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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.05.2013

Beasts of the Southern Wild. Das mehrfach ausgezeichnete Werk von Benh Zeitlin und Court 13 ab 7. Mai 2013 auf DVD und Blu-ray
Veronika Siegl

Bildsprache, surreale Begegnungen, traurige Geschichten. Das sind einige der Elemente, die diesen Film ausmachen. Portraitiert wird das außergewöhnliche Leben der 6-jährigen Hushpuppy...



... und ihrem Vater, die in der "Badewanne" Louisianas zu Hause sind. Interviews und Features auf der DVD geben Einblick in die Entstehungsgeschichte des Films und in das Leben der Protagonist_innen.

Für´s (Über-)Leben lernen

Unter dem roten Rock kommt auf dem rechten Oberschenkel eine Tätowierung zum Vorschein. "Das hier ist ein Auerochse", erklärt die Lehrerin. "Eine bösartige, gemeine Kreatur, die auf der Erde wandelte, als wir alle noch in Höhlen lebten. Und sie haben die Höhlenbabies vor den Augen der Höhlenbaby-Eltern verschlungen. (...) Aber meint ihr, die Höhlenmenschen sind bloß ´rumgehockt und haben wie Schlappschwänze angefangen zu heulen? Denkt mal drüber nach, denn schon ganz bald wird das gesamte Universum zusammenbrechen. Die Eiskappen werden schmelzen, das Wasser wird steigen und alles südlich des Damms geht unter. Ihr müsst alle lernen, wie man überlebt." Die Kinder stehen ihr gegenüber, mit großen Augen und halb geöffneten Mündern. Das ist die Lektion, die ihnen mit ins Leben gegeben wird: Nur wer stark ist, kann in dieser Welt bestehen.

Südlouisiana – arm, aber glücklich?

"Beasts of the Southern Wild" spielt bei New Orleans, wo das zerfranste Küstenland mit seinen zahlreichen Bayous (die sumpfigen Seitenarme von Gewässern) immer wieder von starken Stürmen und Überflutungen heimgesucht wird. Dennoch feiern die Menschen hier "pure Lebensfreude und ausschweifende Lust", heißt es auf der Website zum Film, der die Geschichten dieser Menschen erzählen möchte – "Geschichten, die die Wirklichkeit transzendieren, bei denen es aber um wirkliche Menschen geht, die unter unwirklichen Bedingungen leben."

Diese Bedingungen finden sich auch in Bathtub, einem vom Festland fast abgeschiedenen Ort in den Bayous, wo eine kleine Gemeinschaft ihre eigenen Regeln aufstellt. In Armut, Schmutz und zwei aus Wellblech, alten Autoteilen und Müll zusammengeschusterten "Häusern" lebt auch Hushpuppy – deren Namen von den in den Südstaaten beliebten Maismehlbällchen kommt – mit ihrem Vater Wink.

Als sich ein schwerer Sturm ankündigt, verlassen viele Bewohner_innen von Bathtub ihre Häuser, um sich zu retten. Nur wenige Hartgesottene bleiben, unter ihnen Hushpuppy und Wink, die um nichts in der Welt den für sie "schönsten Ort der Welt" verlassen wollen. Die anfängliche Euphorie, der Naturgewalt die Stirn geboten zu haben, schlägt bald in Frust um. In letzter Konsequenz sprengt ein Teil der Verbliebenen den nahegelegenen Damm. Die Aktion hat nicht nur zur Folge, dass das Hochwasser endlich abfließt, auch zieht sie die Aufmerksamkeit der administrativen Autoritäten auf Bathtub. Die ganze Siedlung wird zwangsevakuiert und in eine sterile staatliche Aufnahmestelle eingewiesen. Hier muss sich Wink endgültig seiner schweren Krankheit stellen. Gemeinsam bricht die Gruppe aus, um ein letztes Mal nach Bathtub zurückzukehren.

Metaphern drohender Gefahr

Die Auerochsen mit ihren langen Stoßzähnen ziehen sich als Motiv durch den Film, in dem sie zwei Bedeutungen einzunehmen scheinen.
Zum einen stehen sie für eine drohende Gefahr – aus gesellschaftlicher Perspektive ist das der Sturm, die Überflutung und die Angst vor der Zwangsevakuierung. Aus der individuellen Perspektive der Protagonistin betrifft die drohende Gefahr zusätzlich die Krankheit und den möglichen Tod ihres Vaters. Es sind diese zwei Erzählungen über Verlust und den Kampf um Anerkennung, die durch Regisseur Benh Zeitlin und Lucy Alibar, auf deren Theaterstück der Film basiert, in der Geschichte vereint werden.

Zum anderen symbolisieren die Auerochsen physische und emotionale Stärke, eine Eigenschaft, die Hushpuppy und die anderen Bayous-Bewohner_innen immer wieder beweisen müssen. Hushpuppy wird diese "Toughness" nicht nur durch ihre harte, aber herzliche Lehrerin aufgezwungen, sondern auch durch ihren cholerischen, alkoholkranken Vater. Das Kind in ihr tritt gegenüber ihrem ernsten, bestimmten und kämpferischen Gesichtsausdruck oft in den Hintergrund.

Trost findet sie auf einer metaphysischen Ebene, in die Hushpuppy flieht, um den Ereignissen in ihrem Leben Sinn zu verleihen und sich als Teil eines größeren Ganzen zu verstehen. Auch die Auerochsen sind Bestandteil dieser Ebene. Während ihr "Anmarsch" mehr Gedankenspiel als Realität ist, kommt es am Ende doch zur Konfrontation mit Hushpuppy, als diese ihren Vater zum letzten Mal vor seinem Tod besucht. Ihr Blick zwingt die Tiere auf die Knie, dann machen sie kehrt. "Ihr seid doch meine Freunde", hält ihnen Hushpuppy entgegen. Eine Versöhnung – mit was oder wem, bleibt offen.

Rezeptionen – große Begeisterung und fundamentale Kritik

"Beasts of the Southern Wild" wurde überwiegend positiv rezipiert. "Magisch", schreibt die Süddeutsche Zeitung, "bildgewaltig" die Welt. "Eine Explosion aus reiner Freude. Ein übermütiger und mitreißender Film", schwärmt die New York Times.

Es überrascht, dass viele Rezensionen lediglich die poetischen Aspekte in den Vordergrund stellen. Die Schwarze US-amerikanische Feministin bell hooks greift diesen Punkt auf und kritisiert, dass die Romantisierung des vermeintlich "Primitiven" gänzlich die Aspekte von Gewalt, Verwahrlosung und Leid verdrängen würde. Und hooks Kritik geht tiefer. Sie argumentiert, dass sich der Regisseur sämtlicher rassistischer und sexistischer Klischees bedient habe. Winks Charakter repräsentiere das Stereotyp des "badass black man", der keinen Schmerz kennt und unkontrolliert aggressiv ist, während Hushpuppy die "miniature version of the ´strong black female matriarch´" darstellt, eine Figur, die sich, laut hooks, zurzeit großer Beliebtheit im Unterhaltungskino erfreue. Gleichzeitig werde auch "race" im Film nie thematisiert, sondern ein Zusammenleben in "utopischer Harmonie" suggeriert.

Tatsächlich erwähnt Zeitlin im Interview auf der Bonus-DVD, dass Bathtub einen Ort darstellen sollte, wo Faktoren wie Alter, Religion, Politik und "race" keine Bedeutung beigemessen wird. Eine Vorgehensweise, die in Anbetracht von hooks´ Kritik nicht nur paradox, sondern auch kurzsichtig erscheint. Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Geschlecht, da Stärke im Film primär über männlich-konnotiertes Verhalten definiert und zelebriert wird.

An hooks Kommentar könnte die Frage anschließen, wer denn eigentlich mit den "Beasts of the Southern Wild" gemeint ist und welche Assoziationen mit diesen Begriffen geweckt werden – gewollt oder ungewollt.

Ein Blick hinter die Kulissen

Das Bonusmaterial auf der DVD liefert spannende Einblicke in die Hintergründe und Entstehungsgeschichte des Films. Es enthält u.a. Interviews mit dem Regisseur und den Protagonist_innen, ein "Making of" und Zeitlins Kurzfilm Glory at Sea (2008). Schön ist, dass den Zuschauer_innen hier der "Spirit" des Projekts vermittelt wird, das in dieser Größenordnung für viele der über 100 Beteiligten ein Erstlingswerk war. Umso beeindruckender, dass "Beasts" zahlreiche Preise abräumte, u.a. am Sundance Film Festival und am Festival de Cannes 2012.

Die Gruppe von Künstler_innen, die hinter der Produktion steht, nennt sich Court 13. Wie Zeitlin im Interview erläutert, verbindet ihre Mitglieder eine bestimmte Herangehensweise an das Filmschaffen, die durch Dialog und Partizipation mit den Menschen "vor Ort" geprägt sein will. So wurden auch die beiden Protagonist_innen (Hushpuppy und Wink) von Laienschauspieler_innen aus der Region dargestellt. Die damals 5-jährige Quvenzhané Wallis wurde von ca. 4.000 Bewerberinnen für die Rolle ausgewählt.

AVIVA-Tipp: Der Film gleicht einer Reise in fantastische – aber auch brutale – Welten der Improvisation und Kreativität, die in Einklang mit und zum Schutz vor Naturgewalten geschaffen werden. "Beasts of the Southern Wild" lohnt sich schon allein wegen der großartigen schauspielerischen Leistung der Oscar-nominierten Quvenzhané Wallis. Dennoch ist es wichtig, zu hinterfragen, wer wie repräsentiert wird und welche Themen warum (nicht) angeschnitten werden.

Benh Zeitlin, geboren 1982 in New York, hat bei "Beasts" Regie geführt und das Drehbuch (mit-)geschrieben. 2004 gründete er mit Gleichgesinnten das Künstler_innenkollektiv Court 13. Zu seinen preisgekrönten Kurzfilmen zählen "Egg", "Origins of Electricity", "I get wet" und "Glory at Sea".

Lucy Alibar ist Autorin des Theaterstücks ("Juicy and Delicious"), das später von ihr und ihrem Kindheitsfreund Benh Zeitlin zum Drehbuch umgeschrieben wurde. Für ihre Werke hat sie zahlreiche Preise erhalten, u.a. war sie Gewinnerin der Young Playwrights, Inc. In Florida geboren, lebt heute in New York.

Court 13 ist ein Kollektiv von Künstler_innen, Trickfilmer_innen, Bühnenbildner_innen, Cutter_innen, Musiker_innen und Erzähler_innen. Die "independent filmmaking army" folgt einer "do it yourself"-Herangehensweise zum Filmschaffen und bezeichnet New Orleans als ihr Zuhause.

Beasts of the Southern Wild
USA 2012
Regie: Benh Zeitlin
Drehbuch: Lucy Alibar und Benh Zeitlin
Darsteller_innen: Quvenzhané Wallis, Dwight Henry, Lowell Landes, Pamela Harper, Gina Montana, Amber Henry, Jonshel Alexander, Nicholas Clark, Henry D. Coleman, Kaliana Brower, Philip Lawrence, Hannah Holby, Jimmy Lee Moore, Marilyn Barbarin, Big Chief Alfred Doucette, Jovan Hathaway, Kendra Harris
Sprachen: Englisch, Deutsch, Untertitel: Deutsch
DVD:
Laufzeit 93 Minuten
FSK: 12 Jahre
Special DVD und Blu-ray
Laufzeit ca. 200 Minuten
Bonusmaterial mit Making of, Deleted Scenes mit Audiokommentar von Benh Zeitlin, Benh Zeitlins Kurzfilm Glory at Sea, Interviews mit Benh Zeitlin, Quvenzhané Wallis & Dwight Henry, Featurettes
FSK: 12 Jahre
DVD- und Blu-ray-Start: 7. Mai 2013
Verleih: Cinema MFA+ www.mfa-film.de

Preise/Auszeichnungen:

Sundance Film Festival 2012: Grand Jury Prize

Festival de Cannes 2012: Caméra D´Or

Fantasy Filmfest 2012: Centerpiece & Publikumspreis

Deauville American Film Festival 2012: Grand Jury Prize

Seattle International Film Festival 2012: Golden Space Needle Award (Best Director)

Satellite Awards 2012: International Press Academy´s Humanitarian Award (Benh Zeitlin/ Lucy Alibar)

Gotham Independent Film Awards 2012: Breakthrough Director + Bingham Ray Award (Benh Zeitlin)

Los Angeles Film Festival 2012: Audience Award for Best Narrative Feature

Nominierungen:

Academy Awards 2013 (Oscars): Best Picture, Best Director, Best Adapted Screenplay, Best Actress (Quvenzhané Wallis)

Weitere Informationen:

www.beastsofthesouthernwild.de

Website des Court13-Kollektivs

bell hooks´ Kommentar "No Love in the Wild"

Kultur Beitrag vom 17.05.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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