Paulista - Geschichten aus Sao Paulo. Kinostart: 14. März 2013 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 18.03.2013

Paulista - Geschichten aus Sao Paulo. Kinostart: 14. März 2013
Julia Lorenz

Elf Millionen EinwohnerInnen, drei Menschen, unzählige Möglichkeiten, zu begehren: Ob homo-, hetero- oder transsexuell, am Ende ist die Liebe in Roberto Moreiras Großstadtdrama so unberechenbar...



... wie der Verkehr auf der berühmten Avenida Paulista.

Marina (Silvia Lourenço) ist Schauspielerin und hängt in der Provinz fest. Statt Tschechow zu interpretieren, gibt sie das Rotkäppchen in Kindervorstellungen des Dorftheaters. In der Überzeugung, in Sao Paulo die Bretter zu betreten, die die Welt bedeuten, lässt sie ihren anhänglichen Freund Caio (Sergio Guizé) auf dem Land zurück und versucht ihr Glück in der brasilianischen Megalopolis. Die Bekanntschaft mit der exaltierten Sängerin Justine (Danni Carlos) wird für die junge Frau zur Initialzündung: Marina verliebt sich in die bisexuelle Künstlerin und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihr.

Auch ihre Mitbewohnerin Suzana (Maria Clara Spinelli), eine ambitionierte Scheidungsanwältin, lässt sich zwischen Akten und Ehedramen auf eine zarte Romanze mit ihrem Kollegen Gil (Gustavo Machado) ein, fürchtet sich jedoch davor, ihn mit ihrer Vergangenheit zu konfrontieren - denn Suzana wurde als Mann geboren. Der empfindsame Schriftsteller Jay (Fábio Herford) träumt indes von einer Beziehung mit seiner favorisierten Prostituierten Michelle (Leilah Moreno), die ihm allerdings keine unbezahlte Minute zugestehen möchte.

Die Avenida Paulista in Sao Paulo ist eine jener Straßen, die Städte von Metropolen unterscheidet. Überfüllt mit Verkehr, Luxus und Armut führt sie durch das Zentrum der Weltstadt, verbindet und trennt Lebenswege. So auch die von Marina, Suzana und Jay: Roberto Moreira erzählt die Geschichten seiner drei ProtagonistInnen feinfühlig und ohne auf hanebüchene Querverbindungen zwischen den Episoden zu setzen. Der Regisseur erweist sich als präziser Beobachter, dem Intimität und Authentizität wichtiger sind als kompositorische Experimente: "Für mich war die größte Herausforderung, dass das Publikum den Figuren glaubt und sich ihnen nahe fühlt", erzählt er.

Ganz nebenbei setzt "Paulista" neue Akzente im Umgang mit Heteronormativität: Moreira inszeniert die lesbische Liaison seiner Protagonistin nicht als Coming-Out-Tragödie, sondern lässt die sexuelle Orientierung der Frauen bewusst unkommentiert im Raum stehen - die Aufmerksamkeit gilt allein der selbstzerstörerischen Liebe zwischen Großstadt-Neuling Marina und der labilen Sängerin. Ebenso souverän greift der Filmemacher das Thema der Transsexualität auf. Indem er Suzana nicht auf ihrem Weg zu sich selbst begleitet, sondern als starken, gefestigten Charakter in Szene setzt, dekonstruiert er das Bild des zerrissenen, identitätssuchenden Transmenschen, der "im falschen Körper geboren wurde". Gils Ablehnung in Folge ihres Geständnisses verdeutlicht indes, dass das eigentliche Problem meist in der Gesellschaft und beim Betroffenen selbst zu verorten ist.
Protagonist Jay liebt zwar heterosexuell, aber völlig realitätsfern: Seine Wünsche und Hoffnungen auf das Leben mit einer Frau, die seine intellektuellen Passionen teilt, projiziert er auf Michelle. Dass diese jedoch weder Zuneigung noch den Willen zeigt, sich seine Gedankenwelt zu erschließen, will der romantische Literat vor lauter Einsamkeit nicht wahrhaben.

Der Tiefgründigkeit seiner Charaktere und dem explosiven Potential der Großstadt Sao Paulo wird der Regisseur aus ästhetischer Sicht leider nicht gerecht: Was poetisch gemeint ist, wirkt bisweilen unbeholfen - an vielen Stellen kommen Moreiras Bildsprache und Musikeinsatz arg bemüht daher. Ebenfalls schade: Die titelgebende Avenida bleibt das einzige Motiv, das einen klaren Bezug zur brasilianischen Metropole aufweist. Ein wenig mehr Lokalkolorit wäre einem Film, der seinen Handlungsort so stark in den Mittelpunkt rückt, sicher nicht abträglich gewesen.

Ein fader Nachgeschmack bleibt dennoch nicht zurück. Mensch nehme das Konzept von Alexis Dos Santos´ "London Nights", verlagere es in eine boomende lateinamerikanische Metropole und addiere Sozialkritik: Willkommen im Mikrokosmos der Avenida Paulista, in dem sich die Pfade der unterschiedlichsten Charaktere auf der Suche nach Leidenschaft und Halt kreuzen.

AVIVA-Tipp: "Wie lange dauert die Liebe?" will der portugiesische Originaltitel des Werks wissen. Eine berechtigte Frage im Sog der brasilianischen Weltstadt, der die drei jungen ProtagonistInnen zu verschlucken droht. Regisseur Roberto Moreira beantwortet sie so ungeschminkt wie sensibel und umgeht gekonnt das Risiko, in seinem Episodenfilm einen fragmentarischen Freud-und-Leid-Reigen zu eröffnen, der lediglich an der Oberfläche des Geschehens kratzt.

Zum Regisseur: Roberto Moreira gewann bereits mit seinem Debutfilm "Contra Todos" über zwanzig internationale Preise. Er führte Regie bei einigen Episoden der Fernsehserie "Cidade Dos Homens" und ist als Drehbuchautor tätig, unter anderem für den Film "Antonia" von Tata Amaral. Darüber hinaus lehrt er an der Universität der Kommunikation und Künste in Sao Paulo.

Paulista - Geschichten aus Sao Paulo
Brasilien 2010, OmdU
Originaltitel: Quanto Dura o Amor?
Regie: Roberto Moreira
DarstellerInnen: Silvia Lourenço, Sergio Guizé, Danni Carlos, Maria Clara Spinelli, Gustavo Machado, Fábio Herford, Leilah Moreno
Buch: Roberto Moreira und Anna Muylaert
Kamera: Marcelo Trotta
Schnitt: Mirella Martinelli
Produzentin: Geórgia Costa Araújo
Ausführende Produzentinnen: Geórgia Costa Araújo, Rachel Braga, Andrezza de Faria
Musik: Livio Tragtenberg
Weitere Musik: Radiohead
Filmlänge: 82 Minuten
Verleih: Bildkraft

Kinostart: 14. März 2013

Der Film im Netz:

www.bildkraft.biz

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

London Nights - Wie oft kann man sich verlieren und wieder finden?



Kultur Beitrag vom 18.03.2013 Julia Lorenz 

   




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