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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.05.2013

Woodstock in Timbuktu - die Kunst des Widerstands. Regie Désirée von Trotha. Kinostart 16. Mai 2013
Sabine Reichelt

Wurde in den letzten Monaten in den Medien über Mali berichtet, ging es immer um den grausamen BürgerInnenkrieg und militante Islamisten. Von einem Festival des Friedens in der Zeit vor den...



... blutigen Auseinandersetzungen erzählt dieser Dokumentarfilm, der der Zuschauerin die Weite der Wüste, den Blues und das Tuareg-Volk Kel Tamaschek sehr nahe bringt.

Mitten in der Sahara, der größten Sandwüste der Welt, entsteht ein Festivalgelände. Bühnen werden errichtet, Zelte aufgebaut, Jungen tragen Matten für die Gäste heran. Zum elften Mal findet bei Timbuktu, einer Stadt in der Mitte Malis, das "Festival au Désert" statt. Seit 2001 treten hier jährlich sowohl MusikerInnen der Tuareg, als auch MusikerInnen aus ganz Afrika und anderer Kontinente auf. Das Musikereignis entstand aus einem traditionellen Fest der Kel Tamaschek, wie die Touareg sich selbst nennen.

Regisseurin Désirée von Trotha stammt aus Bayern und verbringt seit 1991 jedes Jahr sechs Monate bei den Kel Tamaschek, ist also sowohl Kennerin und Liebhaberin deren Kultur als auch Außenstehende. Sie nutzt diese Stellung, indem sie die NomadInnen sich vor der Kamera selbst präsentieren lässt: als VertreterInnen eines friedlichen, toleranten und weltoffenen Islams, deren größte Feinde militante Salafisten sind, die hunderttausende MalierInnen während des BürgerInnenkriegs zur Flucht zwangen. Unter den Menschen, die ins Exil gehen mussten, waren auch alle FreundInnen der Filmemacherin, wie sie im September 2012 gegenüber west.art, dem Kulturmagazin des WDR, bedauerte.

"Die Tuareg können nicht vom Rest der Menschheit getrennt hinter ihren Dünen bleiben", ist Manny Ansar, Leiter und Gründer des Festivals überzeugt. Und so geht es den Kel Tamaschek bei ihrem Festival einerseits darum, die eigene bedrohte Kultur zu erhalten und sich andererseits gegenüber neuen Einflüssen nicht zu verschließen. Von Trotha schwärmt gegenüber dem SWR2, für sie bestehe der Reiz der Tuareg- gegenüber der deutschen Kultur im "große(n) Hang zur Poesie. (...) Man spürt einfach, dass hinter den Liedern mehr steht als banale Liedtexte, auch wenn man sie nicht versteht."

Das gilt auch für die Texte von Amanar, Sänger einer der drei Bands, die im Film näher vorgestellt werden. Begleitet von Gitarren und Djembe singt er an gegen die Diskriminierung, der die Kel Tamaschek und ihr nomadischer Lebensstil ausgesetzt sind. Mittlerweile weltweit bekannt ist die Band Bombino, die mit rockigem Sound und virtuosen Gitarrensoli überzeugt und deren Sänger von CNN als "guitar hero of the desert" bezeichnet wurde. Während er und andere musizieren, gleitet der Fokus der Kamera über die ungeheure Weite der Wüste: Tuareg reiten auf Kamelen, Kinder spielen im Schatten eines Zeltdaches, FestivalbesucherInnen dösen in der Sonne.

Auch ein Frauenensemble ist im Line-up des Festival. Tartit gründete sich in den 1990er Jahren in einem Flüchtlingslager in Burkina Faso und präsentiert seine Spielart des Desert Blues mit Drums, Gitarren und Gesang. In ihren Balladen singen die Künstlerinnen von Liebe, Politik und dem allgegenwärtigen Wassermangel, der in der Wüstenregion ein großes Problem ist. Entgegen aller Stereotype und Vorurteile, die hierzulande über muslimische Gesellschaften und den Stellenwert von Frauen existieren, sind Frauen bei den Kel Tamaschek weitestgehend gleichberechtigt. "Einige afrikanische Frauen sind eingesperrt. Die Männer entscheiden alles. Aber siebzig Prozent der Frauen bei uns Tuareg sind wirklich frei", bestätigt Fadimata Walet Omar, Gründerin und Sängerin von Tartit. Nur Männer tragen einen Gesichtsschleier. Désirée von Trotha erklärte dem Kulturmagazin west.art, dass es sich "bei den Tuareg (...) traditionell um eine matrilineare Gesellschaft handelt. Und die Frauen stehen de facto traditionell höher als die Männer, sprich, sie fallen auch tiefer, wenn sie einen Fehler machen."

Doch nun bedrohen radikale Islamisten die Freiheit der Frauen und auch das Fortbestehen des Festivals. 2012 hat es das letzte Mal in Mali stattgefunden. In diesem Jahr ist es bereits ein "Festival in Exile". Zwei Karawanen, besetzt mit westafrikanischen und internationalen MusikerInnen, sollten aus zwei Richtungen nach Burkina Faso ziehen und sich dort im Frühjahr für drei Tage im Operndorf Laongo treffen. Wegen der unsicheren und gefährlichen Situation Malis musste es jedoch abgesagt und erst einmal auf den Herbst verschoben werden.

AVIVA-Tipp: Die Färbungen des Himmels über der Sahara reichen von einem hellen Orange über zartes Rosa bis hin zu einem immer dunkler und kräftiger werdenden Blau. Allein diese Aufnahmen sind es wert, "Woodstock in Timbuktu" zu sehen. Aber der Film ist noch vielmehr ein Plädoyer für den unbedingten Erhalt des "Festival au Désert". Die Liebe der Regisseurin zur Wüste und Kultur der Kel Tamaschek überträgt sich auf die Zuschauerin, die Einblicke in ihr wahrscheinlich noch wenig bekannte Welten erhält. Und über allem liegen die betörenden Klänge des Wüstenblues.

Zur Regisseurin: Désirée von Trotha, wurde 1961 in Augsburg geboren und studierte Grafikdesign und Regie. Sie ist Autorin zahlreicher Reportagen und Recherchen aus den Tuareggebieten Algeriens, Malis und Nigers. Seit einigen Jahren leitet sie dort auch Expeditionen und bereist den Norden des Tschad und Mauretaniens. Zu ihren Veröffentlichungen zählen: die Fernsehdokumentation "Afrikanische Schönheiten – Kunst am Haar in Mali" (2010), das Sachbuch "Die Enkel der Echse – Lebensbilder aus dem Land der Tuareg" (1998) und die Bildbände "Heiße Sonne kalter Mond – Tuaregnomaden in der Sahara" (2001) und "Wo sich Himmel und Erde berühren – Tuareg in der Weite der Wüste" (2003). (Informationen des Verleihs)

Woodstock in Timbuktu – die Kunst des Widerstands
Deutschland, Mali 2011/2012
Buch und Regie: Désirée von Trotha
Produktion: Nicole und Philip Joens
Länge: 92 Minuten
Verleih: CindigoFilm
Deutscher Kinostart: 16. Mai 2013
www.woodstockintimbuktu.de
Trailer

Weitere Informationen:

Website des Festivals: www.festival-au-desert.org

Das Festival auf Facebook

Die Band Tartit auf Myspace

Website der Band Bombino: bombino.bandcamp.com

Website der Band Amanar: amanar.viinyl.com

Kampagne zum Film bei Facebook

Beitrag bei west.art: www.wdr.de (September 2012)

Interview mit dem SWR2: www.swr.de (November 2012)

Salafisten sind allmählich eingesickert, Interview der Regisseurin mit der Nordwest-Zeitung (November 2012)

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Arlit, ein zweites Paris (2006)

Fatoumata Diawara - Fatou (2011)

Rokia Traore - Tchamantche (2008)

Amadou und Mariam - Dimanche a Bamako (2005)



Kultur Beitrag vom 17.05.2013 Sabine Reichelt 

   




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