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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 14.09.2012

Parada - Eine Komödie von Srdjan Dragojeviæ
Laura Wösch

"Parada" ist ein Film über Homophobie und Gewalt in Serbien. Gelacht werden darf trotzdem: Mit der Übertitelung "Komödie" erteilte der Regisseur dem Publikum die Legitimation zum Amüsement.



"Ich bin heterosexuell" schreit eine alte Dame den Männern entgegen, die gerade das LGBT-Plenum zur geplanten Belgrader Gay Pride mit Prügeln und Schlagstöcken zerschlagen. Das Publikum im Kinosaal schmunzelt. Ansonsten ist Homophobie in Serbien als Thema kein großer Brüller, eher ein Grund zum Verzweifeln. Erst im Jahr 2011 wurde die geplante Gay Pride in Belgrad, aus Angst vor zu großen gewalttätigen Ausschreitungen, von Innenminister Ivica Dacic verboten. Nicht etwa, weil sich die Regierung dagegen aussprach, sondern weil mensch Angst vor der Zerstörungswut und dem Gewaltausmaß der rechtsextremen Szene hatte. Dass sich die Exekutive außer Stande sah, die DemonstrantInnen zu schützen, weist aber auch darauf hin, dass die serbische Politik die Debatte um Schwulen- und Lesbenrechte nicht als ausreichend relevant empfand. Dass aber Homophobie ein massives Problem darstellt, bewies die erste Gay Pride in Belgrad 2001, bei der Homo-, Lesben, Bi- und Transsexuelle von der Hooligan- und rechtsradikalen Szene so brutal angegriffen wurde, dass die Parade abgebrochen werden musste. 2010 wiederholte sich dieses schreckliche Szenario. Etwa 1200 Demonstrierende mussten von etwa 5000 Polizeikräften vor eben so vielen Hooligans aus dem ganzen Land, beschützt werden. Das gelang allerdings nur teilweise.

Trotz dieses sehr blutigen Hintergrunds drehte der serbische Regisseur Srdjan Dragojeviæ eine Komödie, in der er sich mittels stereotyper Geschlechterrollen und karikaturartigen, überzeichneten Figuren dem problematischen Thema annäherte. Dabei bedient er sich einiger Klischees: Serbische Kriegsveteranen, ein schwuler Wedding-Planer, der kosovarische Drogenschmuggler, die ehemalige blonde Stripperin als Gangsterbraut, ein schwuler Tierarzt mit rosarotem Mini-Cooper - gemeinsam fahren sie darin durch das ehemalige Kriegsgebiet, um ein geeignetes Security-Team für die geplante LGBT-Parade zusammenzustellen.

Regisseur Dragojeviæ ist überzeugt, dass dies der einzige Weg war, das serbische Publikum in die Kinos zu bringen. Mit Erfolg: Mit 600.000 Menschen, die den Film in den ehemals jugoslawischen Ländern gesehen haben, wurde der Film zu einem Kassenschlager. Ungewöhnlich für ein Land, in dem 20 Prozent der BürgerInnen, laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Cesid, sogar bereit wären, Gewalt gegen Homosexuelle zu unterstützen oder zu rechtfertigen. 53 Prozent sind sogar überzeugt, dass restriktive Maßnahmen gegen Homosexualität von Seiten des Staates durchaus legitim wären. Und weil der Regisseur als ausgebildeter Psychotherapeut genau dieses Publikum ansprechen wollte, hat er auf homoerotische Handlungen verzichtet. "Mit einer schwulen Kussszene hätte ich den normalen Homophoben vom Balkan niemals ins Kino gekriegt."

Als der komödienhafte Road-Movie gegen Ende in einer Gewaltszene mündet, die in etwa die Geschehnisse der Gay Pride 2010 nachbilden sollen, bleibt einem/einer erstmals das Lachen im Hals stecken. Hier kulminieren strukturelle rechtsextreme und homophobe Gewalt und eine Mentalität des Zu- und gleichzeitigen Wegschauens. So hinterlässt der Film letzten Endes im ZuschauerInnenraum ein Vakuum, in dem Platz für Reflexion entsteht. Ob durch den Film eine Art Selbstreflexion in der serbischen Bevölkerung stattgefunden hat, wird sich bei der nächsten Gay Pride 2012 noch herausstellen.

AVIVA-Tipp: Sich dem Thema Homophobie satirisch anzunähern, war ein sehr mutiges Experiment des serbischen Regisseurs Srdjan Dragojeviæ. Mittels humoristischer Überzeichnung stereotyper Rollenbilder ist es ihm jedoch überzeugend gelungen, Klischees nicht nur aufzuzeigen, sondern sie dermaßen durch den Fleischwolf zu drehen, dass neue Bilder, zumindest für die Länge eines Kinofilms, auf einmal möglich erscheinen.

Zum Regisseur: Srdjan Dragojeviæ nahm nach seiner Ausbildung als Psychotherapeut 1987 das Studium der Film- und Fernsehregie an der mazedonischen Universität der Künste auf, an der er seinen zweiten Hochschulgrad als Filmregisseur und Drehbuchautor erlangte. 1992 machte er im Alter von 29 Jahren mit seinem Debüt "Mi Nismo Andeli" im serbischen Kino auf sich aufmerksam. Es folgten Auszeichnungen auf internationalen Filmfestivals, darunter für den Film "Dörfer in Flammen" (1995) auf dem Sao Paulo International Filmfestival und dem Filmfestival Stockholm. Als Mitglied der Sozialistischen Partei Serbiens setzt er sich nicht nur in seinen Filmen für Menschenrechte ein. Mit "Rane" reiste er für diverse Festival-Vorführungen, u. a. beim San Francisco International Film Festival durch die USA. Als Miramax ihn unter Vertrag nahm, zog er im Juli 1999 mit seiner Familie nach Los Angeles. Innerhalb der folgenden zwei Jahre pendelte er zwischen New York und Los Angeles. Da er jedoch die künstlerische Freiheit, die er für seine Filme suchte, dort nicht fand, verschlug es ihn 2001 wieder nach Serbien. Mit seinem neuestem Film "Parada" feierte er Riesen-Erfolge im gesamten Balkanraum. Auch auf der Berlinale 2012 wurde der Film zum Hit und mit dem Panorama Publikumspreis ausgezeichnet. (mm filmpresse)

Parada
Serbien/ Kroatien/ Mazedonien/ Slowenien 2012
Regie & Drehbuch: Srdjan Dragojeviæ
Verleih: Neue Visionen Filmverleih GmbH
Lauflänge: 115 Minuten
Kinostart: 13. September 2012
Homepage zum Film: www.parada-film.de

Kultur Beitrag vom 14.09.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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