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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 18.07.2012

Man for a Day - ein Dokumentarfilm von Katarina Peters mit Diane Torr. Kinostart 19. Juli 2012
Katarina Wagner

"Gender is just a repeated series of gestures” Im Workshop mit der Drag-Künstlerin und Körper-Philosophin Diane Torr lernen Frauen, dass es mehr als einen Bart braucht, um als Mann nicht nur...



... wahr-, sondern vor allem ernst genommen zu werden und erfahren darüber hinaus neue Handlungsspielräume für sich selbst

Was macht einen Mann aus? Gelassenheit? Freiheit? Macht? Stress bei der Arbeit? Im Man-for-a-Day-Workshop in Berlin treffen sich sehr unterschiedliche Frauen, um in einer Woche eine Ahnung davon zu bekommen, was es bedeutet, als Mann durch die Straßen zu laufen.
Die Drag-King Pionierin Diane Torr bemerkte den Unterschied das erste Mal, als sie nach einem Fotoshoot ihr Drag-Outfit nicht ablegte und ihr die Menschen auf den Gehwegen Manhattans tatsächlich Platz machten. Seit 1989 gibt sie nun schon dieses Seminar, in dem sie immer wieder beweist, dass Geschlechterrollen zum größten Teil aus antrainierter Körpersprache und Verhaltensweisen bestehen.

Es geht ihr nicht darum, dass die Teilnehmerinnen `zu Männern werden`, sondern dass sie Grenzen überschreiten, andere Handlungsspielräume entdecken und ausprobieren, "It´s about becoming more".
Dafür schickt Diane die Frauen zuerst auf die Straße, sie sollen verschiedene Männer-Typen beobachten, sich ihre Bewegungen anschauen und eine Idee bekommen, welche Art Mann sie für sich selbst kreieren wollen.
Dann folgt die obligatorische physische Verwandlung: Männerkleidung, gebastelte Penisse in den Unterhosen und aufgeklebte Drei-Tage-Bärte und Augenbrauen. Da ruft schon mal eine lachend, "Ich seh aus wie mein Vater!". Komplizierter wird es beim Einstudieren der `Performance` als Mann. Diane erklärt, dass die Frauen sich zuerst abgewöhnen müssen, ständig zu lächeln. Oder zu viel zu nicken. Außerdem wichtig: auf die Sprachmelodie achten. Es wird schnell deutlich, dass diese scheinbar kleinen Dinge einen großen Unterschied bedeuten. Denn wie eineR läuft, einen Stuhl in die Hand nimmt und sich hinsetzt, kann Macht demonstrieren – oder eben nicht.

Genauso wie jeder Mensch in verschiedenen Situationen unterschiedliche Rollen spielt – unter FreundInnen, auf Arbeit oder im Umgang mit Kindern – kann auch das Auftreten als selbstsicherer Konzernchef gelernt werden.
Diane Torr hat über die Jahre verschiedene Charaktere entworfen, Danny King ist eine ihrer Drag-Figuren. Ein Mann, der an die natürliche Überlegenheit seines Geschlechts glaubt, das auch ausstrahlt und Vorträge darüber hält, wie man(n) sich die gebührende Achtung verschafft. Als Frau würde die Künstlerin ihm aus dem Weg gehen. Sie bezeichnet ihn als Anachronismus, der allerdings weiterhin überall zu finden sei, in Vorständen und unter Managern gäbe es noch viele Danny Kings.

Die Gender-Aktivistin spielt gern mit den Rollen und sieht ihre Darstellung Danny Kings als Subversion von (männlicher) Autorität: Er überzeugt als mächtiger Mann, obwohl es eigentlich die Performance einer biologischen Frau ist. Gibt es üerhaupt ´angeborene` oder ´natürliche` Verhaltensweisen von Männern und Frauen?

Während die Teilnehmerinnen im Workshop die Grundlagen des männlichen Habitus lernen, wird gleichzeitig klar, dass auch das Frausein eine Performance ist. Die Politikberaterin Eva Marie bemerkt im Interview, dass sie es oft als zusätzliche Last empfindet, auf hohen Schuhen balancieren zu müssen und auf das Make-up zu achten. Männer hätten da den Vorteil einer gewissen "Windstille", wie sie es nennt. Eine andere Drag-Künstlerin auf Zeit empfindet das Mannsein wiederum als Einschränkung, obwohl sie erwartet hatte, sich freier zu fühlen.

