Goldrausch. Die Geschichte der Treuhand. Kinostart: 30. August 2012 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 29.08.2012

Goldrausch. Die Geschichte der Treuhand. Kinostart: 30. August 2012
Britta Leudolph

Im Zuge der Wiedervereinigung muss die sozialistische Wirtschaft der DDR an die Marktwirtschaft der BRD angepasst werden. Die Dokumentation zeigt, wie die Treuhandanstalt tausende Betriebe ...



... schlie├čt und sich um viele Milliarden Mark betr├╝gen l├Ąsst.

Als im November 1989 die Mauer zwischen der DDR und der Bundesrepublik fiel, ging f├╝r viele Menschen in Ostdeutschland ein Traum in Erf├╝llung, den die meisten zuvor nicht zu tr├Ąumen gewagt h├Ątten. Pl├Âtzlich schien alles m├Âglich: politische Mitbestimmung, ferne Reisen oder auch Konsum ohne Ende. Schnell war die Rede von Wiedervereinigung, andere Ideen - etwa die langsame Ann├Ąherung dieser doch so unterschiedlichen Systeme - wurden im Taumel des Gl├╝cks verworfen und verlacht. Doch was sollte mit den Betrieben der DDR geschehen, schlie├člich waren diese ├╝berwiegend Volkseigentum.

Der Dokumentarfilm "Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand" besch├Ąftigt sich mit der Treuhandanstalt, gegr├╝ndet im Fr├╝hsommer 1990, einer Institution mit dem Auftrag, die etwa 8.500 volkseigenen Betriebe zu privatisieren. Bis 1994 werden rund 4.000 dieser Betriebe geschlossen, zweieinhalb Millionen Arbeitspl├Ątze gehen verloren. Eine Kontrollinstanz, parlamentarische Kontrolle und Innenrevision sind nicht vorgesehen. Bis zu ihrer Schlie├čung Ende 1994 macht die Treuhandanstalt Schulden in H├Âhe von 256 Milliarden Mark. Der Vorsitzende der Treuhandanstalt, Detlev Rohwedder, verfolgt das Prinzip, m├Âglichst schnell zu privatisieren. Im Eiltempo werden Manager aus dem Westen engagiert, ob sie nun f├╝r solch eine T├Ątigkeit geeignet sind, steht nicht im Vordergrund. Zudem versuchen sich windige Ex-Genossen und Berater ihren Teil des Kuchens einzuverleiben. Die Treuhand ├Âffnet Betr├╝gerInnen T├╝r und Tor, viele Milliarden Mark verschwinden, ein Skandal, der nie vollst├Ąndig aufgekl├Ąrt wird. Viele T├ĄterInnen gehen straffrei aus oder werden erst gar nicht angeklagt.

Die Wiedervereinigung war ein historisch einmaliger Vorgang. Was passiert also, wenn eine sozialistische Planwirtschaft im Eiltempo an die globalisierte Marktwirtschaft angepasst wird? "Goldrausch" versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen. Zu Wort kommen ehemalige MitarbeiterInnen der Treuhand, die schildern, was sie als AbwicklerInnen von Hunderten, Tausenden oder gar Millionen von Arbeitspl├Ątzen gedacht und gef├╝hlt haben. Wie etwa Detlef Scheunert, einer der wenigen Ostdeutschen mit einer Spitzenposition in der Treuhand. Zun├Ąchst ist er noch froh ├╝ber die Herausforderung und begierig zu lernen wie Marktwirtschaft funktioniert. Schnell merkt er jedoch, dass seine Entscheidungen erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen und viele VerliererInnen zur├╝ckbleiben.

Besonders interessant sind die Einlassungen von DDR-B├╝rgerrechtlerInnen wie Werner Schulz. Die Idee der Treuhand stammt urspr├╝nglich von ihnen, allerdings mit einem ganz anderen Grundgedanken: Die erzielten Gewinne aus dem Verkauf der Betriebe und Fabriken sollen gerecht unter den DDR-B├╝rgerInnen der verteilt werden.

Zum Regisseur: Der Film wurde von einem Regisseur begleitet, der durch viele journalistische und investigative Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht hat. Nach zweij├Ąhriger, intensiver Recherche fanden die Dreharbeiten 2010 statt. Der Film wurde von Andrew Bird geschnitten, im April 2011 lag ein erster Entwurf zu einem Rohschnitt vor, dieser als auch zwei weitere Fassungen wurden jedoch weder von der Produktion, der Redaktion noch vom Verleih akzeptiert.
Die wesentlichen M├Ąngel lagen vor allem im erz├Ąhlerischen Duktus. Daraufhin wurde in Absprache mit dem Regisseur ein Dramaturg hinzugezogen. Eine in dieser Konstellation ├╝berarbeitete Fassung fand die Zustimmung der Sender, jedoch nicht des Regisseurs. Der Regisseur erhielt nochmals die M├Âglichkeit, seinen Film ohne dramaturgische Hilfe zu ver├Ąndern. Die beteiligten PartnerInnen entschieden sich jedoch letztlich f├╝r die erste, die sogenannte Produktionsfassung. Der Regisseur zog daraufhin seinen Namen vom Film zur├╝ck. (Produzentenstatement)

AVIVA-Tipp: "Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand" ist ein spannender Dokumentarfilm, der die Jahre der Wende in einem anderen Licht erscheinen l├Ąsst. W├Ąhrend in der ├ľffentlichkeit h├Ąufig ein sehr positives Bild der "Wende" gezeichnet wird, beleuchtet "Goldrausch" die Wild-West-Mentalit├Ąt, mit der ostdeutsche Werte verscherbelt wurden und damit Millionen Menschen neben dem Arbeitsplatz auch die Perspektive verloren. Fast ausnahmslos werden die ostdeutschen Betriebe an westdeutsche Unternehmen verkauft, die sich damit zum Teil l├Ąstiger Konkurrenz entledigten. "Goldrausch" l├Ąsst die ZuschauerInnen an vielen Stellen einfach fassungslos zur├╝ck.

Goldrausch. Die Geschichte der Treuhand
Deutschland 2011
Produzent: Thomas Kufus
Schnitt: Andrew Bird
Kamera: Thomas Plenert
Musik: Ulrike Haage
Mit: Klaus Klamroth, Gerd Gebhardt, Werner Schulz, Vera Teller u.a.
Weitere Infos:
www.realfictionfilme.de

Kultur Beitrag vom 29.08.2012 Britta Leudolph 

   




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