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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 18.05.2013

Kunstausstellung Bedrich Fritta: Zeichnungen aus dem Ghetto Theresienstadt
Dikla Stern, Madeleine Jeschke

Im Rahmen des Themenjahres "Zerstörte Vielfalt" zeigt das Jüdische Museum Berlin vom 17. Mai bis 25. August 2013 die Werke des Grafikers und Karikaturisten. Bislang wurden seine Arbeiten...



... vor allem als zeithistorisches Dokument betrachtet, nun liegt das Augenmerk auf den künstlerischen Mitteln mit denen der er den Ghettoalltag deutete.

Einige Arbeiten tragen Titel wie "Blick auf die geteilte lange Straße", "Kaffeehaus" oder "Leben eines Prominenten", die nichts über die düstere Zeit verraten, in der sie entstanden sind. Diese Neutralität lässt die Zeichnungen selbst noch stärker wirken. In diesen und anderen Zeichnungen stellt der Künstler Szenarien aus dem realistischen Ghettoleben in Theresienstadt dar. In einer ungewöhnlichen Bildsprache überzeichnet Fritta das Unfassbare in eine grotesk-phantastische Wirklichkeit. Die Werke erinnern zum Teil an den deutschen Expressionismus, an Werke von George Grosz, oder an die phantastischen Bildwelten der Symbolisten um 1900. Auffallend sind auch die starken Licht-Schatten-Kontraste, die auch in der expressionistischen Filmsprache zum Einsatz kamen. Diese Fülle von unterschiedlichen Stilmitteln, die Bedrich Fritta in seinen Bildern verwendete, waren der Anlass für eine ästhetische Betrachtung Frittas, wie sie bis heute nur in Ansätzen geschehen ist.

© Foto: Dikla Stern. Bedrich Fritta, Sammelunterkunft auf dem Dachboden, Theresienstadt 1943-44. Dauerleihgabe Thomas Fritta-Haas.


Bedrich Fritta (1906 – 1944) wurde als Fritz Taussig in Böhmisch Weigsdorf geboren und arbeitete nach Beendigung seiner künstlerischen Ausbildung in Paris um 1930 als technischer Zeichner, Werbegraphiker und Karikaturist.Am 4. Dezember 1941 wurde er zusammen mit seiner Frau Johanna und seinem kaum einjährigen Sohn Tomáš von Prag nach Theresienstadt deportiert. Dort leitete er das amtliche Zeichenbüro der jüdischen Selbstverwaltung und entwarf zusammen mit zwanzig weiteren inhaftierten Künstlern im Auftrag der SS Baupläne und Propagandamaterial. Damit sollte der Weltöffentlichkeit, vor allem aber dem Internationalen Roten Kreuz bei dessen Besichtung des Lagers im Jahr 1944 der Eindruck vermittelt werden, dass Jüdinnen und Juden zwar isoliert, aber unter annehmbaren Bedingung lebten.

Die Sonderstellung des Zeichenstudios ermöglichte den Inhaftierten Zugang zu Zeichenmaterialien wie Tusche und Papier. Zwischen 1942 und 1944 entstanden dabei allein von Bedrich Fritta mehr als hundert Grafiken, heimlich und unter großer Gefahr angefertigt. Im Juli 1944 wurde die KünstlerInnengruppe entdeckt und zusammen mit ihren Familien in das Ghetto-Gefängnis verbracht, in dem Johanna Fritta ums Leben kam. Nach monatelangen Verhören folgte im Oktober 1944 die Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz, wo auch Bedrich Fritta, völlig entkräftet, kurz nach seiner Ankunft starb. Sein Freund Leo Haas überlebte, kehrte nach dem Krieg zurück und barg dessen versteckte Zeichnungen. Schließlich wurde "Tommy", Frittas Sohn, von Leo Haas adoptiert.

Unter den von Leo Haas geretteten Zeichnungen war auch das Bilderbuch "Für Tommy zum dritten Geburtstag", welches einen Kontrast zu den düsteren Arbeiten Bedrich Frittas darstellt. Der Künstler zeichnet hier eine bunte Welt, losgelöst vom Alltag in Theresienstadt: Phantasien von gemeinsamen Reisen des Vaters mit dem Sohn durch fremde exotische Länder, Postpakete mit Bonbons und Schokolade, oder die Darstellung verschiedener Berufswünsche. So sollte sich sein kleiner Sohn eine Welt auch außerhalb des Ghettos vorstellen können.

© Foto: Jens Ziehe. "Für Tommy zum dritten Geburtstag in Theresienstadt 22.01.1944", Bilderbuch von Bedrich Fritta für seinen Sohn. Leihgabe: Thomas Fritta-Haas


Thomas Fritta-Haas, der heute mit seiner Familie in Mannheim lebt, fühlt sich diesem Buch verbunden: "Das einzige, was mir geblieben ist, was mir gehört, was man nur für mich gemacht hat, ist mein, ein Buch von meinem Vater. Dort spüre ich ihn, seine Tränen, seine Hoffnung, seine Angst"

Auch im Leben der übrigen Familie nimmt das Buch einen wichtigen Platz ein. "Es schildert von Romantik und Kinderträumen, einen menschlich gebliebenen Aspekt, der uns die Größe dieses Mannes zeigt, indem er es in der Hölle geschafft hat, solche Sachen für seinen Sohn zu hinterlassen. Dieses Buch hat die Verbindung zwischen der Generation des Großvaters und von Vater gehalten. Vater trennt sich nie von diesem Buch, es ist immer griffbereit.", so Thomas Fritters Sohn, David Haas. Über seinen Großvater sagt David Haas: "Er war ein Mann, von dem wir kein Foto kennen, von dem wir kaum wissen, wie er war und wir uns letztendlich anhand dieser Zeichnungen und eines Buches ein Bild von ihm schaffen können. Diese Bilder zeugen von einem mutigen und sehr klaren Geist, der mit seiner Waffe, dem Kohlestift, Widerstand gegen ein übergroßes Regime geleistet hat."

Als besondere Leihgabe kann das Jüdische Museum Berlin dieses Bilderbuch im Original zeigen.

© Foto: Dikla Stern. Thomas Fritta-Haas, Berlin 2013"


Der Familie Fritta-Haas, in deren Besitz sich heute alle Zeichnungen Bedrich Frittas befinden, war es wichtig, die Bilder in einem jüdischen Kontext zu zeigen, da sie nur dort den passenden Rahmen finden: "Wir sind froh, dass die Bilder zu diesem Zeitpunkt in diesem Land und in dieser Stadt gezeigt werden."

Sonderwebsite mit weiteren Informationen zu der Ausstellung Bedrich Fritta. Zeichnungen aus dem Ghetto Theresienstadt: www.jmberlin.de/fritta

Ausstellungsdauer: 17. Mai bis 25. August 2013

Eintritt: 7 Euro, erm. 3,50 Euro

Veranstaltungsort: Eric F. Ross Galerie im Jüdischen Museum Berlin
Lindenstr. 9–14
10969 Berlin

Weitere Informationen:

www.ghetto-theresienstadt.info

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Kultur Beitrag vom 18.05.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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