Margaret Bourke-White. Fotografien 1930-1945. Ausstellung im Martin-Gropius-Bau noch bis 14. April 2013 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End 120 BPM
Aviva-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f├╝r das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 18.01.2013

Margaret Bourke-White. Fotografien 1930-1945. Ausstellung im Martin-Gropius-Bau noch bis 14. April 2013
Sharon Adler

Sie war in vielem die Erste: Die Pionierin des Fotojournalismus sah sich als "Auge ihrer Zeit". Sie war die erste Frau, die im 2. Weltkrieg auf amerikanischer Seite mitfliegen und -schwimmen ...



... durfte, die erste Frau, die Fotos von Stahlwerken, Generatoren, Maschinen und Material machte und als Industriefotografin Erfolg hatte. Die erste westliche Fotografin, der es im Jahr 1941 erlaubt war, in der Sowjetunion zu fotografieren. Darunter Stalin, seine Mutter und Gro├čtante, aber auch russische Sch├╝lerInnen, ArbeiterInnen, B├Ąuerinnen, stillende M├╝tter. Sie war, aber auch das nur unter anderem, die erste Frau, die in das Fotografenteam der US-Amerikanischen Zeitschriften Fortune und Life aufgenommen wurde. Ihr Foto des befreiten KZs Buchenwald wurde weltweit abgedruckt.

Es ist schlie├člich auch ihr Foto, das als Titelbild auf der allerersten Ausgabe der Illustrierten Life am 23. November 1936 abgebildet wird.
Ein Foto, das die Fort-Peck-Talsperre zeigt, das sie w├Ąhrend einer Reportage f├╝r Life ├╝ber die im Rahmen des sogenannten "New Deal" entstehenden Projekte am Columbia River aufgenommen hat. Das Foto steht exemplarisch f├╝r Bourke-White, die sich nicht nur f├╝r das Bild, sondern auch f├╝r das Wort interessierte. Vor allem anderen hat sie sich als politische Fotografin verstanden. Stets betonte sie das "unstillbare Verlangen, zur Stelle zu sein, in vorderster Reihe zu stehen und immer dabei zu sein."

Die Weichen daf├╝r wurden der am 14. Juni 1904 in der New Yorker Bronx als Tochter eines Ingenieurs und Erfinders polnisch-j├╝discher Herkunft und einer irisch-protestantischen Mutter geborenen Margaret Bourke-White in ihrem Elternhaus gelegt. Der Vater Joseph White vertrat vehement seinen Glaubenssatz gleicher Bildungschancen f├╝r M├Ąnner und Frauen, und ihre Mutter Minnie Bourke vermittelte ihr die Werte einer beharrlichen Selbstverwirklichung.

Margaret, die urspr├╝nglich einen naturwissenschaftlichen Zweig einschlug, entschied sich nach kurzer Zeit, Fotografie zu studieren. Warum? Ihre Idee war es zun├Ąchst, auf Safaris gehen zu k├Ânnen, um Tiere zu fotografieren. Auf diese Weise wollte sie ihr Spezialgebiet, die Biologie, in ihr Lebensziel integrieren. Zun├Ąchst aber faszinierten sie die Stahlkonstruktionen Clevelands und ihre beginnende T├Ątigkeit als Industriefotografin er├Âffneten ihr neue T├╝ren und M├Âglichkeiten.

Margaret Bourke-White, die zweimal jeweils f├╝r kurze Zeit (von 1924-1926 mit dem Ingenieur Everett Chapman, und von 1939-1942 mit dem Schriftsteller Erskine Caldwell) verheiratet war, galt in der m├Ąnnlich dominierten Welt der Fotografen Amerikas als die Fotografin. Ihr Portrait in Fliegermontur w├Ąhrend eines Bombereinsatzes, die Kamera l├Ąssig und l├Ąchelnd in der Hand, war bei den Soldaten allseits bekannt. Margaret Bourke-White lie├č sich von verschlossenen T├╝ren nicht abschrecken, im Gegenteil. Sie k├Ąmpfte f├╝r ihre Story, ihr Foto, ihre Karriere, sah sich der Wahrheit verpflichtet und wollte sie der Welt mitteilen.

