No Place on Earth - Kein Platz zum Leben. Ab 09. Mai 2013 im Kino - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.05.2013

No Place on Earth - Kein Platz zum Leben. Ab 09. Mai 2013 im Kino
Madeleine Jeschke

Janet Tobias bewegender Dokumentarfilm nach den Memoiren von Esther Stermer erzählt von der Überlebensgeschichte einer jüdischen Familie in der Ukraine, die sich, um der Verfolgung durch die Nazis..



... zu entgehen, anderthalb Jahre in fast ununterbrochener Finsternis in einer Höhle versteckt hatte.

Erzählt wird die Geschichte der Großfamilien Stermer und Wexler, zwei Familien der über 1,5 Millionen Juden und Jüdinnen, die vor dem Holocaust in der Ukraine lebten. Wie viele andere Dörfer der Gegend, gab es auch in Korolowka, dem Heimatort der Stermers, eine nachbarschaftliche Gemeinschaft aus Juden, Polen und Ukrainern. Das änderte sich Ende der 1930er Jahre mit dem zunehmenden Faschismus. Die politisch interessierte Matriachin Esther Stermer, die Polnisch, Jiddisch und Russisch sprach, war durch verschiedene Zeitungen über das aktuelle Geschehen gut informiert und sich der aufkommenden Gefahr bewusst. 1939 verkaufte sie Haus und Hof, um mit ihrer Familie nach Kanada zu emigrieren. Fotos wurden gemacht, alle erforderlichen Ausreisepapiere beantragt, doch kurz bevor die Flucht ins rettende Ausland gelang, brach der Krieg aus. Drei Jahre lang konnten die jüdischen Familien noch unter immer größer werdenden Schwierigkeiten in ihrem Dorf existieren. Um der Deportation in ein Ghetto zu entgehen, beschloss Esther Stermer im Oktober 1942, dass sich die gesamte Familie verstecken musste. Damit traf sie eine mutige Entscheidung: Ihr Plan war es, mit der gesamten Familie, Töchter, Söhne und deren Kinder, in der nahegelegenen Verteba-Höhle im Tal von Bliche Zlota Schutz zu suchen. Dort versteckten sie sich zusammen mit anderen jüdischen Familien, nicht wissend, wie lange sie dort ausharren würden. Insgesamt waren es 28 Menschen, für die es auf der Erde "keinen Platz zum Leben" gab.

Im April 1943 wurde die Gruppe von der Gestapo aufgespürt, die meisten konnten sich über einen einen geheimen, zuvor angelegten Ausgang retten, fünf von ihnen wurden jedoch verhaftet, darunter auch Esther Stermers Schwester Leiche Wexler und ihr Sohn Leo. Die Gefangenen wurden, mit der Anweisung alle zu erschießen, der ukrainischen Polizei übergeben. Die Männer der Stermer Familie handelten einen Deal aus, um ihre Angehörigen frei zu bekommen. Der Tausch sah vor, dass sie neben Gold auch fünf Tote präsentieren mussten, die der Gestapo als Beweis übergeben werden konnten. Um dieser unmenschliche Forderung nachzukommen, suchten sie in den Gräbern auf dem jüdischen Friedhof nach "passenden" Verstorbenen. Bis auf eine Kinderleiche konnten sie diese Bedingung erfüllen. Die ukrainischen Polizisten hielten sich dennoch nicht an die Abmachung. Versprochen hatten sie den Gefangenen, sie könnten weglaufen, nachdem sie fünf Mal in die Luft geschossen hätten. Sie schossen drei Mal in die Luft, ermordeten aber Leiche Wexler und ihren Sohn Leo.
Traumatisiert und am Ende ihrer Kräfte mussten die Familien schnell ein neues und sicheres Versteck finden. Nach verzweifelter Suche entdeckte Esther Stermers ältester Sohn, Nissel, ein Loch in der Erde, das sich als die über 123 Kilometer lange "Priestergrotte" entpuppte. Insgesamt 38 Menschen rutschten durch einen engen Eingang voll von Matsch und Dreck, tief hinunter, in ein ungewisses Dunkel.

Fünf Familien kämpften hier um ihr Überleben. Zwar gab es Süßwasserquellen, ansonsten aber fehlte es an allem. Die Stermer-Brüder gingen heimlich und unter großen Gefahren ins Dorf, besorgten Nahrung und brachten sogar einen Mühlstein sowie andere brauchbare Gegenstände in die Höhle. Insgesamt 511 Tage, bis zur Befreiung durch die Rote Armee am 12. April 1944, harrten die Menschen in ihrem unterirdischen Versteck aus. Als sie wieder an die Oberfläche kamen, hatten die Frauen und Kinder seit über einem Jahr kein Tageslicht mehr gesehen.

50 Jahre später entdeckte der New Yorker Höhlenforscher Christopher Nicola in dieser Höhle Knöpfe, Schuhe, Medizinfläschchen und andere Alltagsgegenstände, die die Familien zurückließen. Der erstaunliche Fund erweckte seine Neugier. Auf wiederholte Nachfragen im Dorf antworteten ihm die DorfbewohnerInnen zunächst nur mit Schweigen. Es brauchte zehn Jahre Nachforschungen bis er schließlich erfuhr, dass es sich um Relikte von fünf jüdischen Großfamilien handelte, die sich dort im Zweiten Weltkrieg vor den Nazis versteckten. Ohne Nicolas zufällige Entdeckung hätte diese Geschichte nie eine breitere Öffentlichkeit gefunden.

In "No Place on Earth", der im Rahmen des 19. Jüdischen Filmfestivals Berlin und Brandenburg seine Deutschlandpremiere feierte, verbindet Janet Tobias beide Geschichten, die von Chris Nicolas langer und intensiver Recherche nach den BewohnerInnen der Höhle und jener, die dort unter unmenschlichen Bedingungen 18 Monate aushielten.

In Interviews mit den Überlebenden heute und basierend auf den Memoiren von Esther Stermer "We fight to survive" aus dem Jahr 1960, erzählt die Regisseurin die Geschichte der Familien und ihren Kampf ums Überleben unter der Erde.
Spielfilmsequenzen unterlegen das Gesprochene, ohne zu viel beizufügen. Besonders das behutsame Einsetzen von Beleuchtungsequipment zeichnet die nachgestellten Szenen aus und lässt die ZuschauerInnen die Realität des Lebens in der Dunkelheit nachfühlen.
Tobias schafft die Verbindung zur Gegenwart, indem sie Chris Nicolas Suche nacherzählt. Am Ende des Films führt er vier der sieben heute noch lebenden Familienmitglieder zurück in die Ukraine. Nach 66 Jahren besuchten Saul Stermer, Sam Stermer, Sonia Dodyk und Sima Dodyk die Höhlen noch einmal. Saul Stermer war zu diesem Zeitpunkt 91 Jahre, die anderen waren alle über 70 und 80 Jahre alt. Einige hatten ihre Enkelkinder mitgenommen, die im gleichen Alter waren wie sie damals. Auch sie sind in die Höhle hinabgestiegen, einer der bewegendsten Momente des Films.

"Jetzt weiß ich wo ich bin. Jetzt fühle ich mich wohl." waren Saul Stermers Worte, nachdem das Filmteam auf seine Bitte hin die Lichter auszuschaltete. Für die Familien war die unterirdische Höhle keine Bedrohung oder Gefängnis, sie war eine Zuflucht, der einzige Ort an dem sie leben konnten. Himmel und Hölle tauschten die Plätze. Laut Esther Stermer lebten die wahren Dämonen oberhalb der Erde.
Auch der Besuch des ehemaligen Heimatorts löste traurige Erinnerungen aus. "Wo sind bloß all die Menschen?" fragte Sam Stermer. Es leben heute keine Juden mehr in Korolowka. Von dem 1,5 Millionen Jüdinnen und Juden in der Ukraine haben nur fünf Prozent den Holocaust überlebt.

AVIVA-Tipp: No place on Earth erhält durch seine besondere Mischung aus Interviews und aufwendig gedrehten Spielfilmsequenzen eine, für einen Dokumentarfilm, außergewöhnliche Spannung. Die Verbindung von Chris Nicolas Suche nach den Überlebenden und deren Rückkehr in die Höhlen bringt die Geschichte in die Gegenwart und macht sie für die ZuschauerInnen auf einer persönlicheren Ebene erfahrbar.

Zur Regisseurin: Janet Tobias studierte an der Yale Universität und arbeitet als TV-Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin. Sie wurde unter anderem mit dem Silver Gabel Award für den Dokumentarfilm "Juvenile Justice", ausgezeichnet, mit einem Emmy für "Life 360". Tobias erhielt weitere Fernseh- und Rundfunkpreise, sowie Auszeichnungen für herausragenden Journalismus. 2001 gründete sie ihre eigene TV- und Filmproduktionsgesellschaft, Sierra/Tango Productions. Mehr Infos unter: www.sierratangoproductions.com

No Place on Earth - Kein Platz zum Leben
Deutschland, USA, Großbritannien, 2012
Regie: Janet Tobias
Verleih: Senator Filmverleih
Produktion: Janet Tobias, Rafael Mamor, Paul Laikin, Nadav Schiman, Susan Barnett, Zita Kisgergely
Drehbuch: Paul Laikin
ProtagonistInnen: Christopher Nicola, Saul Stermer, Sam Stermer, Sonia Dodyk, Sima Dodyk
DarstellerInnen: Katalin Lábán, Balázs Péter Kiss, Dániel Hegedüs, Balázs Barna Hídvégi, Orosz András, Fruzsina Pelikán, Mira Bonelli, Nóra Kovács, Bernadett Sára Borlai, Zsömbey Péter, Norbert Gogan, Réka Gavaldi, Zucker Emanuell Viktória Szilágyi, u.v.a.
Musik: John Piscitello
Ton: Lewis Goldstein
Kamera: César Chalone, Eduard Grau, Sean Kirby, Peter Simonite
Schnitt: Deirdre Slevin, Claus Wehlisch
Länge: 84 Minuten
Kinostart: 09. Mai 2013
www.noplaceonearthfilm.com

Weitere Informationen finden Sie unter:

National Geographic Adventure Magazine

Die Memoiren von Esther Stermer, "We fight to survive": www.goodreads.com

Off the Face of the Earth - Peter Lane Taylor

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Wunderkinder

Aharon Appelfeld - Katerina

Alexander Granach - Da geht ein Mensch. Ein Film von Angelika Wittlich

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Kultur Beitrag vom 08.05.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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