AVIVA-Tipp: Der Film verfolgt den Workshop Man for a Day und deren Teilnehmerinnen, die sichtlich Spaß daran haben, sich nicht nur zu äußerlich zu verändern, sondern auch das ´männliche´ Auftreten nachzuahmen und anzunehmen. Gleichzeitig porträtiert Katarina Peters ihre langjährige Freundin, die Künstlerin, Aktivistin, Philosophin und Drag-King Diane Torr, die auf eine sehr anschauliche Weise erklärt, dass soziale Geschlechterrollen nichts weiter als Konstruktionen sind, die jeder und jede imitieren kann. Die Dokumentation weckt schnell Interesse und regt an, die eigenen Verhaltensweisen zu analysieren und zu hinterfragen.

Über Diane Torr:
Die Künstlerin und Aktivistin wurden in Aberdeen, Schottland geboren und zog nach ihrem Abschluss am Dartington College of Arts 1976 nach New York. Dort arbeitete sie zuerst als Gogo-Tänzerin, bevor sie zu einer Ikone der queeren Kunstszene Manhattans wurde. Sie entwickelte über 35 Performances, Installationen und Videos und erforschte in Praxis und Theorie Gender-Identitäten und Sexualität. Zusammen mit Johnny Science entwickelte sie 1989 den Workshop "Man for a Day – Gender-Verhalten und Kodifizierung des Gestus". Außerdem hat sich Diane mit verschiedene Körperwissenschaften beschäftigt, unter anderem Kontaktimprovistation, Körper-Mechanik, Release-Technik, Shiatsu-Massage und Aikido – sie besitzt den Schwarzen Gürtel Dritten Rangs. Gemeinsam mit Stephen Bottoms verfasste sie das Buch Sex, Drag and Male Roles. Investigating Gender as Performance (University of Michigan Press, 2010). Heute lebt und arbeitet sie in Glasgow und unterrichtet an der dortigen Kunsthochschule.

Über die Regisseurin Katarina Peters:
Die gebürtige Hamburgerin lernte Diane Torr in New York kennen, die beiden verbindet seit über dreißig Jahren eine enge Freundschaft. Peters studierte Skulptur, Film, und Performance am Art Institute San Francisco und danach Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin. In den Achtziger Jahren drehte sie viele Experimentalfilme und arbeitete als Drehbuchautorin. Für ihren Dokumentarfilm Am seidenen Faden erhielt sie 2004 unter anderem den Preis der internationalen Filmkritik auf der Viennale, den Förderpreis der DEFA-Stiftung und den New Berlin Film Award.
Man for a Day war dieses Jahr der Eröffnungsfilm der Perspektive Deutsches Kino auf der 62. Berlinale.


Man for a day
Buch, Regie, Produktion: Katarina Peters
Deutschland 2012, 96 Minuten
deutsch / englisch / hebräische Sprachfassung mit deutschen Untertiteln
Verleih: Edition Salzgeber
Kinostart: 19. Juli 2012

Mit: Diane Torr, Susann Schönborn, Theresa Theune, Eva-Marie Torhorst, Tal Peer und Rosa Maria Dos Santos

Kamera: Susanna Salonen, Yoliswa Gärtig, Katarina Peters
Montage: Friederike Anders, Jana Teuchert
Ton: Ivonne Gärber, Jasmin Oerters, Katarina Peters
Beleuchtung: Axel A. Berger
Ausstattung: Reinhild Blaschke
Kostüm: Lucie Bates
Fotografie: Inga Knölke
Musik: Tilman Schade, Gudrun Gut, Ben Freyer


Weitere Infos unter:

www.manforaday-film.com

www.dianetorr.com

Weitersehen auf AVIVA-Berlin:

Am Seidenen Faden – Ein Film von Katarina Peters

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Früher war nicht alles besser – Die Krise der Männlichkeit als Chance

Kultur Beitrag vom 18.07.2012 Katarina Wagner 

   




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