Die Ausstellung pr├Ąsentiert das Werk der Fotografin mit 155 Aufnahmen, Briefen und Zeitschriften. Den Schwerpunkt bilden ihre Arbeiten, die in den 1930er und 40er-Jahren in der UDSSR, der Tschechoslowakei, Deutschland, England und Italien entstanden sind. Zudem werden die f├╝r Bourke-White charakteristischen Fotografien gezeigt, wie jene, die sie im Auftrag von Eastern Airlines und der Chrysler Corporation aufnahm. Im Dokumentationsteil sind einige ihrer Wort-Bild-Strecken der Fotomagazine Fortune und Life zu sehen sowie Ausz├╝ge ihrer Briefwechsel mit Pers├Ânlichkeiten aus Politik und Kultur, wie Winston Churchill, Ansel Adams (er redete sie in seine Briefen mit "Dear Genius" an, Alfred Eisenstaedt (der sie "Chere petite Maggie" nannte) und Georgia O┬┤Keeffe.

Ihre Arbeiten zeugen von diesem ihren "unstillbaren Wunsch dabei zu sein, wenn Geschichte geschrieben wird", wie sie es selbst formulierte. Bourke-White war es ein Anliegen, das "Auge der Zeit" sein. F├╝r das Life-Magazin, bald nach seiner Gr├╝ndung eines der bekanntesten und ambitioniertesten Magazine f├╝r Fotojournalismus, erkundete sie mit ihrer Kamera die ganze Welt.

Ihre Karriere begann 1927 in Cleveland. Dort fotografierte sie die Stahlgie├čereien der Stadt. Sie reiste nach Russland, als der erste F├╝nfjahresplan umgesetzt wurde, sie dokumentierte die D├╝rrekatastrophen und die Zeit der Depression 1934 in den USA, die deutsche Invasion der Nazis in Russland im Jahr 1941 und das Bombardement der Alliierten auf Deutschland. Als Auftragsarbeit f├╝r die Zeitschrift Life hielt sie im Sommer 1945 die zerst├Ârten deutschen St├Ądte fest. Ihr dokumentarischer Blick zeigt jedes Detail menschlichen Lebens, ├ťberlebens und Leidens. Sie fotografierte einsame, verzweifelte Menschen am zerst├Ârten Anhalter Bahnhof in Berlin ebenso wie Unmengen von Soldaten, die einen Zug besteigen wollen.

Bourke-White war bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und des Zwangsarbeitslagers Leipzig-Thekla vor Ort. Ihr Foto "Die lebenden Toten von Buchenwald" ging um die ganze Welt.
Was sie bei den ├╝bereinandergestapelten Skeletten empfunden hat, l├Ąsst sich wohl am ehesten in ihrer Autobiographie herauslesen ÔÇô ihre Schwarz-Wei├č-Fotografien jedenfalls machen keinen Unterschied zwischen jubelnden Nazis und get├Âteten Juden. Im die Ausstellung begleitenden Katalog finden sich f├╝nf Seiten mit Aufnahmen aus Buchenwald. Sie zeigen noch immer in KZ-Kleidung Befreite und wohlgen├Ąhrte B├╝rgerInnen Weimars, die auf Anordnung des US-Generals S. Patton das befreite Konzentrationslager besuchen und die Leichen bestatten mussten...

Im Jahr 1946 erschien Bourke-Whites Buch "Deutschland, April 1945", worin sie ihre Eindr├╝cke in den letzten Kriegstagen schildert. Der US-Chefankl├Ąger verwendet das Werk mit dem Originaltitel "Dear Fatherland, Rest Quietly" in den N├╝rnberger Prozessen als Beweismaterial. Im Zug ihrer Deutschlandreise ver├Âffentlicht Life drei ihrer Reportagen "Forgotten Front: Italy", "Suicides", und "The Krupp Family."

Sp├Ąter dokumentierte die Weitgereiste unter anderem die Teilung Indiens, die Grausamkeiten des Apartheid-Regimes in S├╝dafrika und den Koreakrieg. Die Erkenntnisse ihrer Reisen nach Indien ver├Âffentlichte sie unter dem Titel "Interview with India" (1950). Eines ihrer ber├╝hmtesten Bilder aus dieser Zeit ist "Gandhi", den sie verehrt und auf dem dieser mit einem Spinnrad zu sehen ist.

