat seit 2006 in mehreren Filmen mitgewirkt.

Das Bessere Leben
Originaltitel: Elles
Polen/Frankreich/Deutschland 2011
Regie: Malgoska Szumowska
Drehbuch: Tine Byrckel und Malgoska Szumowska
DarstellerInnen: Juliette Binoche, Anaïs Demoustier, Joanna Kulig, Louis-Do de Lencquesaing, Krystyna Janda
Kamera: Michal Englert
Produzentin: Marianne Slot
Schnitt: Fraçoise Tourmen, Jacek Drosio
Ton: André Rigaut
Verleih: Zorro Film. Anbieter: good!movies, Vertrieb: Indigo
EAN: 4047179668187
Bestell-Nr.: Indigo DV 966818
Laufzeit: 94 min
FSK: ab 16 Jahren
Sprachen: Deutsch, Französisch, Polnisch. Untertitel: Englisch, Französisch
Extras: Interview mit Juliette Binoche, Interview mit Malgoska Szumowska

DVD-Start: 05.10.2012

www.zorrofilm.de

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Kultur Beitrag vom 02.09.2012 Annika Hüttmann 

   




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