Fatih Akin - Müll im Garten Eden. Kinostart 6. Dezember 2012 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

120 BPM Juden, Christen und Muslime. Im Dialog der Wissenschaften 500-1500 DIE FLÜGEL DER MENSCHEN
Aviva-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 02.12.2012

Fatih Akin - Müll im Garten Eden. Kinostart 6. Dezember 2012
Claire Horst

Gegen große Firmen haben UmweltaktivistInnen kaum eine Chance – insbesondere dann, wenn die Regierung hinter den Firmen steht. Auch Fatih Akins Dokumentation zeigt eigentlich eine Niederlage.



Denn obwohl seine ProtagonistInnen, die BewohnerInnen des Schwarzmeerdorfes Camburnu, von Anfang an gegen den Bau einer Mülldeponie in ihrem Dorf protestiert haben, wurde sie wie geplant errichtet und in Betrieb genommen. Über Jahre hinweg begleiten Akin und sein Team die Bauarbeiten und die Proteste der EinwohnerInnen.

Von Anfang an ist klar, dass in dieser berückend schönen Landschaft (einem internationalen Kinopublikum bekannt aus Semih Kaplanoglus Film "Bal", dem Gewinner des Goldenen Bären von 2010), nichts mehr bleiben wird wie es ist. Verseuchtes Grundwasser, zerstörte Teeernten und vergiftete Fische sind die Folgen. Heute, nur fünf Jahre nach der Inbetriebnahme, haben junge Menschen in dem einst paradiesischen Ort keine Perspektive mehr. Fast alle ziehen weg, um sich in den großen Städten ein Leben aufzubauen. Zurück bleibt ein Dorf, das von wilden Hunden und Vogelschwärmen heimgesucht wird, Gemüse, das von den Exkrementen der Tiere verschmutzt wird und eine Ernte, die niemand mehr kaufen will. Auf den Feldern arbeiten die Menschen nur noch mit Mundschutz, weil der Gestank nicht auszuhalten ist.

Einen alternativen Standort gibt es nicht, meint die Landesregierung – in der Region existiert bislang keine funktionierende Abfallentsorgung. Dass der Mindestabstand von einem Kilometer zur nächsten Siedlung nicht eingehalten wird, dass die ehemalige Mine, in der die Deponie angelegt wird, nur notdürftig mit zerstörungsanfälligen Planen ausgelegt wird, verstört die AnwohnerInnen. Vertreter des Umweltministeriums erscheinen allerdings erst, als der nahegelegene Fluss nur noch weißen Schaum führt und schließlich eine Schutzmauer einbricht. Geschlossen ist die Deponie dennoch bis heute nicht. Die BürgerInnen haben alle Gerichtsprozesse verloren.

Dass der Film die Zuschauerin trotz alldem nicht deprimiert, sondern mit neuer Energie angefüllt zurücklässt, liegt an der wunderbaren Kampfeslust der Protestierenden. Ob die Bäuerinnen gemeinsam auf das Firmengelände eindringen, ob eine Schulklasse den Umweltminister ins Verhör nimmt oder eine über 60Jährige erklärt, sie würde die ganze Anlage abfackeln, wenn sie nur jünger wäre – die Zivilcourage dieser Menschen ist beeindruckend.

Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass "Müll im Garten Eden" entstand: Im Jahr 2006 kam Fatih Akin in den Geburtsort seiner Großeltern, um hier die letzten Szenen seines Films "Auf der anderen Seite" zu drehen. Dort wurde der Regisseur auf die Planungen aufmerksam und nahm sich etwas größenwahnsinnig vor, mit seinem Film den Bau zu stoppen. Dass er so lange filmen würde, war anfangs nicht geplant, ebenso wenig wie die Einbeziehung des Dorffotografen Bünyamin Seyrekbasan, der zum professionellen Kameramann wurde und alle Entwicklungen vor Ort dokumentierte.

AVIVA-Tipp: "Müll im Garten Eden" ist eine berührende Langzeitdokumentation, die insbesondere durch die Darstellung der kämpferischen und mutigen DorfbewohnerInnen überzeugt. Vom Bürgermeister, der sich gegen die Beschlüsse der eigenen Partei stellt, bis zur Schülerin, die mit ihren Fragen die Worthülsen des zuständigen Umweltministers zerpflückt, bestechen diese starken Menschen durch ihre Weigerung aufzugeben und ihre Heimat zerstören zu lassen. Ein Gewinn ist der Film auch für sie – vielleicht kann die internationale Aufmerksamkeit nicht nur in Camburnu, sondern in der gesamten Türkei zu einem Umdenken in Bezug auf den Umweltschutz führen. Ein weiterer Bonus ist die Filmmusik, die Alexander Hacke schrieb. Mit ihm hatte Akin schon für "Gegen die Wand" und "Crossing the Bridge" zusammengearbeitet.

Müll im Garten Eden
Deutschland, 2012
Verleih: Pandora
Buch und Regie: Fatih Akin
Produktion: Fatih Akin, Klaus Maeck, Alberto Fanni, Flaminio Zadra, Paolo Colombo
Kamera: Bünyamin Seyrekbasan, Hervé Dieu
Länge: 98 Min
Kinostart: 06. Dezember 2012
Der Film im Netz: www.muellimgarteneden.de


Kultur Beitrag vom 02.12.2012 Claire Horst 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken