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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 11.11.2012

Die Stimme meines Vaters - Babamin Sesi. Ein Film von Orhan Eskiköy und Zeynel Dogan. Kinostart: 15. November 2012
Evelyn Gaida

Landschaftsbilder von berückender Schönheit: eine alte Frau steigt allein auf einen Bergkamm, um dort für die Rückkehr ihres Sohnes Hasan zu beten, der als kurdischer Kämpfer in den Untergrund …



... gegangen ist. In "Die Stimme meines Vaters" durchbricht Basê, eine kurdische Alevitin in der Türkei, langsam ihr jahrelanges Schweigen und die Verdrängung.

Basê blickt zurück auf ein Leben voller Entbehrungen und Arbeit: Allein hat sie die Kinder großgezogen, sich um die Schwiegereltern und das Haus gekümmert. Ihr Mann Mustafa musste in einem anderen Land Arbeit suchen, konnte nur alle zwei bis drei Jahre nach Hause zu seiner Familie kommen. Da Basê weder lesen noch schreiben gelernt hat, sind Tonbandaufnahmen das einzige Medium, durch das sie und Mustafa aus der Ferne miteinander kommunizieren können, bis er bei einem Arbeitsunfall ums Leben kommt. Auch im Alter beharrt sie auf ihrer Selbständigkeit und möchte lieber in ihrem eigenen Haus bleiben, statt zu ihrem jüngeren Sohn Mehmet und seiner Frau in die Stadt zu ziehen. Nachdem Mehmet eines der Tonbänder seiner Eltern in die Hände gefallen ist, lässt ihn das Bewusstsein nicht mehr los, seinen Vater nie gekannt zu haben. Er besucht seine Mutter und stellt Fragen, doch Basê bleibt verschlossen. Erst nach und nach öffnet sie sich zögerlich.

"Die Stimme meines Vaters" basiert auf einer wahren Geschichte, Co-Regisseur Zeynel Dogan und seine eigene Mutter Basê spielen die Hauptrollen. Sowohl den beiden HauptdarstellerInnen als auch der Regie gelingt die große Kunst, das Schweigen und die Stille zum Sprechen zu bringen - wie die Tonbänder der Vergangenheit, die vor dem Hintergrund von Naturbildern, kargen Zimmern und Basês lauschendem, sich erinnerndem Gesicht zu hören sind. Die Kamera fokussiert zumeist unbewegt einen Bildausschnitt, in dem die Handlung abläuft, erzeugt eine zeitlos nachhallende Bildsprache. Die Metaphorik des Films erinnert an das geröllige "Leidland" Rilkes in der zehnten seiner berühmten Duineser Elegien: "Wir waren, / sagt sie, ein Großes Geschlecht, einmal, wir Klagen. Die Väter / trieben den Bergbau dort in dem großen Gebirg; bei Menschen / findest du manchmal ein Stück geschliffenes Ur-Leid / oder, aus dem alten Vulkan, schlackig versteinerten Zorn."

Gerade die Spärlichkeit der Informationen, ihr mosaikartiges Auftauchen und der urwüchsige Minimalismus des Films verleihen ihnen eine große Kraft und die Wucht des Unverhofften. In einem solchen Film kann ein flüchtiges Detail unsagbar viel wirkmächtiger sein, als eine pompöse Hollywood-Produktion. Es wird nie angeprangert oder geklagt, es wird ruhig erzählt. Die Kinder sollten sich integrieren und von den Schwierigkeiten nichts erfahren, damit sie ohne Hass aufwachsen könnten, sagt Mustafa auf einer der Tonbandaufnahmen. Als Mehmet im Keller seiner Mutter alte Zeitungsausschnitte findet, berichtet Basê schließlich von Massakern, die in der Stadt mit Beilen und Äxten an den AlevitInnen verübt wurden. Die Mitglieder dieser Glaubenslehre richten sich nicht nach der Scharia, werden in der Türkei noch heute stark benachteiligt und nicht als eigenständige Religion anerkannt. In der Schule sollten Basês Söhne nur türkisch sprechen, statt kurdisch, und wurden auch von den Lehrern für die Namen ihrer Eltern ausgelacht.

Die einfachen, zurückhaltenden Dialoge und Aussagen oder die schweigenden Gesichter Basês und Mehmets sprechen in einer Sprache wortlosen Verlusts von ihren generationenübergreifend fortdauernden inneren Konflikten, ihrer Entwurzelung und Beraubung. Basês leise, unauslöschliche Zähigkeit, ihr ungebrochenes Verwachsensein mit der Natur ihrer Heimat – buchstäblich vor Augen geführt von der Transporterladung frischer Erde, die Mehmet für ihren Garten besorgt – zeugt gleichzeitig von etwas, das niemand ihr nehmen kann.

AVIVA-Tipp: "Die Stimme meines Vaters" ist ein herausragender, zeitloser Film voller Stille und großer Ausdruckskraft. Eine vorsichtige Annäherung zwischen Mutter und Sohn, zwischen der Gegenwart und der konflikt- und entbehrungsreichen Vergangenheit einer auseinandergerissenen kurdischen Familie in der Türkei.

Zu den Regisseuren: Orhan Eskiköy wurde 1980 in Istanbul geboren und studierte "Public Relation" an der Fakultät für Kommunikationswissenschaften der Universität in Ankara. Während dieser Zeit produzierte er bereits Filme und arbeitete als Kameramann und Regieassistent. Nach seinem Examen war er von 2005 bis 2007 Fachmann für Videoproduktion im Zentrum für Fernstudien. Mit Özgür und Zeynel Dogan gründete er 2008 Periþan Film. Seine Dokumentation "On The Way To School", die unter anderem vom Sundance Institut gefördert wurde, erreichte über 100.000 ZuschauerInnen in türkischen Kinos.
Zeynel Dogan arbeitete nach seinem Examen im Fachbereich "Journalismus" der Fakultät für Kommunikationswissenschaften der Universität Andalou von 2003 bis 2005 in Diyarbakir als Chefredakteur von Gün TV. Heute ist er unabhängiger kurdischer Dokumentarfilmemacher und Leiter des Medienzentrums von Diyarbakir, wo die Anwendung zeitgenössischer Videotechnik unterrichtet wird. Dogan ist auch Mitglied der Filmemacherinitiative bei Periþan Film. (Quelle: Aries Images)

Die Stimme meines Vaters
Babamin Sesi
Türkei/Deutschland/Frankreich 2012
Regie: Orhan Eskiköy und Zeynel Doðan
Buch: Orhan Eskiköy
DarstellerInnen: Basê Dogan, Zeynel Doan, Gülizar Dogan u.a.
Verleih: Aries Images
Lauflänge: 88 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 15. November 2012

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.babamin-sesi.de

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