Ihre Bilder waren h├Ąufig auf den Titelseiten der Magazine Fortune und Life zu sehen, f├╝r die sie jahrelang arbeitete. Doch war sie nicht nur engagierte Kriegsberichterstatterin, sondern stand manchmal selbst als Protagonistin in den Schlagzeilen, als etwa das Magazin Life am 22. Januar 1943 ihren Bericht ├╝ber den Luftangriff auf den Flugplatz El Aouina in Tunis ÔÇô den wichtigsten Luftwaffenst├╝tzpunkt der Deutschen f├╝r den Nachschub von Truppen aus Sizilien ÔÇô unter dem Titel "Life┬┤s Bourke-White goes Bombing" ver├Âffentlichte.

Ihre Bilder stehen f├╝r den Zeitgeist, Stimmungen und Str├Âmungen einer ganzen Epoche.

Ab 1953 litt Bourke-White unter ersten Symptomen der Parkinson-Krankheit, die sie jedoch lange ignorierte ÔÇô sie war ein Workaholic. Nach der offiziellen Diagnose konnte sie nicht mehr als Fotografin arbeiten, so hat sie ab 1957 keine Auftr├Ąge mehr von Life annehmen k├Ânnen und widmete sich nun sechs Jahre lang dem Schreiben ihrer Autobiographie "Portrait of Myself" ("Licht und Schatten: Mein Leben und meine Bilder", die 1963 ver├Âffentlicht wurde. Im selben Jahr erhielt sie den Achievement Award der Zeitschrift US Camera.

Margaret Bourke-White starb am 27. August 1971 in Stamford, Connectictut im Alter von 67 Jahren.

"I have always thought that if I could turn back the pages of history and photograph one man, my choice would be Moses."

AVIVA-Tipp: Die Ausstellung der gro├čartigen, gestochen scharfen und unbestechlichen Aufnahmen dieser mutigen Frau ber├╝hrt, bewegt, informiert und darf keinesfalls verpasst werden. Deren Entwicklung von der Studentin der Biologie zur Architektur- und Industriefotografin bis hin zur Kriegsberichterstatterin wird in den R├Ąumen des Martin Gropius Bus authentisch erfahrbar gemacht. Margaret Bourke-White war Zeitzeugin, Dokumentarin, K├╝nstlerin und Handwerkerin in einer Person, die sich selbst h├Ąufig in Gefahr gebracht hat ÔÇô um der Welt den Spiegel vorzuhalten.

Veranstaltungsort: Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstr. 7
10963 Berlin
S-Bahn: Anhalter Bahnhof/Potsdamer Platz, U-Bahn: Potsdamer Platz

Eintritt:
5 Euro / erm├Ą├čigt 3 Euro
Eintritt bis 16 Jahre frei
Kombi-Ticket:
Michael Schmidt / Margaret Bourke-White
9 Euro / erm├Ą├čigt 5 Euro
Gruppen ab 5 Personen
Regul├Ąr: 3 Euro p. P.
Erm├Ą├čigt: 2 Euro p.P.

├ľffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag 10 - 19 Uhr, Di geschlossen

Weitere Informationen finden Sie unter:

Martin-Gropius-Bau

Veranstalter:
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung von La Fábrica Madrid in Zusammenarbeit mit dem Martin-Gropius-Bau, dem Preus-Museum Norwegen und dem Fotomuseum Den Haag.

Kuratorin: Oliva Mar├şa Rubio

Partner:
Wall AG, visit Berlin, Lufthansa
Medienpartner:
Tagesspiegel, zitty, G/ Geschichte, fotoforum, AVIVA-Berlin, CITY iLIKE, RBB inforadio

Katalog
"Margaret Bourke-White. Moments in History"

La Fábrica, Madrid, (Englische Ausgabe)
Museumsausgabe 30 Euro
Buchhandelsausgabe 65,99 Euro
(ISBN 978 - 8 - 4153 - 0396 - 1)

Mehr Infos zu Margaret Bourke-White unter:

Eine Dokumentation ├╝ber Margaret Bourke-White von Lani Geistwalker auf www.youtube.com

Die Rezension von Elsa Dorfman (Photography Reviews) Margaret Bourke-White: A Biography von Vicki Goldberg

(Quelle: Martin-Gropius-Bau, AVIVA)


Kultur Beitrag vom 18.01.2013 Sharon Adler 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken