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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 24.05.2012

24. Mai - 24. Juni 2012 Berlin Pride Festival 2012 und CSD Berlin 2012 - Wissen schafft Akzeptanz
AVIVA-Redaktion

Anlässlich des 100. Geburtstages des bedeutenden, schwulen Mathematikers und Computerpioniers Alan Turing am 23. Juni 2012 stehen Thema und Motto dieses Jahr ganz im Zeichen der Wissenschaft.



Vom 24. Mai 2012 bis zum 24. Juni 2012 findet zum achten Mal Europas inzwischen größtes schwullesbisches Kulturfestival, das Berlin Pride Festival 2012 statt: Zu den rund 350 Veranstaltungen zählen in diesem Jahr Ausstellungen, Bootstouren, Comedy, Diskussionen, Filmvorführungen, Führungen, Galas, Gedenkfeiern, Gottesdienste, Kabarett, Konzerte, Lesungen, Modenschauen, Oper, Paraden, Parties, Quizabende, Shows, Soloabende, Sportveranstaltungen, Stadtrundfahrten, Straßenfeste, Tage der offenen Tür, Theater, Travestie, Veranstaltungsreihen und Vorträge: Ein vielfältiges Programm für interessierte und feierfreudige Menschen.

Kernstück des Festivals ist natürlich der mittlerweile 34. Christopher Street Day. Das Forum des Berliner CSD e.V. wird dieses Jahr besonders die Verdienste des britischen Mathematikers Alan Turing würdigen, dessen spektakulärste Leistung die Entschlüsselung der streng geheimen Chiffriermaschine der Nazis, "Enigma", war. Obwohl er sich mit seiner kriegsentscheidenden Arbeit hervorgetan hatte, wurde ihm seine Homosexualität zum Verhängnis, denn diese galt im damaligen Großbritannien noch als Krankheit. Turing hatte die Wahl, er konnte zur Strafe für seine Homosexualität entweder ins Gefängnis gehen oder sich zwangsweise einer psychiatrischen Behandlung in Verbindung mit einer Östrogen-Hormontherapie unterziehen. Er entschied sich für letzteres. Die Folge war eine schwere Depression und 1954 sogar sein Selbstmord. Zu Turings Leistungen als Wissenschafter zählt bis heute die Erarbeitung der theoretischen Grundlagen der frühen Entwicklung von Computer- und Informationstechnologien. Somit trägt fast jeder Mensch heute mit seinem Handy, Smartphone oder Notebook ein Stück Alan Turing mit sich herum.

Die Forderungen zum CSD 2012

Die erste der fünf offiziellen Forderungen steht unter der Überschrift: "Queeres Wissen und Bildung schaffen Akzeptanz und räumen mit Vorurteilen auf". Konkret gefordert werden die Finanzierung und Förderung von Forschung zu LSBTI (lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen) Themen, die Verpflichtung zur Vermittlung von Erkenntnissen dieser Forschung an den Schulen sowie die Abbildung der gesellschaftlichen Vielfalt in der Schulgemeinschaft und die stete Fortbildung von PädagogInnen, damit diese als Vorbilder gegenseitige Akzeptanz und ein vorurteilsfreies Miteinander schaffen. Die weiteren vier Forderungen behandeln die Umsetzung allgemeiner und sexueller Menschenrechte, die Ermöglichung der vollen Entfaltung der Identität von trans- und intersexuellen Menschen, die rechtliche Gleichstellung von Regenbogenfamilien und die Vermeidung von sozialer Isolierung wegen sexuell übertragbarer Krankheiten.

Besuch bei der Russischen Botschaft

Das seit Ende März in Sankt Petersburg geltende gesetzliche Verbot sogenannter "Homo-Propaganda" stellt jegliche positive Darstellung von Homosexualität und Transsexualität unter Strafe. Schon die öffentliche Zurschaustellung von Zärtlichkeiten wie Händchenhalten, die Regenbogenfahne, die Aussage "Homosexualität ist normal" oder gar ein CSD sind somit verboten. "Der Berliner CSD e.V. hat daher seine Route angepasst, damit die CSD TeilnehmerInnen ihrem Unmut über das menschenverachtende Handeln des Unrechtsstaates direkt am Gebäude der Botschaft der Russischen Föderation auf friedliche Art und Weise Luft machen können." erklärt CSD Geschäftsführer Robert Kastl. Außerdem unterstützt der Berliner CSD e.V. ausdrücklich alle demokratischen und rechtsstaatlichen Kräfte in Russland, die sich gegen die Verfolgung durch den Staatsapparat zur Wehr setzen.

Zivilcouragepreis des Berliner CSD e.V.

Der Zivilcouragepreis des Berliner CSD e.V. wird seit 2001 jenen Menschen und Organisationen verliehen, die sich in ihrem jeweiligen Bereich um die Gleichstellung von LSBTI Menschen besonders verdient gemacht haben.

In diesem Jahr zeichnet der Berliner CSD e.V. mit Claudia Schoppmann, Günter Grau und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas zwei solche Menschen und eine Organisation aus.

Schoppmann ist Historikerin, war 1984 an der ersten Ausstellung zu homosexuellem Leben in Deutschland beteiligt und leistete mit ihren Veröffentlichungen und als Referentin im In- und Ausland einen signifikanten Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte lesbischer Frauen im Nationalsozialismus.
Günter Grau ist Sexualwissenschafter und Medizinhistoriker. Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge unter anderem zur Aufarbeitung des Schicksals homosexueller Männer im Dritten Reich und mit dem Lexikon zur Homosexuellenverfolgung 1933-1945 ein vielbeachtetes Standardwerk.
Schoppmann und Grau haben, auch durch ihre Zusammenarbeit, den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus mit ihren Forschungen und Publikationen zu dem ihnen (leider) gebührenden Platz in den Geschichtsbüchern verholfen. Dafür verleiht ihnen der Berliner CSD e.V. gemeinsam den Zivilcouragepreis 2012.
Gegründet durch Beschluss des Bundestages nahm die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas im April des Jahres 2000 ihre Arbeit auf. Zuerst als Bauherrin mit der Errichtung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas betraut, ist sie nunmehr auch für den Betrieb des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zuständig. Im Rahmen dessen wird auch das Denkmal für die verfolgten Homosexuellen umfassend betreut und bei Führungen und Veranstaltungen mit einbezogen. Die Stiftung gestaltet die zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz gelegenen Denkmäler als Orte des Gedenkens, der Aufklärung und der Begegnung und bezieht auch die LSBTI Community vorbildlich mit ein. Für diesen wichtigen Beitrag zu Aufarbeitung und Aufklärung erhält die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas den Zivilcouragepreis 2012 des Berliner CSD e.V.

Der diesjährige Sonderpreis für Zivilcourage des Berliner CSD e.V., der dem Friedrichstadt-Palast und seinem Intendanten Berndt Schmidt am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT 2012), verliehen wurde, wird ebenso wie die regulären Zivilcouragepreise am 23. Juni, im Rahmen des CSD Finale, feierlich überreicht werden.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.csd-berlin.de

Berlin Pride Festival 2012



Kultur Beitrag vom 24.05.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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