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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.08.2012

OMA & BELLA. Ein Dokumentarfilm von Alexa Karolinski. Kinostart 23. August 2012
AVIVA-Redaktion

Die besten Freundinnen Bella Katz und Regina Karolinski, geboren 1923 und 1927, leben seit fünf Jahren zusammen in einer Charlottenburger Wohnung, wo sie viel, gern, und vor allem exzellent ...



... kochen .Während sie ihre berühmte jüdische Hühnersuppe zubereiten, erzählen die beiden aus Vilnius und Katowice stammenden Frauen von ihrer Kindheit und ihren Familien, ihrem Überleben der Ghettos und Lager, ihren Männern und dem Leben nach dem Krieg in Berlin.

Reginas Enkelin, die Filmemacherin Alexa Karolinski, hat die lebensfrohen und resoluten alten Damen mit der Kamera begleitet und ihnen vor allem beim Kochen zugesehen.

Ursprünglich wollte Alexa Karolinski nur ein Kochbuch mit Reginas und Bellas Rezepten zusammenstellen. Immer wieder war sie bei ihnen zu Besuch, folgte den Frauen durch die Küche und stellte Fragen. Aber während sie versuchte, "Handvoll" und "Schuss" in Gramm und Milliliter, "Tellervoll" in Portionen und "bis es gut aussieht" in Kochzeiten zu übersetzen, kamen plötzlich Geschichten zum Vorschein, die vom Leben und Überleben der europäischen Juden im letzten Jahrhundert erzählen. Schnell wurde klar, dass es mehr als ein Kochbuch braucht, um Oma und Bella gerecht zu werden. Und daher beschloss die junge Filmemacherin, die beiden ein Jahr lang mit der Kamera zu begleiten.

Nach einem Jahr der Postproduktion gelang es ihr per Crowdfunding über kickstarter.com, die benötigten Gelder zu sammeln, um das Porträt fertig zu stellen. Auf der Berlinale 2012 (Sektion "Kulinarisches Kino") feierte OM & BELLA seine internationale Premiere und auf dem 18. Jüdischen Filmfestival Berlin und Potsdam begeisterte dieser kleine eine Dokumentarfilm ein großes Publikum.

Oma & Bella ist ein Film über zwei ganz besondere jüdische Frauen in Berlin und porträtiert ihre jahrzehntelange Freundschaft: Die beiden teilen nicht nur eine außergewöhnliche Geschichte, sondern halten diese mit Humor und guter jüdischer Küche lebendig. Der Film begleitet die Freundinnen durch ihren Alltag, beobachtet sie bei ihren täglichen Routinen, lauscht ihren Gesprächen über Herkunft, Identität und Erinnerung. Dabei zeichnet er ihre Entscheidung nach, Deutschland zur Heimat zu machen, sich und ihr Leben in jüdischer Tradition neu zu erfinden. Der Film illustriert, wie es den zwei Überlebenden der Shoa gelingt, durch die Zubereitung der Gerichte ihrer Kindheit Tradition lebendig zu halten und Erinnerung zu teilen.

Die Protagonistinnen
Regina Karolinski
wurde 1927 als jüngstes von fünf Kindern in Katowice geboren.
1942 wurde sie von ihrer Familie getrennt und in ein Arbeitslager im damaligen Reichsgau Sudetenland deportiert.
Dort blieb sie bis zur Befreiung des Lagers durch die Rote Armee im Frühjahr 1945.
Mit dem Wunsch, in die USA zu emigrieren, reiste sie 1946 nach Berlin. Die folgenden drei Jahre verbrachte sie in einem Displaced Persons (DP)-Lager am Rand der Stadt und bekam im Januar 1948 ihren Sohn Symcha.
Regina blieb daraufhin in Berlin, gründete eine Parfümerie in der Brunnenstraße und lernte dort ihren zweiten Ehemann kennen. Das Geschäft musste mit dem Mauerbau schließen und so arbeitete Regina im Folgenden in einem Juweliergeschäft. 1984 ging sie in Rente. Sie war eines der ersten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde der Stadt und ihre Hochzeit mit ihrem Mann Alex war die erste, die im neuen Gemeindezentrum in Charlottenburg gefeiert wurde.

Bella Katz wurde 1923 in Vilnius geboren. 1941 wurde sie zusammen mit ihrer Familie ins Ghetto der Stadt deportiert. Als das Ghetto 1943 liquidiert wurde, gelang ihr die Flucht in die Wälder, wo sie sich als Partisanin der Jüdischen Widerstandsbewegung anschloss, bis die Rote Armee sie 1944 befreite. Obwohl ihre gesamte Familie ermordet wurde, kehrte sie nach Vilnius zurück, wo sie ihren Mann Gdalia Katz kennenlernte. Mit ihm reiste sie im Dezember 1945 nach Berlin, von wo aus auch sie auswandern wollten. 1946 bekam sie ihren Sohn David. Nachdem die Emigration nicht gelang, blieben sie in Deutschland. Dort betrieb Bella eine Boutique, eine Schokoladenhandlung, eine Hähnchenbraterei und schließlich den Nachtclub "Las Vegas". Nachdem Regina sich 2007 einer Hüftoperation unterziehen
musste, zog Bella bei ihr ein, um ihre Genesung zu begleiten. Vier Jahre später ist die Hüfte geheilt, Bella und Regina aber wohnen noch immer zusammen.

Die Filmemacherin; Alexa Karolinski, 1984 geboren, ist eine kanadisch-deutsche Filmemacherin, die in Berlin aufgewachsen ist. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in London hat sie ein Jahr für "Vice Deutschland" gearbeitet. Anschließend war sie als Journalistin für Arte tätig.
Dort hat sie bei Kulturkritiken und KünstlerInnenporträts Regie geführt und später auch eigenständig produziert. Kürzlich hat sie ein Dokumentarfilmstudium an der New Yorker School of Visual Arts abgeschlossen. Alexa wohnt in New York und arbeitet dort unter anderem als freie Videoredakteurin für ein Modemagazin, den Filmemacher John Walter, macht weiterhin Beiträge für Arte und kocht, wenn sie Zeit hat, große Essen für ihre FreundInnen. OMA & BELLA ist ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm.

OMA & BELLA
Deutschland 2012, 80 Min., DF
Produktion/ Regie: Alexa Karolinski
Mit: Regina Karolinski, Bella Katz
Kamera: Alexa Karolinski, Alexander Malecki, Bella Lieberberg, Günther Berghaus Ton: Bella Lieberberg, Marco Heyer, Robert Vogt, Robin Leo Knauth, Simon Konrad
Filmmusik: Annette Focks
Schnitt: Alexa Karolinski
Mischtonmeister: Michael Müller In Zusammenarbeit mit Show of Force
Koproduzenten: Maro Chermaye, Jeff Dupre

Im Verleih der Edition Salzgeber
Kinostart:
26. Juli 2012 (Berlin)
23. August 2012 (bundesweit)
Festivals:
Internationale Filmfestspiele Berlin 2012: Kulinarisches Kino (UA)
Canadian International Documentary Film, Festival HOT DOCS Toronto 2012
Dokfest München 2012
SILVER DOCS, AFI Documentary Festival, Silver Spring 2012
Jüdisches Film Festival Berlin & Potsdam 2012

Weitere Infos zum Film auf: www.omabella.com



(Quelle/Copyright: Edition Salzgeber)

Kultur Beitrag vom 23.08.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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