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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 12.06.2012

17 Mädchen - ein Film von Delphine und Muriel Coulin. Kinostart 14. Juni 2012
Britta Meyer

Camille (Louise Grinberg) ist siebzehn Jahre alt und schwanger. Der Erzeuger ist desinteressiert, ihre Mutter (Florence Thomassin) überfordert und ihr Abitur gefährdet – trotzdem beschließt sie, ...



... das Kind zu bekommen.

Aus einer anfänglichen Notsituation wird für Camille schnell ein Statement gegen Eltern, LehrerInnen und überhaupt alle, die ihr vorschreiben wollen, wie ihr Leben jetzt und in Zukunft auszusehen hat – ganz gleich, wie gut die Erwachsenen es auch mit ihr meinen. Das Kind, so ist sie überzeugt, wird ihr Kraft verleihen, ihre Lebenspläne nicht behindern, sondern eher vorantreiben, und sie vor allem bedingungslos lieben, ohne Ansprüche, Vorschriften und Regeln. Ihre zunächst wütende und enttäuschte Mutter arrangiert sich schließlich mit der Entscheidung und unterstützt sie nach Kräften. Camille erfährt eine völlig neue Form von Respekt, endlich wird ihr Wille so ernst genommen, wie der einer Erwachsenen.

Ihre Freundinnen sind zwar besorgt um sie, bewundern aber auch ihre stolze Rebellion: Durch das Getuschel und Geläster ihrer MitschülerInnen hindurch geht sie hoch erhobenen Hauptes und mit überlegenem Lächeln über den Schulhof, ein Bild der Selbstbestimmung. Als die Außenseiterin Florence (Roxane Duran) ihr anvertraut, dass sie ebenfalls schwanger ist, beginnt die umschwärmte und beliebte Camille, sich zum ersten Mal für sie zu interessieren – und da ist sie auf einmal, diese verrückte Idee: Warum werden wir nicht einfach alle schwanger und ziehen die Kinder zusammen groß? Gemeinsame Krabbelgruppen, geteilte Verantwortung und ewige Kameradinnenschaft sind Versprechen, die sich die Mädchen gegenseitig geben und bald stürmen sie zu zwölft die örtliche Kleinstadtapotheke, um von der sprachlosen Pharmazeutin Schwangerschaftstests im Dutzend zu erwerben. Camille hat einen Trend gesetzt.

Die zahlreichen werdenden Großeltern geraten in Panik, aber weder sie, noch die engagierte Schulkrankenschwester (Noémie Lvovsky) können gegen den geballten Willen der Mädchen etwas ausrichten. Die beteiligten Jungs sind noch mehr außen vor, sie werden von der Schwangerschaftsgang demonstrativ ignoriert und beobachten das unübersehbar wachsende Geschehen fasziniert, aber aus sicherer Entfernung heraus.

Während die Mädchen gemeinsam Fachliteratur wälzen, sich Tipps gegen Morgenübelkeit geben und zusammen zur Schwangerengymnastik ins Schwimmbad gehen, wächst eine Utopie von Unabhängigkeit und echter Verlässlichkeit, denn: Wir werden es anders und besser machen, als unsere Eltern! Die deprimierende Umgebung der Kleinstadt lässt verstehen, warum so viel Wucht nötig ist, um sich etwas Neues und Eigenes zu schaffen. Die wilde, unbändige Energie der Clique hebt sich kräftig vom grauen Einheitsbrei ihrer Umgebung ab: Wenn die siebzehn Rebellinnen sich im Fast Food-Restaurant treffen, stundenlang auf menschenleeren Spielplätzen herumsitzen oder sich am verregneten Strand bekiffen, schreit die ganze Szenerie vor trostloser Eintönigkeit und provinzieller Klaustrophobie. Dagegen helfen am Besten gute Freundinnen, ausgelassene Parties und eine ordentliche Revolution. Nur, wenn die Mädchen allein zu Hause in ihren Zimmern sind, umgeben von Plüschtieren und Spielzeug, sieht mensch Sorge, Zweifel und pure Angst in ihren Gesichtern.

Und auch die hart erkämpfte Kontrolle über den eigenen Körper ist keine Garantie für ein Happy End...

Der Film basiert auf den realen Ereignissen in der Stadt Gloucester, Massachusetts, wo im Jahr 2008 siebzehn Mädchen aus derselben Highschool absichtlich und gleichzeitig schwanger wurden.

Zu den Regisseurinnen: Die Schwestern Delphine und Muriel Coulin drehten zusammen bereits die Kurzfilme und Dokumentationen "Seydou" (2009), "Roue libre" (2002), "Germain" (2002), "Souffle" (2000) und "Il faut imaginer Sisyphe heureux" (1997). "17 Mädchen" ist ihr erster gemeinsamer Spielfilm. Er lief in Cannes, war in der Wettbewerbs-Auswahl des Internationalen FrauenFilmFestivals 2012, wurde auf dem Bratislava Film Festival 2011 als bester Film ausgezeichnet und erhielt den Prix d`Ornano, Deauville 2011.

AVIVA-Tipp: "17 Mädchen" ist ruhig gefilmt und nimmt sich viel Zeit, um zu beobachten: die Gesichter der jungen Frauen, die Dynamiken innerhalb der Clique, die Veränderungen ihrer Körper. Die Darstellungen der Mädchen sind jede für sich beeindruckend, umso mehr, da viele von ihnen nie zuvor geschauspielert hatten. In angenehmer Abwechslung von US-amerikanischen Filmen wird das Thema Teenagerschwangerschaft hier nicht romantisch verklärt oder rosarot gezeichnet. Die Entscheidungsmacht der Mädchen über ihre Körper bleibt dabei unantastbar ihre und nur ihre - ob sie nun wissen, was sie tun, oder nicht.


17 Mädchen
Originaltitel: 17 filles
Frankreich, 2011
Drehbuch und Regie: Delphine und Muriel Coulin
Produktion: Denis Freyd
DarstellerInnen: Louise Grinberg, Juliette Darche, Roxane Duran, Ester Garrel, Yara Pilartz, Solène Rigot, Noémie Lvovsky, Florence Thomassin, Carlo Brandt, Frédéric Noaille, Arthur Verret
Verleih: Arsenal Filmverleih
Kamera: Jean-Louis Vialard
Ton: Olivier Mauvezin
Schnitt: Guy Lecorne
Länge: 87 Minuten
Kinostart: 14. Juni 2012
www.17-maedchen.de


Weitere Informationen finden Sie unter:

Der Schwangerschaftspakt (Süddeutsche, 20.06.2008)


Kultur Beitrag vom 12.06.2012 Britta Meyer 

   




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